Jan-Aurel Dawidiuk in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Jan-Aurel Dawidiuk in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Freitag 19. Oktober 2018, 13:21

Hallo Forum,

um Nachwuchs guter Organisten muß man sich keine Sorgen machen. Da ist zum Beispiel Jan-Aurel Dawidiuk (*2000). Der spielte am 18.10.2018 in der Auferstehungskirche, Düsseldorf-Oberkassel ein anspruchsvolles Programm. Und das war sehr ansprechend.

Dawidiuk begann mit BWV 542 g-moll. Die Fantasie erwartet große Gestaltungskraft. Die hatte Dawidiuk bereits in erstaunlichem Maße. Zwar hätte ein klein wenig mehr Ruhe die Sache noch spannender gemacht; aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau. Jedenfalls gelangen große Bögen - ein schöner Durchgang. Die Fuge sprudelte dann übermütig heftig. Dawidiuk hatte technisch aber alles perfekt im Griff, so daß es eine Lust war zuzuhören.

Von Mozart gab es dann Adagio und Allegro f-moll KV 504 (für die Flötenuhr eines Mausoleums geschrieben). Ob den Toten nun noch Stunden schlagen, ist wohl nicht bekannt. Vorsorglich hat aber Mozart dafür herrliche, tiefgehende Musik geschrieben. Zart aber nicht zu weich gab Dawidiuk das Adagio, Frisch dann das Allegro. Adagio da capo. Dunkel und hell könnte man sagen.

Umgekehrt lautete der Titel des nächsten Stückes: „hell und dunkel“ von Sofia Gubaidulina. Es überraschte nicht, daß der Helligkeit die hohen Lagen, der Dunkelheit dagegen die tiefen zugeordnet waren. Es gab ein Wechselspiel mit liegenbleibenden hohem Dissonanzen oder tiefen Knarzern. Insgesamt gut zu hören und keineswegs bürgerschrecklich.

Nun wagte sich Dawidiuk an Liszt. Und auch der gelang gut: Präludium und Fuge über BACH. Das Fugenthema wurde ganz geheimnisvoll geboren - schön gemacht. Mit dem Farbenreichtum des Instruments wußte Dawidiuk gut umzugehen. Eine reife Leistung.

Blieb noch ein wirkungsvolles Schlußstück: Thierry Escaich, Evocation II. Die ostinaten Baß-Klopfer blieben einzeln hörbar - hier gibt es kaum Nachhall. Auch sonst gut gemacht. Der abrupte Ende aus voller Fahrt kam für die meisten doch überraschend. Dann aber herzlicher Beifall der über 120 Hörer; die Zugabe war ein weiteres Flötenuhrstück von Mozart.

Hoffen wir, daß Dawidiuk jedenfalls zeitweise der Orgel treu bleibt; sein Berufsziel ist nämlich das Dirigieren.

Gruß Clemens Schäfer

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