Orgelliteratur

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Martin Dufais
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Orgelliteratur

Beitrag von Martin Dufais » Samstag 15. September 2007, 11:30

Hallo, ich bin neu hier, hab' aber schon länger das Forum hier verfolgt und bin beeindruckt von den irren Kenntnissen einiger Teilnehmer hier. Da kann ich leider nicht mithalten, aber ich hätte eine Frage zur Orgelliteratur: Es gibt ja einige ganz brauchbare Einführungsbücher in die Orgelwelt, die jeder Orgelspieler und jeder Orgelliebhaber kennt - "Das Buch von der Orgel" von Klotz, oder die "Einführung in den Orgelbau" von Adelung. Dann gibt es eine Unmenge an unglaublich speziellen Büchern über Orgeln in einer bestimmten Region - je kleiner die Region, desto dicker das Buch - oder über irgendwelche Orgelbauer: Silbermann, Gabler und so. Aber für die Bedürfnisse der meisten orgelinteressierten Leser (mich eingeschlossen) scheint mir das doch etwas sehr speziell zu sein, und einfach durchlesen kann man die Beschreibungen von Orgeln in einer bestimmten Region schon gar nicht, das sind eher Bilderbücher oder Nachschlagewerke. Was mich interessieren würde, wären Bücher, die einen Überblick über die Geschichte des Orgelbaus und seine regionale Ausdifferenzierung geben. Welche Bücher wären da geeignet?

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Sonntag 16. September 2007, 20:51

Leider gibt es nur sehr wenige Bücher, die Ihren Wünschen in etwa entsprechen könnten. Und leider, leider kann ich keines dieser Bücher vorbehaltlos empfehlen. Ich zähle sie nachfolgend einfach mal auf und nenne die jeweiligen Schwächen. Fast alle sind schon etwas älteren Datums - ich habe nicht nachgesehen, welches dieser Bücher überhaupt noch im Handel ist. Bei Interesse müßte man also u.U. nach einem antiquarischen Exemplar suchen, aber das ist ja heute kein Problem mehr.

Hans Klotz: Über die Orgelkunst der Gotik, der Renaissance und des Barock. Die späteren Auflagen dieses Buches ab 1968 sind eine brauchbare Darstellung der Orgelgeschichte vom Mittelalter bis gegen 1750. Das 19. und 20. Jahrhundert fehlt komplett, und diese Mißachtung der neueren Orgelgeschichte ist aus heutiger Sicht kaum noch zu akzeptieren. Das Buch konzentriert sich auf die Wiedergabe von ausgewählten Dispositionen zu den verschiedenen Regional- und Zeitstilen und geht auch auf die Registrier- und Spielpraxis ein. Was komplett fehlt, ist die technische Seite der Orgel (Ladentechnik, Traktur) sowie die Prospektgestaltung.

Eberhard Kraus: Orgeln und Orgelmusik. Regensburg 1972. Das Buch gibt einen (sehr groben) Überblick über die Orgelgeschichte seit der Antike und die Eigenheiten der Orgeln und der Orgelnusik in den verschiedenen historischen "Orgellandschaften". Ein relativ umfangreicher Bildteil und eine kleine Dispositionssammlung ergänzen den Text. Als eine allererste Einführung kann man es vielleicht immer noch gebrauchen, auch wenn vieles aus heutiger Sicht veraltet oder zu sehr vereinfacht ist.

Alfred Reichling (Hg.), Orgel. Kassel 2001 (= Artikel "Orgel" in der Musikenzyklopädie Musik in Geschichte und Gegenwart.) Dieser 227-Seiten-Text ist die neueste umfassende Überblicksdarstellung von Orgeltechnik und Orgelgeschichte und insofern vielleicht noch am empfehlenswertesten. Was allerdings völlig fehlt, ist der Zusammenhang zwischen Orgelmusik und Instrument, zwischen Orgelpraxis und Instrument. Auch die Prospektgestaltung wird nur sehr stiefmütterlich behandelt und mit nur wenigen Bildern veranschaulicht. Unsinnig ist die Darstellung der einzelnen Orgellandschaften ohne Nennung von Dispositionen (diese werden sehr oberflächlich in einem eigenen Abschnitt behandelt).

Ferner gibt es in englischer Sprache von Peter Williams: A New History of the Organ: from the Greeks to the Present Day, London 1980. Ich habe mich mit dem Buch nicht näher befaßt, kann also dazu nichts sagen. Maarten Albert Vente rezensierte das Buch seinerzeit so: "Die gestraffte Darstellungsweise des Buches ist seine Stärke und Schwäche zugleich. Ich bewundere Williams' Fähigkeit, fast unübersehbare Gebiete kurz zusammenzufassen, aber die unvermeidliche Folge dieses Vermögens ist, daß man nur das Wesentiche und Allgemeine erfährt ... Es ist auffällig, daß Williams ziemlich viel über die Orgel bis in das 15. Jahrhundert erzählt, ein Instrument, das nur das Interesse des Wissenschaftlers erregt. ... Die wirklich wichtigen Zeiträume dagegen sind nur in groben Zügen dargestellt und deshalb oberflächlich."

Es ist wirklich auffällig, wie wenige der vielen Orgelbücher aus den letzten 50 Jahren eine Gesamtdarstellung der Orgelgeschichte versuchen. Das war davor ganz anders - aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt es etliche Darstellungen der Orgelgeschichte, die natürlich hoffnungslos veraltet sind. Das Fehlen neuerer Überblicksdarstellungen hat wohl damit zu tun, daß man nach diesen frühen Gesamtdarstellungen (zu denen auch noch Klotz's "Orgelkunst" von 1934 zu rechnen ist) merkte, wie oberflächlich und fehlerhaft diese Darstellungen sind. Man begann die Orgelgeschichte der einzelnen Regionen und die Tätigkeit unzähliger Orgelbauer zu erforschen, was nicht zuletzt eine wesentiche Vorarbeit für Restaurierungen und Rekonstruktionen historischer Orgeln war - und verlor dann über diese Beschäftigung mit den Details den Blick auf das große Ganze. Die heutige Situation auf dem Orgelbüchermarkt ist die unmittelbare Folge dieses Vorgangs.

Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Montag 17. September 2007, 10:08

Vielen Dank, das sind doch schon mal ein paar interessante Hinweise!

Eine kleine Anregung: Wenn es auf diesem Gebiet heute eine Lücke im Buchmarkt gibt, Sie oder der Orgelhistoriker Herr Lauwers könnten doch bestimmt diese Lücke schließen! Wäre das nicht eine lohnende Aufgabe?

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Beitrag von RhönOrgelbauer » Montag 17. September 2007, 12:28

Roland Eberlein hat geschrieben: ...
Eberhard Kraus: Orgeln und Orgelmusik. Regensburg 1972.
...
Alfred Reichling (Hg.), Orgel. Kassel 2001 (= Artikel "Orgel" in der Musikenzyklopädie Musik in Geschichte und Gegenwart.)
...
Hallo,
diese beiden Bücher hätte ich auch empfohlen.
Das zeigt, wie wenig in der Richtung doch auf dem Markt ist.

Was die Lücke im Buchmarkt betrifft, diese Arbeit wäre für einen Einzelautor bei heutigen Ansprüchen kaum zu schaffen. Noch dazu mit einer angemessenen Vergütung, von der man leben kann.

Dazu kommt das Problem, dass solch umfassende Werke, die ja auch entsprechend ausgestattet sein sollen, bei dem vorhandenen Mini-Käuferkreis für die Verlage schwer kalkulierbar sind.

Ein Beispiel: Lexikon der Orgel, 2007, Laaber-Verlag, welches trotz des dreistelligen Preises in der 1. Auflage bereits nach einigen Wochen vergriffen sein wird. Ein Nachteil für die inserierenden oder gelisteten Orgelbauer. Für die 2. Auflage werden schon wieder nette Anzeigenpreise fällig, wenn man drin bleiben will.
Ist das nun ein Fachbuch oder ein Branchenbuch? Wäre es ohne den Anzeigenteil für keinen mehr erschwinglich?

Gruß
RhO

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Beitrag von Administrator » Montag 17. September 2007, 16:04

Hallo,

gerade in einer Nischen-Branche wie dem Orgelbereich ist inzwischen die Mehrzahl der Verlage bei solch großen Projekten, wie dem Orgel-Lexikon, auf Werbung angewiesen. Sonst würde der Preis dafür so hoch sein, dass es keiner kauft.

Auch wenn dies Lexikon sicher nicht vollständig ist, finde ich es doch sehr gelungen. Man kann manches einfach mal schnell nachlesen und ich habe neulich ganz 3 Stunden darin gestöbert. Einfach, weil man von einem Artikel zum anderen gesprungen ist und immer etwas Neues fand.

Meiner Meinung nach recht gut gelungen. !!

Liebe Grüße

Daniel

PS. Zum Buch gehts hier: http://www.orgel-information.de/catalog ... ts_id=1253
Herzliche Grüße

Daniel
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Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Montag 17. September 2007, 20:04

Also, wenn das Lexikon der Orgel nach nur 3-4 Monaten in der ersten Auflage vergriffen ist, dann scheint es ja um die Verkaufsmöglichkeiten eines gut gemachten Werks über die Orgel gar nicht so schlecht zu stehen. Und daß der schnelle Verkauf ein Nachteil für den inserierenden Orgelbauer sein soll, kann ich gar nicht verstehen - würde das Werk in irgend einer Lagerhalle des Verlags verstauben, dann wäre der Kostenaufwand für die Werbung vergeblich gewesen, so aber kommt die Werbung täglich an Benutzer des Orgellexikons heran. Es ist ja nicht wie bei einer Zeitschrift, bei der man in jedem Heft werben muß, um präsent zu bleiben, da alte Hefte möglicherweise in den Papiercontainer wandern.

Ob es wirklich für einen Einzelautor heute unmöglich ist, eine Zusammenfassung der Orgelgeschichte zu schreiben? Ich kann das eigentlich fast nicht glauben. Es geht ja nicht um eine enzyklopädische Darstellung der Orgelgeschichte und der Orgellandschaften, sondern um eine handliche, lesbare Darstellung für Orgelschüler, -studenten, Organisten und Orgelfreunde. Freilich, eine "angemessene Vergütung, von der man leben kann" kann der Autor nicht erwarten, eine solche Vergütung hat aber noch nie ein Fach- oder Sachbuchautor erhalten.

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Beitrag von Administrator » Montag 17. September 2007, 21:48

Hallo,

verlegen täte ich solch ein Werk durchaus (da wir ja auch Verlagsarbeiten machen). Es fehlt nur am Autor. Und eine Abnahme versprechen - das kann eh gar kein Verlag.
Auf den Versuch käme es an.

Also - wer setzt sich hin und schreibt etwas Entsprechendes? Wir übernehmen Verlag und Vertrieb.

Liebe Grüße

Daniel
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Beitrag von Roland Eberlein » Montag 17. September 2007, 23:54

Eigentlich wollte ich ja lieber nichts zu der unverbindlichen Anregung sagen, aber wenn nun schon der erste potentielle Verleger nach einem Autor fragt, muß ich mich, fürchte ich, doch mal räuspern. Tja, ähem, ... machbar wäre das sicher schon. Eine interessante, herausfordernde Aufgabe wäre es auch, zweifellos. Und sehr wahrscheinlich gibt es in den Schubladen von etlichen Leuten, die Orgelbaugeschichte an Musikhochschulen oder an Musikwissenschaftlichen Instituten unterrichten oder unterrichtet haben, sogar schon Manuskripte mit solchen Überblicksdarstellungen (ist zumindest bei mir der Fall). Doch zwischen so einem Vorlesungsmanuskript und einem Buch besteht ein Riesenunterschied: Was im Buch steht, darauf wird man öffentlich festgenagelt. Die Erwartungen an ein Buch hinsichtlich Vollständigkeit, aktuellem Wissenstand und Korrektheit bis in die letzten Details sind unvergleichlich höher als bei einer Vorlesung, die schon mal etwas "al fresco" gemacht sein kann. Ein Buch macht mithin zunächst einmal die Aufarbeitung einer unglaublichen Fülle an Literatur, die in den letzten Jahrzehnten entstanden ist, notwendig. Das bedeutet bei einem so umfassenden Thema jahrelange Lesearbeit, bevor auch nur die erste Zeile geschrieben werden kann. Und dann kommt das nächste Problem, vor dem mir schon jetzt graut, wenn ich nur daran denke: Wie dampft man die nun angelesene Flut an Informationen so ein, daß daraus eine "handliche, lesbare Darstellung" wird - die aber trotz der Kürze verständlich sogar für Laien und Anfänger sein soll, und gleichzeitig die komplexen geschichtlichen Tatsachen und Zusammenhänge so vollständig wiedergeben muß, daß auch der Fachmann nichts daran auszusetzen hat. Das ist das Kernproblem bei einem solchen Vorhaben, und die Lösung dürfte gerade im Fall der Orgelgeschichte alles andere als leichtfallen. An dieser harten Nuß haben sich schon etliche Autoren sich die Zähne ausgebissen, ohne eine wirklich befriedigende Lösung zu finden!

Im Augenblick bin ich sowieso noch ausgelastet mit der Arbeit an einem Lexikon der Orgelregister und ihrer Geschichte (derzeitiger Umfang: 725 Druckseiten). Das wird wohl noch ein Jährchen brauchen, bis das publikationsreif ist. Aber da die Vorarbeiten dafür schon mal eine gute Ausgangsbasis sind für so eine Geschichte der Orgel, werde ich mir bis dahin zumindest Gedanken machen, wie eine praktikable Lösung des Problems aussehen könnte. Sollte ich dann eine Lösungsmöglichkeit sehen, werde ich mich gerne an die Arbeit machen.

Holger

Beitrag von Holger » Dienstag 18. September 2007, 09:07

Das Problem einer umfassenden Darstellung der Orgel (die ja sehr viel differenzierter zu betrachten ist und sich gar nicht auf ein einheitliches Instrument wie das Klavier reduzieren läßt) dürfte wirklich der Interessentenkreis sein.

Wie speziell mache ich denn das ganze. Ist es zu speziell, dann schrumpft der potentielle Kundenkreis auf weinige, Qualität ist hervorragend, Preis ist hoch und keiner kauft's. Geht man nicht wirklich in die Tiefe und versucht grundlegendes nachezubringen, gilt es vielleicht als oberflächlich oder nicht komplett.

Was auf dem Markt m.E. wirklich fehlt ist ein Werk, das dem ambitionierten Laien (Orgelschüler, Kirchengemeinderäte, Pfarrer, Choristen usw.) die Orgel näher bringt und Verständnis für Funktion und Gestaltung der Orgel in Breite Bahnen streut und somit ein breiteres Publikum erreicht.

Und dahabt ihr alle eigentlich recht, es gibt kein aktuelles Werk, das in verständlicher Weise einem mehr oder weniger Laien die Orgel erklärt und anschaulich darstellt wie das ganze funktioniert.

Ich denke, dass da das Werk von Hans Klotz "Das Buch von der Orgel", egal ob inzwischen veraltet oder nicht vollständig, gar nicht so schlecht ist.

Wie wäre es eigentlich, wenn einer mal hergehen würde und solch ein Werk auf den aktuellen Stand bringen würde. Ich denke da wäre der Aufwand gar nicht so unüberschaubar, da gewisse Bereiche bereits recht gut und vor allem verständlich erörtert sind. Und bekanntermaßen muß ja das Rad nicht neu erfunden werden.

Das was fehlt ergänzen, das ganze dann noch logisch umgestalten, die ganze orgelbewegte Ideologie weglassen und für den noch nicht Spezialisten gäbe es dann etwas brauchbares, was auch Interesse auf mehr wecken könnte.

Spezialisieren kommt dan von alleine bei der Fülle des verfügbaren Materials, das sich dann daran anschließt.
Zuletzt geändert von Holger am Dienstag 18. September 2007, 09:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Administrator » Dienstag 18. September 2007, 09:08

Lieber Herr Eberlein,

damit ist ja der erste Schritt schon mal getan. Dass man da nichts über das Knie brechen darf ich sicher allen bewußt.
Vielleicht findet sich ja auch noch jemand, der das ganze Thema gemeinsam mit Ihnen aufarbeitet? Z.B. Herr Lauwers? Oder sonst jemand aus Ihrem Arbeitsbereich? Somit bleibt die ganze Arbeit nicht an Ihnen hängen.

Und - Gut Ding will Weile haben. Wir wollen ja keinen Streß verbreiten :wink:

Herzlichen Gruß

Daniel Kunert
Herzliche Grüße

Daniel
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Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Dienstag 18. September 2007, 09:27

Holger hat geschrieben: Was auf dem Markt m.E. wirklich fehlt ist ein Werk, das dem ambitionierten Laien (Orgelschüler, Kirchengemeinderäte, Pfarrer, Choristen usw.) die Orgel näher bringt und Verständnis für Funktion und Gestaltung der Orgel in Breite Bahnen streut und somit ein breiteres Publikum erreicht.

Und dahabt ihr alle eigentlich recht, es gibt kein aktuelles Werk, das in verständlicher Weise einem mehr oder weniger Laien die Orgel erklärt und anschaulich darstellt wie das ganze funktioniert.

Ich denke, dass da das Werk von Hans Klotz "Das Buch von der Orgel", egal ob inzwischen veraltet oder nicht vollständig, gar nicht so schlecht ist.
Den Klotz kenn' ich, und ich find' ihn auch gar nicht schlecht - das kann ruhig so bleiben. Aber das Buch ist eine Einführung in die Orgeltechnik, keine Darstellung der Orgelgeschichte und der Orgelstile. Eine solche Darstellung in übersichtlicher, lesbarer Form würde mich interessieren. Ich denke, es ist schon sinnvoll, wenn man das von einander trennt, dann kann das eine auf dem anderen aufbauen, die Stilgeschichte wird dann vom technischen Krimskrams entlastet.

Holger

Beitrag von Holger » Dienstag 18. September 2007, 10:28

Beides, Orgelbaukunde und Geschichte bzw. Stilkunde, zu trennen wird sicherlich kaum möglich sein, da sich beides irgendwo bedingt bzw. beeinflußt.

Sicherlich kann man beides Schwerpunktmäßig trennen. Aber das eine gänzlich ohne das andere wird sehr theoretisch sein.

Allerdings finde ich den Klotz in manchen Ansichten reichlich antiquiert und einseitig zumal wirklich die Entwicklung im 19 Jh. völlig ausgeblendet wird, d.h. ein rein von der Quantiät gesehener Anteil des Orgelschaffens (Orgeln wie Orgelmusik) wird einfach negiert. Und gerade da ist m.E. für das "breite" Publikum noch Nachholbedarf da.

Das Buch von Mahrenholz "Die Orgelregister, Ihre Geschichte und Ihr Bau" hab ich als uralte Schwarte zu Hause - find ich recht gut. Aber ob dieses derzeit irgendwo als Neuauflage zu haben ist oder eher antiquarisch. Naja bis das Lexikon von Orgelfreund Eberlein fertig ist sicher mal ne Alternative.

Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Freitag 30. April 2010, 22:03

Roland Eberlein hat geschrieben: Im Augenblick bin ich sowieso noch ausgelastet mit der Arbeit an einem Lexikon der Orgelregister und ihrer Geschichte (derzeitiger Umfang: 725 Druckseiten). Das wird wohl noch ein Jährchen brauchen, bis das publikationsreif ist. Aber da die Vorarbeiten dafür schon mal eine gute Ausgangsbasis sind für so eine Geschichte der Orgel, werde ich mir bis dahin zumindest Gedanken machen, wie eine praktikable Lösung des Problems aussehen könnte. Sollte ich dann eine Lösungsmöglichkeit sehen, werde ich mich gerne an die Arbeit machen.
Hallo Herr Eberlein, nach nunmehr bald 3 Jahren würde mich sehr interessieren, ob etwas aus dem Buch wird! In einem anderen Thread haben Sie 2008 geschrieben: "Wie vor gut einem Jahr hier im Forum versprochen, sitze ich an einer allgemeinverständlichen Darstellung der Orgelgeschichte und verschiedenen Orgeltypen und -formen." Haben Sie also ein realisierbares Konzept für eine Orgelgeschichte gefunden und arbeiten Sie daran? Vielleicht kommt das Buch sogar schon bald auf den Markt?

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Beitrag von Roland Eberlein » Samstag 1. Mai 2010, 11:25

Ja, aus dem Buch wird was. Allerdings dauert es, wenn es gut läuft, noch mindestens ein Jahr, wenn es schlecht läuft vielleicht zwei Jahre, bis ich es publizieren kann. Und von dem ursprünglichen Ziel einer "handlichen, lesbaren Darstellung für Orgelschüler, -studenten, Organisten und Orgelfreunde" habe ich mich inzwischen in einem Punkt verabschiedet: So sehr handlich wird es nicht werden. 2000 Jahre Orgelgeschichte mit unzähligen Orgeltypen, die jeweils ihre eigene Geschichte haben, lassen sich einfach nicht auf handlichen 150 oder 200 Seiten darstellen. Es wird sicher nicht unter 400 Seiten abgehen, vielleicht werden es sogar 500 - ich bin jetzt schon bei über 250 Seiten und es fehlen noch viele Kapitel!

Über die inhaltliche Struktur des Buches kann ich schon mal so viel verraten, daß sie nicht der üblichen Gliederung in "Orgellandschaften" oder "Orgeltypen" entsprechen wird. Das macht einfach keinen Sinn, da sich ja die einzelnen Orgellandschaften oder Orgeltypen nicht unabhängig voneinander entwickelt haben, sondern in einem steten Austausch standen. Das Buch wird vielmehr gegliedert sein in zwei Teile "innere Struktur der Orgel" und "äußere Struktur der Orgel" und in jedem dieser beiden Teile wird eine Ideengeschichte nachgezeichnet: Jedes Kapitel behandelt die Entwicklung einer bestimmten Gestaltungsidee, also z.B. grundlegende Dispositionsideen (Blockwerk, Mixturstil, Reihenstil usw.) oder grundlegende Ideen in der äußeren Gestaltung (gehäuselose Orgel, flacher Orgelschrein mit Türen, Orgelschrein mit vorspringenden Türmen, pfeifenloser Prospekt usw.). Auf diese Weise läßt sich die Zersplitterung der Orgelgeschichte in zahllose Regionalgeschichten vermeiden, zugleich ermöglicht dies eine Konzentration auf die wirklich wichtigen Entwicklungsschritte in der Orgelgeschichte: Man muß sich nicht mehr mit jedem Provinzorgelbauer abgeben, nur weil er ein Privileg für eine bestimmte Region hatte und daher in dieser Region den Orgelstil bestimmte.

Also, das Buch entsteht, es ist auch schon recht weit gediehen, aber es braucht noch etwas Zeit und Geduld, bis es fertig ist und auf den Markt kommt.

Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Samstag 1. Mai 2010, 21:42

Vielen Dank für die Auskunft, freut mich riesig, dass das Buch zustandekommen wird und ich bin schon jetzt tierisch gespannt darauf!

Diese Ideengeschichte der Orgeln klingt spannend, aber fallen da nicht eine Menge wichtiger Orgelbauer unter den Tisch? Wenn ich richtig sehe, haben die besten Orgelbauer meist nicht das "Rad neu erfunden", sondern das erfundene Rad zur Perfektion gebracht - was haben z.B. Schnitger oder Silbermann oder Christian Müller oder Karl Riepp neu erfunden? Werden die dann alle übergangen in dem Buch?

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