Wenn der Bischof kommt!

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olds
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Wenn der Bischof kommt!

Beitrag von olds » Sonntag 22. Juli 2018, 16:58

Mit lakonischen Worten hat ein Stammgast auf der Orgelempore heute des Ausfall der Orgel in der Messe kommentiert.

"Wenn der Bischof kommt, dann sind wir hier alle nicht gut genug. Das war schon immer so."


Was war nun geschehen, dass die Sonntagsmesse samt Taufe ohne Begleitung gefeiert wurde, also zumindest bis zu den Fürbitten, da kam jemand wieder von zu Hause zurück, er war die Gitarre holen?

Ende Juni wurde ich von einer C-Kantorin der Großpfarrei angesprochen. Sie würde im August in meiner hauptsächlichen Orgelgemeinde (also wo ich den Vertrag habe) spielen und wolle üben. Ob ich Ihr einen Schlüssel geben könne? Ich dachte zunächst an eine Hochzeit, als ich aber letzte Woche vor der Messe erfuhr, dass der Bischof sich entschieden habe, bei der Visitation das Pontifikalamt in dieser Kirche zu zelebrieren, merkte ich plötzlich, wie der Hase läuft.

Da mein Schlüssel derzeit leider andersweitig verwendet wird (mein Vertreter braucht den für Üben, wir übergeben den immer sonntags, je nachdem wer dort üben muss, ich übe ja meist hier im Wohnort), gab ich ihr die Empfehlung, sich an den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates zu wenden. Dieser wohne in Steinwurfweite neben der Kirche und könne die Sakristei aufschließen, dort sei der Hauptschlüssel für die Orgel.

Am Donnerstag bekam ich nun einen hektischen Anruf, die Frau säße an der Orgel, sei extra die 14km aus der Stadt hochgefahren, das Schloss ginge nicht auf. Die Frau schickte nun der zuständigen Pfarrsekretärin ein Foto und ein Filmchen auf das Smartphone, diese leitete es an mich weiter und ich bekam das Grausen.

Nun spiele ich fast 9 Jahre dort, aber diesen Schlüssel hatte ich noch nie gesehen! Dass die Pfarrsekretärin meistens nicht weiß, was in ihrer Kirchengemeinde gerade passiert, das wissen wir inzwischen ja alle zu genüge, aber wo sie eben diesen Schlüssel her hatte? Problem mit der Sekretärin ist, dass es für jede der 4 Kirchengemeinden eine Sekretärin gibt, die alle in der "Zentrale" arbeiten. Unsere geht aber selbst vor Ort nicht in die Kirche, ist auch nicht sonderlich engagiert und das eigentliche Geschehen in "ihrer" Kirchengemeinde läuft etwas an ihr vorbei.

Nun, dieser Schlüssel ist dem vor ca. 4 Jahren ausgetauschten Schloss nicht bekommen. Zusammen mit einem Freund probierten wir den Spieltisch zu öffnen, dann machte es "knack" und der Schlüssel war abgebrochen.

So ist das halt. 9 Jahre fast jeden Sonntag die 12km, aber wenn der Bischof kommt, da bin ich nicht gut genug und die Leute vom dem komischen Dorf da im Wald auch nicht. Alles wird von den "Kirchenfürsten" aus der Hauptkirche geplant. Nun, habe ich mir einen Urlaubstag gespart und gehe an dem Abend ruhig und ausgeglichen ins Fitnessstudio trainieren.

"Kirchenfürsten": So nennt man in meiner Heimat Ehrenamtliche, die ständig und überall aktiv sind, ohne die nichts geht und an denen keiner, wie man so schön sagt, "vorbeikommt".

Ippenstein
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Re: Wenn der Bischof kommt!

Beitrag von Ippenstein » Montag 23. Juli 2018, 08:17

Nunja... war die Dame wirklich besser oder lag es an persönlichen Animositäten von Kirchenfürsten? Wenn mal ein hoher Würdenträger kommt, möchte man sich ja von seiner besten Seite zeigen. Hier im Tal haben wir einen hauptamtlichen Kantor, dem dann auch erst einmal die Ehre zukommen sollte - zudem bringt er ja gleich noch den Posaunenchor und die Schola mit - empfiehlt sich also, oder in Zusammenarbeit mit einem weiteren Organisten.
Ich für meinen Teil stecke da gerne zurück, wenngleich ich weiß, daß ich auch einen Bischof artgerecht aus der Kirche rausscheuchen kann :mrgreen:

Da habe ich noch eine schöne kleine Anekdote: In meiner ehemaligen Gemeinde war ein Kardinal inkognito und auch ein Großteil von weiteren Priestern zu Gast. Beim Gruppenphoto stand dann neben ihm unsere bildhübsche Bürgermeisterin. Bevor ich auf den Auslöser drückte, sagte ich noch: "Jetzat kring mer endlich amal a Bild vom ... un seiner Fraa" Herzliches Gelächter und schöne Bilder.

Zu dem Problem mit der Lala: Ich bin daher auf das Akkordeon gekommen und bei ungewissen Orgeln etc. nehme ich meines mit, um immer eines griffbereit zu haben. Hier mal ein Beispiel mit Ensemble https://www.youtube.com/watch?v=V_xr78-i_SA

Ist wie eine kleine dynamische Orgel...

Viele Grüße

Ippenstein

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olds
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Re: Wenn der Bischof kommt!

Beitrag von olds » Dienstag 24. Juli 2018, 08:11

Ippenstein hat geschrieben:
Montag 23. Juli 2018, 08:17
Nunja... war die Dame wirklich besser oder lag es an persönlichen Animositäten von Kirchenfürsten? Wenn mal ein hoher Würdenträger kommt, möchte man sich ja von seiner besten Seite zeigen.
Die Dame ist sicherlich die engagierste Musikerin in der Großpfarrei, also abseits der reinen Orgeldienste. Ob sie eine bessere Organistin ist..., nein. Ihr Hauptaugenmerk ist der Chor und besonders die musikalische Früherziehung und Jugendgruppen.

Ich habe sie bereits schon einmal eine Messe mit Bischof spielen hören, das war gut, keine Sorge, mir persönlich wäre es aber etwas peinlich gewesen zum hochfeierlichen Einzug ein schon von der Komposition her schwachbrüstiges Präludium aus einem klassischen "Sonntagsorgel für Nebenamtler"-Heftchen zu spielen.

Mich ärgert nicht, dass ich nicht spielen darf, es gibt Gründe warum mir das sogar ziemlich "in den Kram passt". Mich ärgert nur das Zustandekommen:

Wir sind offiziell erst seit kurzer Zeit in der Pfarrei und das Seelsorgeteam legt wert darauf, dass die einzelnen Gemeinden eigenständig arbeiten dürfen und auch eigene Profile entwickeln und behalten. Da wir die entlegenste Gemeinde sind und auch sonst eher autark, gibt es faktisch keine gemeinsame Strukturen in Bereich des Engagements der Laien. Wir haben auch noch nie unten müssen anfragen, ob jemand eine Orgel-Vertretung übernimmt. Das regeln wir alles untereinander. Und es läuft.

Hierzu muss man auch anmerken, dass diese Gemeinde nur aus "technischen Gründen" eben dieser Großpfarrei zugeschlagen wurde. Traditionell - und deswegen habe ich ja auch die Stelle dort - sind die Verbindungen zu meiner Wohnortpfarrei stärker. Während der Planungsphase merkte man dann aber, dass die Anzahl der Schäfchen zu hoch werden würde. Anstatt zur der Großgemeinde "Ost" wurden wir denn zur Großgemeinde "West" geplant.

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