Andrzej Chorosiński in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Andrzej Chorosiński in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 3. Mai 2018, 12:15

Hallo Forum,

ich komme zum Schluß: Da schüttelte Andrzrej Chorosiński (Warschau) mal eben die vollständige Moldau auswendig und mit Walze und einigen flinken Griffen zu den Manubrien rechts und links ad hoc registriert aus dem Ärmel - als zweite Zugabe. Jubel im Publikum. Wir sind in der Auferstehungskirche, Düsseldorf-Oberkassel und hören das vierte Konzert des in diesem Jahr unter dem Titel „Opus 18“ stehenden Oberkasseler Orgelfrühlings an der EUROPA-Orgel „Felix Mendelssohn“ von 2004, W. Sauer Orgelbau Frankfurt/Oder Opus 2272. Zur ersten Zugabe hatte Chorosiński den Kuckuck gezogen und dann Händel gespielt. Auch das war auf Begeisterung gestoßen.

Aber vergessen wir darüber nicht das eigentliche Programm. Es ging los mit einer Orgelfassung der Chromatischen Fantasie und Fuge BWV 903. Erstaunlich, wie „schräg“ das Werk in dieser mir noch nicht untergekommenen Klanggestalt wirkt. Im rezitativischen Mittelteil wurde es durchsichtiger, aufgeräumt dann die Fuge.

An zweiter Stelle kam schon der Höhepunkt des Abends: Mieczyslaw Sursynskis Variationen „Heiliger Gott“ von 1918. Chorosiński hatte sich offenbar intensiv mit den klanglichen Möglichkeiten des Instruments beschäftigt und zauberte Klänge von hinreißender Delikatesse. Da war es eine Lust zu hören und zu staunen. Ein Werk, wie geschaffen zur Orgeldemo und in diesem Sinne hier auch kongenial genutzt. Respekt!

Das folgende „Flöten-Konzert“ von Johann Christian Rinck war da fast eine kalte Dusche. Von Spätromantik zur mechanistischen Flötenuhr. Seelenlose Maschinenmusik? Nicht ganz. Es wäre ungerecht, die eine oder andere interessante harmonische Wendung zu unterschlagen. Insgesamt aber ziemlich einfach gestrickt.

Dem Titel der Konzertreihe entsprechend gab es dann ein Opus 18: Hier dasjenige von Franck. Auch hier bot die Orgel als Nötige. Prelude und Fuge kamen ruhig, die Variation etwas beschleunigt. Auch wenn man das Stück häufiger hört, bleibt man gerne dran.

Noch einmal konnte sich Chrosiński als Registrierungskünstler beweisen: Von Henri Mulet gab es Esquisses Byzantines. Wieder ausgesprochen aparte Farbwechsel mit völlig unerwarteten Kombinationen.

Den Abschluß bildete Chante funèbre et Toccata „Tu es Petra...“ (ebenfalls Mulet). Hier hörte man Walküren reiten. Ist die französisch-romantische Orgeltoccata gar ein Kind jener hinreißenden Opernpassage? Oder wage ich mich da zu weit vor?

Mit dem Schluß dieses bemerkenswerten Konzerts (ca. 90 Hörer) hatte ich oben begonnen.

Gruß Clemens Schäfer

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