Spielt ihr gerne Hochzeiten?

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olds
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von olds » Freitag 3. Juni 2016, 19:48

Ich habe einen neuen Begriff gelernt. :mrgreen:

Vor einigen Wochen fragte mich das Pfarrsekretariat, ob ich im Juni eine Hochzeit spielen kann. Natürlich habe ich zugesagt auch wenn die Lust darauf in etwa einer digitalen Vorsorgeuntersuchung entspricht. Montag dann eine Email. Meine Antwortemail habe ich zum Glück überarbeitet und die zweite Version rausgeschickt. :oops:

Ablauf des Ganzen:

Die Braut schickt dem Pfarrer den noch recht leeren Gottesdienstplan, das Pfarrsekretariat das dann an mich.
Mein erste Reaktion darauf: :shock:.

Zu spielen: Mendelsohn zum Einzug, danach loben wir den Herren, dann ziehen wir aus. Dazwischen singt - Achtung! Habe neuen Fachbegriff gelernt! - eine "Hochzeitssängerin".

Goldene Regel: Bei mir gibt es diesenen bestimmten einen Mendelsohn an Hochzeiten nicht.

Meine zweite Email sollte immer noch ablehnend klingen, diesmal höflich, dennoch soll ich spielen, diesmal halt ohne Felix M.-B., Zitat der Braut in der Email: "SIe habe sich mit ihrem Mann meine Vorschläge angehört, das seien auch sehr schöne Stücke."

Das mag im Falle des Einzuges stimmen ( https://www.youtube.com/watch?v=ahXJHOEer5w ), aber der Auszug in dieser Form existiert garantiert nirgens als Aufnahme, den habe ich - Sorry Daniel, ich surfe auch mal in freien Notendatenbanken - von einem C-Musiker.

Blablablubb sage ich da nur.

Hoffentlich ist die "Hochzeitssängerin" wenigstens gut anzuschauen. Die letzte war eine Kräutertante in Leinengewändern, die Lieder von Joan Baez zum besten gab.

Ich werde mir ein Buch mitholen. Sollte mir da einer zuviel dumm kommen, lese ich demonstrativ.

By the way: Wir haben derzeit einens straffen Plan mit dem Kirchenchor. Die Frau des Vorsitzenden (der mein Sitznachbar ist und der Bruder meiner Vermieterin) klagt jetzt über noch mehr Stress, da das Los auf sie fiel.
Ihr ältester Sohn ist zu einer "Sommerhochzeit" eingeladen deren Einladung so formuliert ist, dass zwischen den Zeilen klar herauszulesen ist, dass keine Kinder erwünscht sind.

Also muss Marlene mit Wolfgang nach Braunschweig fahren und 4 Tage auf die Kleinen aufpassen. "Sommerhochzeit" bedeutet nämlich nichts anderes, als dass man in Italien heiratet.

Holger

Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Holger » Montag 6. Juni 2016, 06:13

Nun, ich fürchte, dass das Bundes-Justizministerium bald den Straftatbestand "Beihilfe zum Ungklück" einführt (wegen der eklatat hohen Anzahl von Ehescheidungen in diesem Land), und werde daher jegliche Anfrage bezüglich der musikalischen Umrahmung, wegen evtl. daraus resultierenden Haftungsansprüche gegen mich, kategorisch ablehnen.

:lol:

Zudem - ist's eh nur Show, der eigentlich gültige Akt zur Eheschließung findet ja bekanntlich seit Bismarcks Zeiten vor dem Standesamt statt.

Also macht was ihr wollt, bloß lasst mich damit in Ruhe!

Ronald Henrici
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 2. Juli 2016, 20:57

Na schön, Holger !
Aber ich muß mich doch einmal melden wegen einer "Hochzeitssängerin". Diese Berufs - Hobby - Gruppe von Sängerinnen gibt es tatsächlich, und nur auf Hochzeiten in Kirchen und anschließend bei der "Hochzeitparty" verpflichtet, meist von den Vätern der Braut. Erfahrungen damit habe ich auch schon gemacht, bei manchen Sängerinnen doch annehmbar positiv, aber bei den meisten ... ???
Mein Versuch, eine solche Sängerin einmal zur Ausgestaltung einnes normalen Gottesdienstes zu animieren, ist gänzlich fehlgeschlagen. denn die vorgeschlagene Literatur passte ihr gar nicht, und die von ihr vorgeschlagene Literatur hätte die Kirchenbesucher schon vor der Predigt und vor der Communio aus der Kirche getrieben.
Hochzeitssängerinnen sind eine besondere Spezies von Künstlerinnen. Damit muß man leben. Oder man gibt das Orgelspiel ab an die Freunde oder Freundinnen dieser Hochzeitssängerinnen. Dieser Vorschlag hatte schon manche frappante Wirkung, die Hochzeitssängerinnen befassten sich dann mit anderer Literatur zum Singen und baten den Organisten um gut gemeinte Vorschläge. Mit einigen Proben vorher, verbunden mit der Begutachtung der Väter der Braut klappte das doch sehr gut, und das Publikum bei der Kirchlichen Trauung war schließlich in dem konkreten Falle erfreut und begeistert von der wohlklingenden Darbietung der "Hochzeitssängerin" - allerdings mit viel vorheriger Mühe des Einstudierens zweier Schemellilieder von Johann Sebastian Bach, schließlich gewünscht von der Braut. So kann es auch gehen, mit umfangreichem Gespräch vor der Hochzeit.
Für die anderen Gesangsdarbietunmgen bei der Hochzeitsparty, die eigentlich nur der Unterhaltung der Gäste dienten, mögen die geplanten Gesänge der Sängerinnen wohl stimmig und angebracht gewesen sein, das kann ich aber nicht beurteilen. Ich war nicht dabei.
Liebe "Hochzeitsorganisten" ! Bitte laßt euch nicht alles Mögliche unterjubeln, es schadet nur eurem Image!
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 16. August 2016, 16:00

Ich darf mich noch einmal melden zum Problem "Hochzeitssängerin".
Am Wochenende hatte ich eine trauung zu spielen, mit neiner großen Anzahl von Gästen, Verwandten, Freunden...
Die kirchliche Trauung wurde vorher mit Besprechnungen mit der evangelischen Predikantin und dem kath. Priester vorbereitet, das Paar stand mit mir seit einigen Monaten in Verbindung. An der Liedwahl und an der Tatsache, daß die Predikantin mich zum Organisten vorgeschlagen hatte, habe ich erkennen können, welche Darbietungen der Sängerin zugedacht wurden, eben auch aus dem Repertuar "Weltliche Musik".
Es hat bestens gepasst zur kirchlichen Trauung!
Auch die traditionellen oekumenischen Lieder mit den Vorspielen und der Begleitung auf der - in dem Fall großen hervorragenden Orgel - mit dem "Auszug aus der Kirche" (J.Clarke, Trumpet Volontary) waren dem Publikum genehm und angemessen festlich.
Das hat mir das Brautpaar bestätigt.
Wie gesagt: Es geht auch mit einer "Hochzeitssängerin", auch in einer katholischen Kirche!
Hiermit möchte ich jedem Organisten, der nur sein Amt nebenbei ausübtén will, Mut machen, nicht davon Abstand zu nehmen, auch bei kirchlichen Trauungen mit "Hochzeitssängerin" zu spielen !!
Lasst euch das Amt nicht wegoperieren, zumal ihr mit Ablehnung selbst daran schuld seid, wenn der Dienst eines Tages wegoperiert wird!
Gruß
Ronald
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von olds » Donnerstag 25. August 2016, 07:41

:mrgreen:

Habe ich gar nicht gewusst.

Wegen diesen ganzen "Umtrieben" hat unser Pfarrer an Hochzeiten das 3,6fache der üblichen Vergütung angesetzt, zu zahlen vom Hochzeitspaar.

Fluche derzeit viel wegen einer Hochzeit, totales Popprogramm, musste tagelang Noten zusammenklauben.
ABER: Auch wenn´s kitischig sein mag, gar nicht mal so schlecht und sicherlich auch später mal nützlich.

Ronald Henrici
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 26. August 2016, 21:37

Ein Trost an Olds!
Hochzeiten gehen üblicherweise heutzutage sehr ins Geld. Es kann in Vielem nicht teuer genug sein, was das Umfeld einer Kirchlichen Trauung betrifft.
Das wissen auch viele Pfarrer.
Nur bei der würdigen Bezahlung der Musiker versuchen die Hochzeitsleute zu sparen und meinen , das gehöre zur Serviceleistung der Kirchengemeinde. Die Hochzeitsleute wissen sehr oft nicht, dass Trauungen und auch Beerdigungen häufig aus den Arbeitsverträgen der Kirchenmusiker herausgenommen sind.
Übrigens: die Gemeinden nehmen oft für die Nutzung der Räumlichkeiten bei außergemeindlichen Gruppen Raummiete. Wieso wird bei einer Fremdbenutzung der Orgel in der Kirche keine Nutzungsgebühr erhoben?!?
Ich weiß es seit den 60 er Jahren, daß z.B. bei Beerdingen (z.B. im Westfriedhof in Köln) eine Orgelnutzungsgebühr von der Stadt Köln in Rechnung gestellt wird zu den Gebühren für den Organisten, besonders, wenn es nicht der angestellte Organist der Stadt Köln ist.
Die Orgelbenutzunggebühr kam dann den Wartungsarbeiten an der Orgel zu Gute.
Bei der Erhebnung von Orgelbenutzungsgebühren würde so manche Hochzeitsgemeinschaft davon Abstand nehmen, ihren eigenen mehr oder weniger kompetenten Organisten mitzubringen...
Vielleicht hatte der von Olds genannte Priester auch diesen Gedanken.....
Noch einmal:
Laßt euch auch da euer Können und eure Arbeit nicht wegradieren. :cry:
Gruß
Ronald
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