Frage Orgel Universität Koblenz

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Antworten
violdigamb
Beiträge: 42
Registriert: Montag 23. Februar 2015, 11:53

Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von violdigamb » Samstag 9. Juni 2018, 23:13

Hallo zusammen,

heute wurde ich nach Informationen zur Orgel der Universität Koblenz gefragt (Disposition, Erbauer, Alter...), konnte aber leider keine Auskunft geben und habe auch im Netz nichts gefunden. Da ich weiß, dass sich hier im Forum einige Spezialisten aus der Region tummeln, stelle ich die Frage einfach mal in den Raum und freu mich auf Eure Antworten.

Vielen Dank im Voraus,

violdigamb

Benutzeravatar
olds
Beiträge: 308
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von olds » Sonntag 10. Juni 2018, 07:36

Hat die Uni Koblenz denn inzwischen ein neues Instrument?

Auf dem alten Campus auf dem Oberwerth habe ich noch neben der Orgel in Seminaren gesessen. Meines Wissens nach wurde das Instrument aber zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr genutzt. Die Leute mit Musik als Fach und hier Hauptfach Orgel fuhren nach Boppard zum dortigen Kantoren, dieser hatte einen Lehrauftrag für Orgel.

Ich hätte ja gern mal den Semestereröffnungs- oder abschlussgottesdienst gespielt, es kam aber die Rückmeldung, dass das Instrument nicht spielbar sei.

Wobei man hier natürlich die Einschränkung machen muss, dass die Hochschulgemeinden natürlich als erstes ein Interesse an dem Instrument gehabt haben müssten. Bei Gemeinden war von der Ausrichtung aber eindeutig mehr für Gitarre und NGL. Vielleicht war es denen schlicht zu viel Aufwand, da mal aktiv zu werden, zumal es ja so viele schöne NGL gibt. Die sind traditionellen Gottesdienstformen doch sehr aus dem Weg gegangen.

Nach dem Bezug des neuen Campus im Jahr 2002 war dann wohl zumindest damals keine neue Orgel mehr angedacht.

kjz1
Beiträge: 104
Registriert: Sonntag 17. November 2013, 15:42

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von kjz1 » Sonntag 10. Juni 2018, 14:17

Auf dem alten Campus auf dem Oberwerth gab es genaugenommen zwei Orgeln: eine in der Aula und eine im Musiksaal (von Mayer). Die Orgel in der Aula stammte wohl noch aus Zeiten der 'Lehrerinnenbildungsanstalt'. Die habe ich nie in Aktion erlebt. Ich schätze, dass sie auch nicht funktionstüchtig war.

Die Mayer-Orgel wurde aber von der Erbauerfirma auf den neuen Campus in den Musiksaal im D-Gebäude umgezogen. Die Disposition gibt es hier:

Orgel Musiksaal Uni Koblenz

Daneben hat Prof. Höhnen sicher auch Orgelunterricht in der Basilika St. Kastor erteilt, wo er ja Organist ist. Das dürfte damals aber noch die Späth-Orgel gewesen sein, die mittlerweile nach Italien verkauft wurde (Bild).

In Boppard war es sicher die Führer-Orgel:

Führer-Orgel, Basilika St. Severus

Benutzeravatar
olds
Beiträge: 308
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von olds » Sonntag 10. Juni 2018, 16:48

kjz1, kannst Du mir sagen, wo denn an der alten Uni der Musiksaal war?

Ich kenne nur das dann wahrscheinlich aus der Zeit des Lehrerseminars stammende und wohl nicht spielfähige Instrument in der Aula. Wegen der Raumgröße wurde die Aula gerne für Massenveranstaltungen oder Klausuren genutzt. Hauptsächlich erinnere ich mich aber an die von mir besuchten Seminare freitags mit dem in KO-Güls wohnenden Dr. Witsch-Rothmund. Dieser bevorzugte den Raum wohl, weil sein Büro direkt schräg gegenüber lag.

Das Instrument stand dort hinten rechts in der Ecke.

Die Musiker waren auf dem Oberwerth ja im Erdgeschoss vom B-Gebäude, wir Theologen eins obendrüber. Stand die andere Orgel dort?

Die neue Aula in Metternich galt zumindest in meiner Zeit ja als Fehlplanung. Die Räumlichkeiten sind über die schmale Treppe nur eher schwierig zu erreichen, zumindest bei Veranstaltungen mit etwas mehr Publikum. Dafür bietet der modern gestaltete Raum mit der Dachterasse und dem Ausblick runter auf die Mensa einen hübsches Panorama.

Prof. Dr. theol. Weber hat das in weinseliger Runde mal so kommentiert: "Jede Universität hat eine repräsentative Treppe über die man in gesellschaftsfähiger Kleidung in die Aula schreitet. In Koblenz erklimmt man die Aula über eine Hühnerleiter und die einzige große breite Treppe führt in den Keller zu Schließfächern, dem Scheißhaus und dem Hintereingang."

kjz1
Beiträge: 104
Registriert: Sonntag 17. November 2013, 15:42

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von kjz1 » Sonntag 10. Juni 2018, 17:14

olds hat geschrieben:
Sonntag 10. Juni 2018, 16:48
kjz1, kannst Du mir sagen, wo denn an der alten Uni der Musiksaal war?
Das müsste im B-Gebäude gewesen sein. Die Gebäude wurden aber alle abgerissen, um Platz für neue Wohnbebauung zu schaffen. Nur das Hauptgebäude (A) blieb erhalten, da es unter Denkmalschutz steht.
Ich kenne nur das dann wahrscheinlich aus der Zeit des Lehrerseminars stammende und wohl nicht spielfähige Instrument in der Aula. Wegen der Raumgröße wurde die Aula gerne für Massenveranstaltungen oder Klausuren genutzt. Hauptsächlich erinnere ich mich aber an die von mir besuchten Seminare freitags mit dem in KO-Güls wohnenden Dr. Witsch-Rothmund. Dieser bevorzugte den Raum wohl, weil sein Büro direkt schräg gegenüber lag.
Die Aula hatte ja eine Bühne und die Orgel stand über der Bühne in einer Nische. Auf dem Bild ist die Nische von aussen als 'Balkon' gut zu erkennen. Dr. Witsch-Rothmund ist im Übrigen vor einigen Wochen in den Ruhestand gegangen.
Das Instrument stand dort hinten rechts in der Ecke.
Dort stand der Spieltisch, also wahrscheinlich pneumatische oder elektrische Traktur.
Die Musiker waren auf dem Oberwerth ja im Erdgeschoss vom B-Gebäude, wir Theologen eins obendrüber. Stand die andere Orgel dort?
Ja, im B-Gebäude war meines Wissens nach auch der alte Musiksaal mit der Mayer-Orgel von 1992.
Die neue Aula in Metternich galt zumindest in meiner Zeit ja als Fehlplanung. Die Räumlichkeiten sind über die schmale Treppe nur eher schwierig zu erreichen, zumindest bei Veranstaltungen mit etwas mehr Publikum. Dafür bietet der modern gestaltete Raum mit der Dachterasse und dem Ausblick runter auf die Mensa einen hübsches Panorama.
Ja, es ist schon eine 'Hühnerleiter', allerdings ist das Panorama über die Mosel und die Stadt recht schön. Auf derselben Etage gegenüber gibt es aber noch einen separaten Musiksaal, dort steht dann ein großes Piano und die vom Oberwerth transferierte Orgel. Diese ist vom Prospekt nicht sehr hoch (8'), dafür aber breit, was den Raumverhältnissen geschuldet ist.

violdigamb
Beiträge: 42
Registriert: Montag 23. Februar 2015, 11:53

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von violdigamb » Sonntag 10. Juni 2018, 22:12

Danke für die Information und viele Grüße,

violdigamb

Axel
Beiträge: 216
Registriert: Mittwoch 11. August 2010, 21:21
Wohnort: Mechernich
Kontaktdaten:

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von Axel » Dienstag 12. Juni 2018, 20:01

201-2016 war ich Orgeldozent in Koblenz, daher kenne ich die Orgel ganz gut. Ein Foto des Spieltischs:
Koblenz Uni.jpg
Koblenz Uni.jpg (12.86 KiB) 495 mal betrachtet
Die Aufstellung ist aus mehreren Gründen nicht ganz so ideal: Der Raum ist für einen "Saal" eher klein und die Orgel steht mit der Schmalseite zum größten Teil des Raums, der zusätzlich oft mit Klavier, Marimba usw. zugestellt ist. Die Dachlage bewirkt, dass er sich schnell aufheizt, was der Stimmung mäßig zuträglich ist.

Die Orgel selbst ist aber durchaus geglückt. Relativ sensible Traktur, recht schmales Tastenstichmaß, etwas gefährlich, aber gerade deshalb natürlich sehr geeignet zum Üben. Klanglich sehr schön und geschlossen, es schreit nichts und man kann als Spieler wie als Lehrer das Plenum auch über längere Zeit ertragen.

Viele Grüße
Axel

Benutzeravatar
olds
Beiträge: 308
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Frage Orgel Universität Koblenz

Beitrag von olds » Mittwoch 20. Juni 2018, 08:00

Die haben tatsächlich dort gründlich abgerissen. Als Theologe im B-Gebäude, ich fand immer, dass das einen gewissen Charme hatte. Dieses Gebäude im 1950er-Baustil, die alte Möblierung und das ein oder andere Einrichtungsteil gaben dem ganzen einen gewissen Charakter.

Ich habe immer mal wieder gehofft, dort nochmal mir alles anschauen zu können. Ich erinnere mich noch gut an die Bronzemadonna und besonders die Einrichtung der kleinen Institutsbilbiothek.

Also wenn Prof. Breuning (als Lehrbeauftrager, er war ja Jahrgang 1920) oder der ein oder andere durchgeistige Dozent (der Herr K. vom Bistum Limburg :wink: ) dort zugange waren, das hatte wirklich Charme.

NIcht zu vergessen das Betongebäude "E" und der genoppte orangene Plastikboden. Dazu die alten Plastikstühle, alle die Aushänge (gib es sowas überhaupt noch? Uns wurde damals immer gesagt, dass man jeden Tag die wichtigen Schwarzen Bretter anschauen müsse). Ja, das hatte 1970er-Masseuni-Charme.

Laut einem mir damals nahestehenden Professor sollen ja gewisse "Kämpfe" stattgefunden haben, da Oberwerth als eher schnieker Stadtteil ein wenig daran interessiert war, dass es dort ruhig bleibt. ("In Oberwerth baut und käuft man nicht, hier erbt man!")
Daher wurde wohl politisch schon gar nicht erst darüber nachgedacht, die alte Uni zu belassen und die in unmittelbarer Nähe leerstehende Feuerwehrschule des Landes Rheinland-Pfalz umzubauen.

Wobei die Verkehrsanbindung und die Situation mit den Parkplätzen schon ziemlich schlecht war. Aber der Gedanke, dass ganz Oberwerth ein Campus sein könnte, der hatte schon Freunde, vor allem im Gegensatz zu der modernen Sichtbetonuniversität in Metternich.

Antworten