Stefan Engels in St. Antonius, D-Oberkassel (neues Fernwerk)

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Clemens Schäfer
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Stefan Engels in St. Antonius, D-Oberkassel (neues Fernwerk)

Beitrag von Clemens Schäfer » Samstag 1. Dezember 2018, 21:49

Hallo Forum,

das neue Fernwerk der Kirche St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel, will weiter entdeckt werden. Am 30.11.2018 spielte Stefan Engels (Dallas/Leipzig) und nutzte die neuen Möglichkeiten auf vielfältige Weise. Da er als Karg-Elert-Spezialist auch ein Programm mit deutlichem Schwerpunkt bei diesem Komponisten mitgebracht hatte, gab es vielfältige Möglichkeit dazu.

Begonnen hat Engels allerdings mit Bach-Vivaldi, Großmogul, BWV 594. Engels ging den ersten Satz energisch an. Im zweiten Satz formulierte er das große Rezitativ beredt aus. Schöne sinnhafte Agogik ohne Übertreibungen. Da mußte auch aufhorchen, wer diese Konzerte sonst nicht so mag. Im Schlußsatz kostete er die Echostellen genüßlich aus, indem er die Motive von der Haupt- zur Chororgel und dann weiter ans Fernwerk reichte.

Dann stieg Engels bei Karg-Elert ein. Hier gab es zunächst drei Choral-Improvisationen aus op. 65. “Jesu, geh’ voran“ (Nr.56) (umfangreich, eilige Streicher, Passagen im ppp), „Lobe den Herren, den mächtigen König“(Nr. 58) (wunderbare Einschachtelung des Themas in herrlich reizvoller Harmonik, die einzelnen Choralzeilen von sprudelnden Passagen umgeben) und „“O Gott, du frommer Gott“ (Nr. 50) (in weicher Registrierung). Engels zauberte mit den Farben und nutzte auch den vollen Dynamikumfang.

Dann kam „Harmonies du soir op. 72 Nr. 1 mit Oboe aus der Chororgel, schön ruhig. Beseeligende Passagen aus dem Fernwerk.

Das „Rondo alla Campanella“ op. 156 war fratzenhaft, wild und heftig, Schluß im fff.

Zart begann das „Ave Maria“ op. 106 Nr. 2, steigerte sich aber dem Text entsprechend (Stunde unseres Todes) bedrohlich.

Am Ende stand das große und grandiose op. 150: Introduktion, Passacaglia und Fuge über B-A-C-H. Gerade im weiteren Verlauf der Passacaglia (nach einigen heftigeren Durchläufen des Themas) gibt es herrliche ruhige Passagen, die Engels mit Hilfe der räumlichen Trennung der drei Orgeln effektvoll darzustellen wußte. sphärische Klänge. Die Vorbereitung zum Einstieg in die Fuge verlief äußerst spannend. Auch wer das Stück nicht genau kennt, konnte hier spüren, daß gleich der Umbruch in die formal strengere Form kommt. Gegen Ende der Fuge dann noch mal eine ruhige Passage von herber Süße (leicht aufgeschlagene Weincreme vielleicht). Dann der große Schluß.

Begeisterung bei den knapp 100 Hörern. „Nun komm der Heiden Heiland“ (Oboe aus dem Schwellwerk der Chororgel) von Bach als Zugabe. Ein großes Konzert. Viel unbekannte Musik; aber man blieb gespannt dran. Und durfte beseelt nach Hause gehen.

Mehr Karg-Elert bitte!

Gruß Clemens Schäfer

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