Spielt ihr gerne Hochzeiten?

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Gustav Merkel
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Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Gustav Merkel » Montag 20. August 2012, 20:23

Nachdem ich drei Jahre lang alle Anfragen betreffs Hochzeitsorgelei abwehren konnte, ließ ich mich für vergangenen Samstag doch überreden, dieses undankbare Amt mal wieder zu übernehmen. Und es kam, wie es kommen musste: Erst war von zwei Schnulzen (Peter Maffay & Co.) die Rede, bei der ich eine Sängerin am Keyboard begleiten sollte, dann warn's plötzlich vier.
Während der Probe platzt erst der Bräutigam auf die Empore und quatscht einem ein Ohr ab, während der Feier dann der unvermeidliche Fotograf, der mir munter ins Gesicht blitzte, während ich versuchte aus den spärlichen Basstönen eine halbwegs flüssige Begleitung zu improvisieren und den Ablauf nicht zu vergessen (einmal bis zur 1. Klammer, dann ohne Einleitung wiederholen, 2. Klammer auslassen, ab der dritten bis zum Ende, dann nochmal bis zum "Segno" wiederholen, dann dort in die eigentliche Coda springen, und das alles bei der momentanen Hitze). Die Braut war natürlich blond und langhaarig und der Bräutigam .... ok, ich schweife ab.

Auf jeden Fall habe ich danach erschöpft und durchgeschwitzt dem Pfarrer mitgeteilt, dass ich mich jetzt wieder drei Jahre lang erholen muss und keine Hochzeitsanfragen mehr entgegen nehme. Er meint darauf, dass es für ihn zusehends schwierig wird Organisten für Hochzeiten zu finden, da auch sonst keiner das machen will ...wusste ich gar nicht.

Und wie stehts bei euch? Spielt ihr mit Freuden "Endless love" usw. oder blockt ihr das ab oder wird das bei euch gar nicht erst gewünscht?

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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Administrator » Dienstag 21. August 2012, 09:55

Irgendwie lebe ich hier auf einem anderen Stern. Bisher sind mir solche Hochzeiten noch gar nicht untergekommen. Es gab in den Orten, in denen ich vertretungsweise spiele, keine großartigen Sonderwünsche und Schwierigkeiten. Was nicht heißt, dass ich nicht ab und zu mal gerne den Fotografen im Glockenturm einschließen würde .. :-)

Ist diese Sonderwunsch-Kultur unter Umständen ortsabhängig?

Axel
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Axel » Dienstag 21. August 2012, 20:22

Ich versuche das inzwischen so weit wie möglich zu vermeiden. Früher kam mit man Händels Largo und die üblichen Verdächtigen recht weit. Seit gut 10 Jahren wird das immer schlimmer. Die Kirche als Kulisse für eine letzlich säkulare Feier, die mit Religion nichts mehr zu tun hat. Und so benehmen sich viele dann auch.

Bei solchen Wünschen sind bei mir die Preise entsprechend hoch. Ich bin nicht angestellt, wer will, dass ich spiele, muss zahlen. Wenn das zu teuer ist, ok, dann bleibt mir die Veranstaltung erspart, anderenfalls sehe ich das als Schmerzensgeld.

Grüße
Axel

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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 22. August 2012, 11:49

Administrator hat geschrieben:Irgendwie lebe ich hier auf einem anderen Stern.
Oder auf der Insel der Seligen.

Meine Beobachtung deckt sich mit der Axels: In den letzten zehn Jahren haben Popschnulzen auf den musikalischen Wunschzetteln zugenommen.

Aber was ist daran wirklich "schlimm"? Schuberts Ave Maria und Händels Largo stammen von ehrenwerten Komponisten, aber beide Stücke haben in einer kirchlichen Traufeier eigentlich nichts zu suchen. Ganz abgesehen davon, daß mir diese abgedroschenen Songs dermaßen zu den Ohren heraushängen, daß es mir vergleichsweise ein musikalisches Vergnügen ist, einen mir bis dato nicht bekannten Popsong für die Orgel zu arrangieren.
Eine moderate dreistellige Aufwandsentschädigung würde ich nicht als "Schmerzensgeld" ansehen.
Mit kernspalterischen Grüßen

elsenp
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von elsenp » Donnerstag 23. August 2012, 18:13

"Leider" gehören zu meinen Gemeinden 2 schnuckelige, schön restaurierte Kirchen, die gerne für Hochzeiten "gebucht" werden.

Ich kann hier nur die Meinung von Axel und ivesdkerne nur bestärken: Je kirchenferner, desto exotischer und "Pop-lastiger" die Hochzeiten.
Während ich vor gut 20 Jahren versuchte, Klassiker wie "So nimm denn meine Hände" (Ach, das ist ein Lied für Beerdigungen???) und "Ich bete an die Macht der Liebe" zu verhindern, wäre ich heute fast froh, wenn solche Wünsche noch kämen.

Letzte "Highlights":
"Können Sie zur Kommunion die Kännen von Pätschebell spielen?" - Gemeint war der Canon von Pachelbel
Zum Einzug hätten wir gerne den Song aus "Pirates of the Caribbean" - Wie, Sie haben davon keine Noten? Das gibts doch im Internet - Gesendet wurde dann ein Link zu Youtube....
Für eine Trauung in Kürze hat die Braut eigens eine Popsängerin aus Holland nebst Keyboarder engagiert, die 4 Stücke zum besten geben, die mit einer kirchlichen Zeremonie noch nicht mal am Rande zu tun haben. Rückfrage an den Pfarrer, ob das mit ihm so abgestimmt sei: "Ach wissen sie, die jungen Leute. Die haben immer so Ideen. Solange ja nichts blasphemisches dabei ist, soll es mir egal sein..."
Trauung letzte Woche in einer größeren Stadtgemeinde: Nach der Trauung setzt der Pfarrer einen "Ghettoblaster" auf den Altar und es dudelt "Ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß". Mir hatte er vorher nur gesagt, dass sich die Brautleute Musik von einer CD gewünscht hätten. Als ich ihn nach dem Gottesdienst darauf ansprach, ob das denn seiner Meinung nach in den Gottesdienst passen würde, meinte er nur: Eigentlich wollten die so einen Hip-Hop-Mix aus der Disco haben. Das wollte ich aber nicht. Und dann sind sie halt vor der Messe mit dieser CD hier aufgekreuzt...

Ich habe inzwischen das Gefühl, dass viele Priester es schon aufgegeben haben, auf etwas mehr Niveau, Qualität und auch sakralem Bezug bei der Musikauswahl zu achten. Offenbar sind viele so froh, dass nochmal Leute in die Kirche kommen, die sie sonst überhaupt nicht dort antreffen, dass ihnen dafür jeder "Kuhhandel" recht ist.

kernspalter
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 23. August 2012, 19:44

elsenp hat geschrieben:Während ich vor gut 20 Jahren versuchte, Klassiker wie "So nimm denn meine Hände" (Ach, das ist ein Lied für Beerdigungen???) und "Ich bete an die Macht der Liebe" zu verhindern, wäre ich heute fast froh, wenn solche Wünsche noch kämen.
Solchen Wünschen weine ich keine Träne nach. Zwischen klassischen Schnulzen und Pop-Schnulzen mache ich keinen soo großen Unterschied. Ich kann mich auch gut erinnern, daß ich mir auch schon vor gut 20 Jahren bei Trauungen Grottiges aus Lautsprechern (und live) anhören mußte. Musikalische Kostbarkeiten bei Trauungen waren auch damals schon eher Mangelware. Für mich kein Grund, nostalgisch zu werden.

Was mir noch einfällt: Nach meinen Gefühl gab es früher mehr Trauungen, die nicht nur beorgelt, sondern auch betrompetet wurden. Sind die Hochzeitstrompeter seltener geworden oder täuscht mich mein Gefühl?
Mit kernspalterischen Grüßen

thomas morus
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von thomas morus » Freitag 24. August 2012, 17:22

Ach, solange das Geld stimmt, mach ich alles, wobei ich mit 50€ als nebenamtlicher C-Kirchenmusiker wohl auch eher preiswert bin oder wieviel nehmt ihr im Durchschnitt für ne Hochzeit? (bitte dazu sagen, ob nebenamtlich oder hauptamtlich, bzw. A- oder B-Kirchenmusiker).

Generell versuche ich aber immer, wenn man sich schon vorher trifft mit dem Brautpaar - was auch nicht immer der Fall ist - und das Programm bespricht in meinen Augen qualitative Orgelmusik vorzuschlagen. Auch die sog. "Klassiker" wie Wagner und Mendelssohn schlage ich von meiner Seite aus nie vor, sondern spiele sie nur, wenn sie vom Brautpaar ausdrücklich gewünscht.

Ansonsten habe ich ganz annehmbare Hochzeitsliteratur im Angebot. Boellmanns Suite Gotique zB passt immer (1. und 2. Satz) oder auch von Mendelssohn gibt es einige Orgelsonaten, die zu einer Hochzeit passen. Bach habe ich interessanterweise bisher nur extrem selten auf einer Hochzeit gespielt, was schade ist, aber mag wohl zu "schwer" für die Ohren der Gottesdienstbeteiligten sein.

Gustav Merkel
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Gustav Merkel » Freitag 24. August 2012, 22:53

Ich finde es ist keine Frage der Qualität, sondern ob das Stück für die Orgel und in die Kirche halbwegs(!) passt. Und da sind klassische Stücke in der Regel einfach weitaus mehr auf der positiven Seite. Daher halte ich auch nix davon, Kasualien zur musikalischen Späterziehung zu nutzen. Weder soll der Oberkitsch erklingen, noch soll den Leuten was vorgesetzt werden, mit dem sie nix anfangen können, finde ich. Und da sind "Largo" & Co. ein ganz guter Mittelweg.

Zur Bezahlung: Ich bin nebenamtlicher kath. C-Musiker und habe für die oben beschriebene Horror-Hochzeit leider nur 100 € verlangt, was die absolute Untergrenze ist und in diesem Fall eindeutig zu wenig war. Neben der einstündigen Feier kamen dazu eine Stunde Probe, vier Telefonate mit Braut und Solistin, Anhören der Stücke auf YouTube, mehrere Mails und Ausdrucken von 20 Seiten Noten und je 20 min. An- und Abfahrt. Hab ich im Vorfeld leider nicht durchdacht, was da für ein Rattenschwanz dran hängt.

Was ich auch unangenehm finde ist, dass die Solisten fast immer von den Brautleuten engagiert werden oder irgendwelche Freunde, Verwandte oder Bekannte sind. Auch da weiß man dann nicht, worauf man sich einlässt. Bei meiner letzten Hochzeit vor drei Jahren bin ich z. B. an einen Oboisten geraten, mit dem ich bei einem Stück heftige Differenzen wegen des Tempos hatte. War dazu noch so einer von den unangenehmen Menschen, die bei der kleinsten Aufregung gleich ne knallrote Birne kriegen, so was kann ich schon gar nicht ab.

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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von kernspalter » Samstag 25. August 2012, 00:29

thomas morus hat geschrieben:Generell versuche ich aber immer, wenn man sich schon vorher trifft mit dem Brautpaar - was auch nicht immer der Fall ist - und das Programm bespricht in meinen Augen qualitative Orgelmusik vorzuschlagen. Auch die sog. "Klassiker" wie Wagner und Mendelssohn schlage ich von meiner Seite aus nie vor, sondern spiele sie nur, wenn sie vom Brautpaar ausdrücklich gewünscht.
Das ist sehr zu empfehlen; damit habe ich auch schon gute Erfahrungen gemacht. Am besten, man trifft sich auf der Orgelempore und spielt dem Brautpaar einige Sachen vor. Mitunter kommen da ganz passable Programme zustande.
Bach habe ich interessanterweise bisher nur extrem selten auf einer Hochzeit gespielt, was schade ist, aber mag wohl zu "schwer" für die Ohren der Gottesdienstbeteiligten sein.
Hmm, erst neulich hat ein Brautpaar ausdrücklich etwas von Bach verlangt, ich glaube, es war ein Satz aus irgend einer Orchestersuite...
Von den Praeludien habe ich schon öfter das G-Dur BWV 541 mit Erfolg vorgeschlagen.
Mit kernspalterischen Grüßen

kernspalter
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von kernspalter » Samstag 25. August 2012, 00:58

Gustav Merkel hat geschrieben:Neben der einstündigen Feier kamen dazu eine Stunde Probe, vier Telefonate mit Braut und Solistin, Anhören der Stücke auf YouTube, mehrere Mails und Ausdrucken von 20 Seiten Noten und je 20 min. An- und Abfahrt. Hab ich im Vorfeld leider nicht durchdacht, was da für ein Rattenschwanz dran hängt.
Man kann versuchen, im Voraus abzuchecken, was auf einen zukommt, und dann erst einen Preis nennen. Ärgerlich wird es, wenn das Brautpaar im Verlauf der Hochzeitsplanung immer wieder neue Einfälle und Programmänderungen präsentiert. Dann sollte man als Organist auch keine Scheu haben, immer wieder neue Preise zu nennen. Ich muß aber zugeben, daß ich diesbezüglich doch eine gewisse Hemmschwelle habe.
Was ich auch unangenehm finde ist, dass die Solisten fast immer von den Brautleuten engagiert werden oder irgendwelche Freunde, Verwandte oder Bekannte sind. Auch da weiß man dann nicht, worauf man sich einlässt.
Da erlebt man mitunter Skurriles, aber grundsätzlich sehe ich kein Problem. Auf jeden Fall sollte man abchecken, wie viele Proben diese Solisten aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis benötigen.
Bei meiner letzten Hochzeit vor drei Jahren bin ich z. B. an einen Oboisten geraten, mit dem ich bei einem Stück heftige Differenzen wegen des Tempos hatte.
So etwas muß doch eigentlich nicht sein. War das so ein abartiges Stück - Oboenstimme in ganzen Noten, Orgelstimme in Vierundsechzigsteln? Ich habe mich noch mit jedem Duopartner auf ein gemeinsames Tempo einigen können. Als Organist bin ich doch flexibel. Nach unten gibt es ja bei der Orgel keine Grenzen - bei allen anderen Instrumenten schon (Atem, Bogen, Ansatz). Und wenn ich mit der Orgel an die oberen Tempogrenzen stoße, finde ich meistens ein paar Noten, die ich weglassen kann.
Mit kernspalterischen Grüßen

Gustav Merkel
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Gustav Merkel » Samstag 25. August 2012, 11:55

Ich muß aber zugeben, daß ich diesbezüglich doch eine gewisse Hemmschwelle habe.
So geht's mir auch.
Da erlebt man mitunter Skurriles, aber grundsätzlich sehe ich kein Problem. Auf jeden Fall sollte man abchecken, wie viele Proben diese Solisten aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis benötigen.
Ok, wenn die das selbst einschätzen können geht das. Ich erinnere mich allerdings auch an eine Schwester der Braut, die anlässlich der Hochzeit nach 10 Jahren Pause ihre Trompete rausgekramt hat und als "Überraschung" Bachs "Air" zum Besten geben wollte. Aus der geplanten halben Stunde Probe wuden dann mehr als zwei, und bei der Feier war sie dann so nervös, dass das trotzdem ein Desaster wurde.
Aber auch in weniger extremen Fällen fände ich es meist angenehmer, mit Leuten zu musizieren, die man kennt. Bei Trauerfeiern engagiere in der Regel auch ich die Solisten, aber bei Hochzeiten war das fast nie der Fall. Und dann gerät man eben auch mal an rotbirnige Oboisten. :?

P.M.P.
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von P.M.P. » Samstag 25. August 2012, 14:36

Was für ein Thema!
Obwohl in meiner barocken Kirche gerade im Sommer Hochzeiten en masse stattfinden, versuche ich diese wenn nur irgend möglich an Vertretungen abzugeben. Was in den letzten Jahren für Skurrilitäten passiert sind – das glaubt mir keiner. Nur ein kurzer Einblick: Von vergessenen Eheringen (45min Warten inkl. Pfarrer + Abendgodi verschoben, wurde erst kurz vor der Segnung der Ringe bemerkt) über Ghettoblaster, NGL-Begleit-Band die alles spielt, nur nicht die Melodie des Liedes, voller Auftrieb inkl. 50-Mann-Orchester, N-E-I-N-schreiende-Braut, Bruder des Bräutigams zerstört lautstark sein Saxophon mitten im Stück, abstruse Pop-Lieder-Wünsche mit Youtube Beispielen, gab es sogar schon mal nach der Trauung Beschwerden an den LKMD, Herr xx habe "Lobe den Herren etc." "falsch" gespielt und dadurch die Hochzeit vermiest (weiß nicht, sind jahrelange Berufserfahrung und A-Diplom für die Katz gewesen?). Achso der Hammer war einmal ein Ehepaar, dass mir lauter Liednummern aus dem alten EKG nannte – ich und der (Ferien-)Pfarrer dachten dass sie es so wollen (Auswahl war durchaus ok), während der Intonation stolpert dann die Braut an das Lesepult: "HAAAALT FALSCH FALSCH was für einen Song dudeln Sie denn da!?". Kennt Ihr die beliebteste Frage? ---> "Meine Schwester/Bruder möchte etwas singen, er ist kein Profi, aber können Sie begleiten?"

Mittlerweile sind mehr als 3/4 der Hochzeiten jedoch m.E. eine "säkulare Feier" und das ist einfach unmöglich. Je beliebter die Örtlichkeit, desto schlimmer ist es meist . . . .

Axel
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Axel » Sonntag 26. August 2012, 10:32

Auf die "Nein" schreinde Braut warte ich noch *gg*...

Vieles, was gewünscht wird, halte ich für völlig unangemessen. Letztens war Nena angesagt, mit Sängerin. Das hat nix mit dem lieben Gott, Jesus oder der heiligen Jungfrau zu tun, gar nix. Das würde man besser im Standesamt dudeln. Es zeigt, was hier gefeiert wird: Man feiert sich selbst. Und das ist nicht Sinn der Sache, dafür reicht eine standesamtliche Trauung aus. Im Prinzip lehne ich das ab. Da aber kaum ein Pfarrer soviel vom Allerwertesten in der Hose hat, es zu unterbinden, soll es mir auch egal sein. Wenn sich die Kirchen mit aller Gewalt inhaltlich ruinieren wollen, nun gut, das rette ich auch nicht mehr. Und einem Brautpaar, das sich jahrzehnte lang in schlechtem Geschmack gesuhlt hat, kann ich auch nicht helfen.
Grundsätzlich veranschlage ich 100,- für so eine Aktion, für Proben mit Solisten und zusätzlich nötige Übezeit gibt es einen Aufschlag von 30,- pro Stunde. Wer das nicht will (kommt auch vor), der soll jemand anderen bemühen. Bei entsprechenden Preisen halten sich dann zum Glück die Anfragen in Grenzen.

Roland Eberlein
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von Roland Eberlein » Montag 27. August 2012, 09:51

Axel hat geschrieben:Vieles, was gewünscht wird, halte ich für völlig unangemessen. Letztens war Nena angesagt, mit Sängerin. Das hat nix mit dem lieben Gott, Jesus oder der heiligen Jungfrau zu tun, gar nix. Das würde man besser im Standesamt dudeln. Es zeigt, was hier gefeiert wird: Man feiert sich selbst. Und das ist nicht Sinn der Sache, dafür reicht eine standesamtliche Trauung aus.
Richtig. Die standesamtliche Trauung hat aber den Nachteil, daß sie alleine schon von den Räumlichkeiten her nicht dem Bedürfnis vieler Brautpaar nach einer großartigen Feier, nach "Pomp and Circumstances" entsprechen kann. Dieses Bedürfnis können heute nur die Kirchen mit ihren schönen Räumen inklusive Orgel und mit ihren Zeremonien stillen. Das Klügste wäre daher, in jeder Stadt eine oder mehrere überzählige Kirchen dem Standesamt zu übergeben und dort die standesamtlichen Trauungen vornehmen zu lassen – mit allem Pomp einer kirchlichen Trauung. Aber vermutlich spielen da die Kirchenoberen nicht mit, weil sie genau wissen, daß sie damit ihren letzten Trumpf aus der Hand geben würden. Also muß die Kirche damit leben, daß ihre Trauungen immer mehr verweltlichen.

Für die Organisten bedeutet dies, daß die Brautpaare immer unnachgiebiger auf ihren musikalischen Wünschen beharren werden. Wer also an den Einkünften aus Trauungen interessiert ist, sollte sich rechtzeitig auf den musikalischen Geschmack der jungen Generation einstellen und entsprechende Stücke in sein Repertoire aufnehmen. Wer das gut kann, sich einen entsprechenden Ruf aufbaut und im Einzugsgebiet einer gefragten Hochzeitskirche wohnt, kann sich wahrscheinlich auch ohne feste Stelle eine goldene Nase verdienen.

S.L
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Re: Spielt ihr gerne Hochzeiten?

Beitrag von S.L » Montag 27. August 2012, 11:05

Roland Eberlein hat geschrieben:Für die Organisten bedeutet dies, daß die Brautpaare immer unnachgiebiger auf ihren musikalischen Wünschen beharren werden. Wer also an den Einkünften aus Trauungen interessiert ist, sollte sich rechtzeitig auf den musikalischen Geschmack der jungen Generation einstellen und entsprechende Stücke in sein Repertoire aufnehmen. Wer das gut kann, sich einen entsprechenden Ruf aufbaut und im Einzugsgebiet einer gefragten Hochzeitskirche wohnt, kann sich wahrscheinlich auch ohne feste Stelle eine goldene Nase verdienen.
Wer will denn heute noch eine Orgel bei Trauungen hören, wenn die musikalischen Ansprüche durch Bands oder HiFi-Anlagen umso besser erfüllt werden können, wie in den vorigen Beiträgen schon angedeutet.

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