Tagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Graz - Eindrücke

Ankündigung von Konzert-Terminen und mehrtätigen Veranstaltungen
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Roland Eberlein
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Tagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Graz - Eindrücke

Beitrag von Roland Eberlein » Mittwoch 8. August 2007, 22:05

Ich war nicht auf der diesjährigen Tagung der Gesellschaft der Orgelfreunde (GdO) - war jemand dabei und kann ein paar persönliche Eindrücke berichten?

Hans
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Beitrag von Hans » Donnerstag 9. August 2007, 18:02

Guten Abend !


Am Dienstag bin ich mit meiner Frau von den 55.Tagung der Gdo aus Graz zurückgekommen. Es war meine 4.Teilname (Budapest, Maastricht; Güstrow und Graz) und ich muß sagen, es war die Beste.
Wohltuend für viele Teilnehmer war vor allem ,das das Programm ausgeglichen und vor allem nicht so überladen war. Carl Schütz und Gottfried Allmer waren sehr gute Gastgeber.Bes. Hr. Allmer mir seiner Leidenschaft und Kenntnis über seine Heimat Steiermark. Er hat uns Teilnehmer schnell angesteckt.
Die Instrumente waren gut ausgewählt. Die Organisten hatten vor allem Stücke steirischer Komponisten ausgewählt.Oft wurden Besonerheiten klanglich gesondert vorgestellt.
Am Mittwoch ab 12:00 standen 20 Instrumente in Graz zum freiem Spiel zur Verfügung. Diese Superidee wurde sehr intensiv genutzt.
Selbst ich als blutiger Anfänger habe mich an Klais-Orgel im Sophieensaal gewagt.
Das fürs erste

Hans
:lol: :lol: :lol: :lol:

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Donnerstag 9. August 2007, 21:40

Das scheint ja eine recht gelungene Tagung gewesen zu sein. Haben Sie Orgeln gesehen, die Sie besonders und nachhaltig beeindruckt haben?

Hans
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Beitrag von Hans » Donnerstag 9. August 2007, 23:12

Hallo zur späten stunde !

Besonders beeindruckt hat mich die Orgel in der Stiftskirche Pölau, 1739 Mitterreither, 1998 Restaurierung durch Allgäuer.
Der Kirchenraum ist sehr groß.Dennoch füllen die 8´Register dieser Orgel den Raum so wunderschön aus, das man nur erstaunt sein kann.
Von den Stücken und vom Instrument hat mich außerdem beeindruckt und ammüsiert:
Weiz, Stadtpfarrkirche Weizberg 2001 Werk von Mathis, Stück: Justin Heinrich Knecht" Die durch ein Donnerwetter unterbrochene Hirtenwonne"
gespielt von Maria Helfgott,zart und fast unscheinbar


gruß
Hans

:D :lol:

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Freitag 10. August 2007, 14:33

Klingt interessant! Wissen Sie zufällig, ob von der Orgel in Pöllau eine Einspielung auf dem Markt ist?

Wie war der Besuch der Tagung - war sie hoffnungslos überlaufen wie manche frühere Tagung oder war die Teilnehmerzahl diesmal kleiner?

Hans
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Beitrag von Hans » Freitag 10. August 2007, 15:12

Hallo Herr Eberlein !

Die Teilnehmerzahl war mit ca. 220 geringer als in den Vorjahren, ich empfand es aber als angenehm,denn es gab deutlich mehr und intensivere Kontakte zwischen den Teilnehmern.
Die Mitgliederzahl der Gdo war wie jedes Jahr in der Mitgliederversammlung zentrales Thema ( und wie immer erfolglos) der Ablauf wie sattsam bekannt, Vorschläge und dann Abwehrkämpfe des Präsidiums.
Konkrete Vorschläge zu diesem Thema (z.B. Bildung einer AG die konkrete Vorschläge erarbeiten sollten) wurden wie immer nicht aufgegriffen( für mich absulut unbegreiflich und ärgerlich)

Eine Einspielung an der Pölauer Orgel kenne ich bisher nicht. Ich habe wie immer (unerlaubtermaßen) ein paar Klangbeispiele mittels MD aufgezeichnet.

Gruß
Hans :evil: :shock:

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Freitag 10. August 2007, 22:31

Danke für die vielen interessanten Eindrücke!

Tja, die Mitgliederentwicklung der GdO folgt - mit einiger Verzögerung - dem gesellschaftlichenTrend weg von der Orgel: Bis 2001 nahm die Mitgliederzahl Jahr für Jahr kontinuierlich zu; in diesem Jahr gab es den höchsten Mitgliederstand in der Geschichte des Vereins (6104). Seit 2001 nimmt er ebenso kontinuierlich ab. Im Sommer 2006 waren es nur noch 5754 (also 5,7% weniger als 2001), jetzt werden es wohl wieder um 100-150 Leute weniger sein. Und das liegt nicht etwa an gestiegenen Zahlen von Todesfällen, sondern an abgesunkenen Eintrittszahlen und vor allem stark gestiegenen Austrittszahlen (laut einer Statistik von 2004).

Die Mitglieder des Präsidiums trösten sich wohl damit, daß die Abnahme langsam ist und die finanziellen Konsequenzen für den Verein erst nach ihrer Amtszeit wirklich spürbar sein werden. Sollen sich also die Nachfolger den Kopf zerbrechen. Der "Hauptausschuß" wird offenbar von solch merkwürdigen Leuten dominiert wie dem Altpräsidenten Alfred Reichling - an ihn schrieb ich am 16.2. dieses Jahres eine Email mit einer Frage; nach über 6 Wochen kam als Antwort eine Entschuldigung von ihm, daß er noch nicht geantwortet habe, er sei "sozusagen Tag und Nacht in vielerlei schwierigen Arbeiten" und müsse morgen eine Reise antreten, ich möge mich noch gedulden. Seit dem habe ich nichts mehr von ihm gehört, die Frage blieb bis heute unbeantwortet, obwohl sie das Gebiet betraf, für das er allein in der GdO der Ansprechpartner ist. Seit diesem Erlebnis wundert es mich nicht mehr, daß Präsidium und Hauptausschuß auf alle sich abzeichnenden Probleme nur eine Reaktion kennen: Nichtstun und alle Vorstöße zu Veränderungen abwehren. So ähnlich reagierten auch die Gerontokratien der Sowjetunion und der DDR in den frühen 1980er-Jahren. Sind nicht demnächst wieder Präsidiumswahlen? Der Verein sollte dann das gesamte Präsidium komplett in die Wüste schicken. Wird er aber natürlich nicht tun - einem Großteil der Mitglieder im Seniorenalter ist es ja ganz recht, daß alles im Verein bleibt, wie sie es seit ihrer Jugend gewohnt sind. Tja, schade um die Sache der Orgel, die dadurch ihre wichtigste Vertretung in Deutschland nach und nach verliert.

Besten Gruß!
Roland Eberlein

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Beitrag von Administrator » Samstag 11. August 2007, 16:57

Hallo zusammen,

wenn ich das so lese, überkommt mich eine enorme Müdigkeit. Manchmal macht sich in mir das Gefühl breit, dass es zwar sinnvoll ist, sich um die Orgel zu kümmern (sprich: sie ins Gedächtnis der Leute zu rufen), dass man dabei aber eindeutig auf verlorenem Posten steht. Kirchenaustritte, Desinteresse und selbst bei den Leuten, die sich angeblich so sehr um das Wohl der Orgel sorgen (wie angeblich bei der GdO), ist mehr Geschwafel als wirklich Wichtiges zu sehen und zu hören.

Auch hier, wie bereits an anderer Stelle im Forum, meine Frage: Was kann man dagegen tun? Welche günstigen (preiswerten) und effektiven Möglichkeiten hat man noch? Gibt es Auswege aus dieser verfahrenen Situation? Und wer macht mit? Wer kennt genügend Leute, die sich noch so richtig! Mühe geben und auch Sorgen machen und dementsprechend motiviert sind, den Kampf gegen Windmühlen aufzunehmen?

Unsere www.orgel-information-de hat im letzten Monat das erste Mal 24000 Besucherzahlen überschritten. Scheinbar besteht ja noch Interesse an der Orgel. Ich möchte nicht warten, bis die Zahlen wieder sinken, sondern möchte noch einige Höhenflüge erleben. Nur - stehe ich damit alleine?

Traurige Grüße

Daniel
Herzliche Grüße

Daniel
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Beitrag von Pierre Lauwers » Samstag 11. August 2007, 18:29

Das Problem, dass Herr Eberlein beschreibt, ist in die änderen europaische Länden genau dasselbe.
Die Orgelwelt ist eine komplette geschlossene Sache, wo "gute alte Freunde" alles regieren.
In Belgien zum Beispiel ist es fast unmöglich für eine nicht belgischer Orgelbauer zu arbeiten; jungere Organisten sind systematisch von älterer blockiert, sodass unsere besten Leute zu Japan gehen.
Bezüglich Styl ist es dasselbe Katastrophe.
Es werde, zum Beispiel, 16 Kilometern von hier entfernt eine 50 Registern
Orgel gebaut werden.
Eine fast untraumbare Gelegenheit, was neues zu probieren, oder zumindest, nach eine bestimmte alte Styl, der noch nie wiedergebaut sinds längst war (Beispiel Trost, Wagner, oder auch Walcker 1900, usw). Aber néé.
Die Gerontokraten haben bereits bestimmt, die Orgel werde ein Kompromissorgel sein, mit eine 1960 Disposition, wie es Hans-Gerd Klais damals sehr wohl machte, und werde nie überholt sein, aber mit.....Chamaden zuzätslich.
Die junge Organisten meiner Gebiet sind jetzt resigniert, diese Orgel interessiert ihn sogar nicht mehr.....Vernichtete Geld, auf die Ego
älterer "Ich-GmbH" geöpfert.

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Samstag 11. August 2007, 22:49

Administrator hat geschrieben:Was kann man dagegen tun? Welche günstigen (preiswerten) und effektiven Möglichkeiten hat man noch? Gibt es Auswege aus dieser verfahrenen Situation? Und wer macht mit? Wer kennt genügend Leute, die sich noch so richtig! Mühe geben und auch Sorgen machen und dementsprechend motiviert sind, den Kampf gegen Windmühlen aufzunehmen?
Es kommt letztlich auf die Organisten, auf jeden einzelnen von ihnen, an: Sie konfrontieren die Gesellschaft mit der Orgel, sei es im gottesdienstlichem Orgelspiel, sei es als Konzertorganist, sei es als Konzertorganisator oder sei es als musikpädagogisch wirkender Chorleiter und Instrumentallehrer. In allen diesen Funktionen (und vielleicht noch weiteren) treten sie in Berührung mit der Gesellschaft und können Mitglieder der Gesellschaft für die Orgel gewinnen - oder auch diese von der Orgel abschrecken, je nach dem, wie sie die Orgel darstellen, welches Bild sie von ihr vermitteln und wie dieses Bild in Relation steht zu den Vorlieben, Wünschen und Erwartungen von großen Bevölkerungsteilen.

Wie die Organisten die Orgel der Gesellschaft gegenüber darstellen, hängt in erster Linie von den Traditionen, Wertmaßstäben und Vorstellungen der Organisten ab. Wenn die Vermittlung der Orgel an die Gesellschaft heute nicht mehr anstandslos klappt wie früher, so liegt das hauptsächlich daran, daß sich die Gesellschaft in den letzten 50 Jahren hinsichtlich ihrer musikalischen Interessen und Maßstäbe stark verändert hat - die Organisten hingegen koppelten sich von dieser Entwicklung bewußt ab. So entstand eine mentale und ästhetische Kluft zwischen der Orgelwelt und großen Teilen der jüngeren Gesellschaftsmitgliedern unter ca. 40 Jahren.

Will man diese Kluft wieder schließen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ein Umerziehungsprogramm für die Gesellschaft in Gang setzen, oder die Vorstellungen und Verhaltensweisen der Organisten an die geänderten gesellschaftlichen Realitäten anpassen. Da ein Umerziehungsprogramm für die Gesellschaft natürlich nicht zu realisieren ist, bleibt nur die Möglichkeit, auf die Organisten Einfluß zu nehmen.

Eine Organisation wie die GdO könnte an diesem Punkt sehr hilfreich sein durch ihre Veranstaltungen, ihr Publikationsorgan und ihre Internetpräsenz. Wie die Dinge stehen, ist auf Hilfe von dieser Seite nicht zu hoffen, vielmehr wirkt diese Organisation heute als Bremsklotz gegenüber allen Neuerungen.

Man könnte versuchen eine Gegenorganisation zu gründen. Ich verspreche mir dadurch allerdings nicht viel: Der organisatorische Aufwand wäre riesengroß, der Nutzen vermutlich eher gering. Die jüngere Erwachsenengenerationen hält sich von Vereinen - egal welchen - in der Regel fern. Noch ein Publikationsorgan für die Orgel auf den Markt zu werfen, macht auch keinen rechten Sinn. Und für eine Internetpräsenz braucht man keinen Verein.

Ich habe in den letzten Jahren versucht, durch Publikationen in Zeitschriften, wissenschaftliche Vorträge auf Symposien der Orgelwelt, durch Diskussionsforen wie diesem hier sowie neuerdings durch die Internetpräsenz http://www.musicasacranova.net/ Einfluß auf das Denken von Organisten zu nehmen (wer's genauer wissen will, möge die genannte Internetsite besuchen). Ob das nachhaltige Wirkung hat, muß man abwarten. Auf jeden Fall braucht es Jahre, bis aus einer neuen Denkweise auch die Konsequenzen in der Praxis gezogen werden. Doch stelle ich immer wieder überrascht fest, daß es eine ganze Reihe von Leuten gibt, die unabhängig von mir in eine ganz ähnliche Richtung gehen und arbeiten und damit zunehmend Erfolg haben - das läßt mich durchaus hoffen.

MfG
Roland Eberlein

Orgel
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Beitrag von Orgel » Montag 13. August 2007, 15:34

Ja, ich denke, es hängt wirklich von den jeweiligen Organisten, Konzertorganisatoren etc. ab, welches Bild von der Orgel und der Orgelmusik nach Aussen getragen wird.
Ich selbst habe folgende Beobachtungen gemacht: Generell sind Orgelkonzerte nach dem Motto "Orgel plus" (Orgel plus ein anderes Instrument oder Gesang) besser besucht und stossen auf grössere Resonanz. Es kann beispielsweise schon genügen, wenn eine Schola die zu den Orgelstücken passenden Choralmelodien (gregorianisch oder deutsches Kirchenlied) singt.
Ich stelle fest, wie wichtig es ist, dass man dem Publikum ein ausgewogenes Programm bietet. Bei der Auswahl der Orgelstücke ist es irgendwie wie mit einem feinen Essen. Man kann nicht nur vier Salate und Suppen hintereinander verspeisen oder fünf verschiedene Nachspeisen essen, sondern muss eine bekömmliche, fein schmeckende Abfolge der Speisen wählen. Auf ein Orgelkonzert übertragen heisst das: Man kann nicht nach einem grossen Werk von Bach ein noch grösseres Werk von Reger spielen und mit einem modernen Werk abschliessen. Da bekommt man etwa folgende Reaktionen zu hören: "Sie haben zwar sehr gut gespielt, aber mit der Musik konnten wir nichts anfangen!". Kulinarisch gesprochen waren das zuviele Hauptspeisen. Man muss immer berücksichtigen, dass es Hörer gibt, die sich mit Orgelmusik nicht auskennen und nicht gewohnt sind, Orgelmusik zu hören. Solche Hörer kann man mit schlechten Programmen für alle Zeiten vom Hören von Orgelmusik abhalten. Es ist wichtig, dass man in den Programmen eine Mischung von Bekanntem und Unbekanntem, Langsamem und Schnellem, Stücken in Dur und Moll, Gravitätischem und "Leichtem", verschiedenen Stilen etc. findet. Dabei wird das künstlerische Niveau keinesfalls gesenkt! Wenn zum Wiederholten Male ein gutes Programm dargeboten wird, kann es vorkommen, dass manche Leute wieder einmal in ein Orgelkonzert gehen...
Mich würden nun Eure Meinungen, Erfahrungen etc. interessieren! Es gäbe noch viele andere Aspekte zu diskutieren (Z.B. der in der Orgelwelt immer stärker aufkommende grauenhafte Rummel um einige wenige "Starorganisten" meist französischer Provenienz. Oder: Welche moderne Musik soll und kann man in Konzerten spielen? Wie sollte diese Musik beschaffen sein?)

Eure Orgel

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