Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 5. Juni 2018, 18:49

Hallo Forum,

Ben van Oosten kennt die Orgel in St. Lambertus seit 1999. Im Jahre der Einweihung des Instruments (zunächst nur die Turmorgel, die Chororgel folgte 2004) spielte van Oosten hier alle Widor-Symphonien. Das war ein überaus beeindruckender Zyklus, auch wenn meine Vetrautheit mit den Stücken damals noch rudimentär war.

Auch in den Jahren danach war van Oosten wiederholt Gast. Und immer fiel auf, mit welcher Genauigkeit und Rafinesse die klanglichen Möglichkeiten in den Dienst der Kompositionen stellen konnte.

Gestern war es wieder so weit. Van Oosten trat an mit Trois Pièces (1878) von César Franck und der Ersten Symphonie von Louis Vierne. Die unauffällige, bescheidene Art hat van Oosten nicht abgelegt. Aber er weiß genau, was er will und wo er hin will. Mit großer Ruhe geht er die Fantaisie an, da eilt oder drängelt nichts. Gleichzeitig aber bleibt alles in stetem Fluß; kein Zögern, kein Schleppen - der Fortgang ist immer gewährleistet. Traumwandlerisch bewegt sich van Oosten auf diesem schmalen Grat. Klanglich ist alles bis ins letzte ausgetüftelt; ganz herrlich des Schluß des Cantabile. Nur am Ende des heroischen Stückes wird es naturgemäß etwas laut. Aber das darf es dann auch. Kein Wunder, daß hier Zwischenbeifall ausbrach, der in St. Lambertus sonst nicht üblich ist.

Auf nämlichem Niveau ging es dann in die Vierne-Symphonie. Leicht abgedunkelt der erste Satz, mit Elan und ziemlich dicht registriert (aber noch durchhörbar) folgte die Fuge. Spielerisch die Pastorale; hier wie in Allegro vivace und Andante herrlichste Klangfarben. Wieder hatte van Oosten viel Zeit für lange Bögen, hielt Spannung und fragende Erwartung am Leben. Robuster dann das Finale.

Der Nachhall wurde nur knapp abgewartet, dann Begeisterung allenthalben. Ein großes Konzert. Zugabe: Ein frühes, liedhaftes Stück von Franck. Die charmante Madame van Oosten, die geblättert hatte, verkaufte anschließend CD’s: In drei Monaten soll die Franck-Einspielung am Markt sein.

Gruß Clemens Schäfer

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