Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

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Clemens Schäfer
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Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Clemens Schäfer » Sonntag 27. Mai 2018, 13:08

Hallo Forum,

gerade liegt bei den Symphoniekonzerten in der Tonhalle Düsseldorf der neue OTON aus. So nennt sich die Jahresübersicht des Konzerthauses. Neben den üblichen Gruß- und Geleitworten findet sich auch ein Beitrag des Vorsitzenden Der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e.V., Patrick Schwarz-Schütte. Und der berichtet bei den geplanten Aktivitäten seines Vereins von einer „Überarbeitung der Orgel“ des Mendelssohn-Saals. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Das hier vorhandene Instrument wurde 1978 bei dem Umbau der Rheinhalle zur Tonhalle geschaffen. Es hat nur wenig Platz. Für Rezitals ist das Werk zu klein, ebenso für Kompositionen Orgel mit Orchester. Hier fehlt es an Durchsetzungskraft. Als Continuoinstrument ist sie dagegen fast zu groß. Und hier bringen fremde Ensembles meistens ihr eigenes Positiv mit. So fristet das unscheinbare Instrument (nur wenige Kupferpfeifen im Prospekt) seit Jahren ein trauriges Dasein als Staffage. - Klais hatte sich damals des Auftrags erbarmt; hätte vermutlich lieber ganz anders gebaut. Ob wir allerdings heute mit einer Großorgel von Klais mit Baujahr 1978 zufrieden wären, ist dann schon die nächste Frage...

Ob es sich um ein Dornröschen handelt, das sich wachküssen läßt, ist jetzt die spannende Frage. Digitaler Ersatz, wie zuletzt mehrfach im Einsatz, erwies sich auch als schwach.

Gruß Clemens Schäfer

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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Administrator » Montag 28. Mai 2018, 09:56

Gibt es irgendwo Details zur Orgel (Fotos, Disposition)?
Herzliche Grüße

Daniel
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Sofia Chilkowski
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Sofia Chilkowski » Montag 28. Mai 2018, 14:53

Die Orgel wurde 1978/79 von dem Orgelbauer Johannes Klais (Bonn) erbaut.
Das Schleifladen-Instrument hat 28 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.

I Hauptwerk C–a3
1. Prinzipal 8′
2. Gamba 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Gemshorn 4′
6. Quinte 2 2⁄3′
7. Superoktave 2′
8. Mixtur V 2′
9. Trompete 8′

II Schwellwerk C–a3
10. Bordun 16′
11. Offenflöte 8′
12. Gedackt 8′
13. Salicional 8′
14. Prinzipal 4′
15. Koppelflöte 4′
16. Waldflöte 2′
17. Larigot 1 1⁄3′
18. Sesquialter II
19. Scharff IV 2⁄3′
20. Oboe 8′
Tremulant

Pedalwerk C–g1
21. Subbass 16′
22. Viola 16′
23. Octave 8′
24. Spielflöte 8′
25. Tenoroctave 4′
26. Hintersatz IV 2 2⁄3′
27. Stillposaune 16′
28. Holzregal 8′

Koppeln: II/I, I/P, II/P


kernbeißer
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von kernbeißer » Dienstag 29. Mai 2018, 07:38

Nun, diese Orgel ist ein echtes Kind ihrer Zeit. Wer weiß, wer die Konzeption erstellt hat? Und eigentlich, rein von der Disposition her zu schließen, keine typische Konzertsaalorgel, eher eine solide disponierte Kirchenorgel der 1960-iger / 1970-iger Jahre. Auch noch vielleicht geeignet für Händel - aber die spätere Literatur ????

Wie es akustisch aussieht, das läßst sich so nicht erschließen ohne den Raum betreten zu haben. Vermutlich dürfte die Akustik recht trocken sein, so wie in den meisten Konzertsälen. Eben nicht unbedingt orgelgerecht, wie man das bei einem größeren Instrument in der Vorstellung hat.

Und wie im Artikel:

https://rp-online.de/nrw/staedte/duesse ... d-21674823

festgestellt scheint dies auch so zu sein. Hier Reger spielen? Das wird wohl klanglich eher unbefriedigend sein. Selbst die neobarocken Choralfantasien, die im Pedal auch mal eine "ordentliche" 8'-Zunge im Pedal für den C.f. verlangen, dürften kaum mit dem Holzregal 8' überzeugend zu realisieren sein. Auch die Beschränkung auf 2 Manuale ist nicht unbedingt für die Interpretation großer Werke der Romantik ausgelegt. Vielleicht dann noch mäßige Spielhilfen.

Es gibt andere Konzertsaalorgeln die auf einschlägigen Firmenwebsites beschrieben sind, die eine ganz andere Konzeption besitzen.

Guter Rat ist hier bestimmt, im wahrsten Sinne des Wortes, teuer - zumal auch die Optik eher an ein Instrument eines ehemaligen Ostblock-Konzertsaals erinnern läßt.

Was macht man bloß mit einem so etwas?

kernspalter
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von kernspalter » Dienstag 29. Mai 2018, 12:07

kernbeißer hat geschrieben:
Dienstag 29. Mai 2018, 07:38
Selbst die neobarocken Choralfantasien, die im Pedal auch mal eine "ordentliche" 8'-Zunge im Pedal für den C.f. verlangen, dürften kaum mit dem Holzregal 8' überzeugend zu realisieren sein.
Hier habe ich eine Version der Disposition gefunden, wo im Pedal eine Holztrompete statt des Holzregals angegeben ist:
http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?d ... LIJST=lang
Mit kernspalterischen Grüßen

kjz1
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von kjz1 » Dienstag 29. Mai 2018, 13:33

Das Interieur erinnert mich etwas an die Beethovenhalle in Bonn, wo allerdings eine etwas größere (und ältere) Klaisine zur Verfügung steht.

Ronald Henrici
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 1. Juni 2018, 18:00

Ich bin davon überzeugt, daß man damals denn Schritt getan hat, die Klais Orgel in die Tonhalle Düsseldorf zu transferieren, um überhaupt ein Instrument dort zu haben, das baulich besser ist als das Vorgängerinstrument.
Ich nehme stark an, daß Hans Gerd Klais die Transferierung durchgeführt hat, weil er in dem Instrument eine Interimsorgel für den Konzertsaal gesehen hat. Denn in anderen Konzertsälen hat er auch damals schon andere Konzeptionen verwirklicht, die nicht mit derartigen Dispositionen versehen sind, sondern einen universaleren Charakter hatten.
Die Orgel in der Beethovenhalle in Bonn als Vergleich heranzuziehen, ist aus mehreren Gründen nicht angebracht. Beethovenhallen - Orgel war von der Stadt Bonn als reines Prestigeobjekt der Stadt Bonn gesehen, sie wurde auch nach der Zerstörung des ersten Instruments damals als zweites Instrument genauso wieder gebaut, was ja eigentlich nach der Erfahrung mit dem ersten Instrument anders ausgefallen wäre...
Gruß
Ronald
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von kernbeißer » Montag 4. Juni 2018, 08:11

Nichts ist dauerhafter, wie ein Provisorium.

Was macht man mit so einem Instrument, das alles andere als "konzertant" zu bezeichnen ist? Das ist eine gute Frage, die die Verantwortlichen zu lösen haben.

Nun in wie fern die Quelle, die im Forum angegeben war richtig oder aktuell ist kann ich nicht beurteilen, da ich die Orgel nicht direkt kenne. Ob dort nun eine Holztrompete oder ein -Regal 8' im Pedal ist weiß ich nicht.

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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 4. Juni 2018, 13:24

Mit den Quellen, die manchmal im Forum aus Fremdmitteilungen angeklikt werden, muß man vorsichtig umgehen. Denn sie widersprechen sich manchmal, weil die Forum-Teilnehmer eventuell nur eine Quelle verfügbar haben. In der Frage, warum H.G.Klais die Umsetzung der Orgel in den Konzertsaal nach Düsseldorf protegiert durchgeführt hat, kann am besten der Orgelbauer selbst Auskunft erteilen oder der hinzugezogene Sachverständige. Es wäre eine gute Sache, wenn aus dem Hause Klais da eine Antwort käme, um die Diskussion um eine gut gebaute Orgel in Material und Stabilität in eine richtige Bahn zu lenken.
Gruß
Ronald
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von kernbeißer » Dienstag 5. Juni 2018, 13:56

Da es in unserem Kreis ebenfalls ein solches "Problemkind" aus dem Hause Klais gibt, dessen grundlegende Überholung ansteht, bin ich gespannt welche Lösung in Düsseldorf gefunden wird.

http://www.hl-kreuz-rottweil.de/kirchen ... orgel.html

Dass etwas gemacht werden muss, ist klar, da nach über 50 Jahren Nutzung eine Generalüberholung dringend ansteht. Gute Ansätze gibt es schon an diversen Klais-Orgeln der 5o-iger und 6o-iger Jahre, wie z.B. in Karlsruhe.

Bleibt auch hier abzuwarten, wie die Verantwortlichen mit der Substanz umgehen und wie die Belange, die oft genug unvereinbar erscheinen, unter einen Hut gebracht werden.

Die Technik muss einfwandfrei funktionieren, das ist sicher. Heute haben wir andere Maßstäbe an die Einrichtung von Spielhilfen, was die Mikroprozessortechnik, die es 1967 noch nicht gab, heute möglich macht.

Sicher haben wir heute geänderte klangliche Vorstellungen, dennoch sollte hier sensibel vorgehen und genau prüfen was das Instrument verträgt. Leicht kann hier das innere klanglich Gleichgewicht gestört werden und dann klingt ein solches Instrument trotz großem Aufwand nicht mehr, wie damals als man meinte 8'-Register problemlos zu 4' - und 2'-Registern absägen zu können. Oder ganze Taschenladen-Orgeln auf Schleifladen umsetzte, was nur zu einer Verzerrung des Klangs geführt hat.

Ronald Henrici
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Re: Tonhalle Düsseldorf: Überarbeitung der Orgel

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 6. Juni 2018, 09:07

In Rottweil gehe ich stark davon aus, dass das "Problemkind" eine entsprechende Erweiterung erhält wie es z.B. in Karlsruhe geschehen ist !
Gruß
Ronald
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