Jannik Schroeder in der Johanneskirche, D-Stadtmitte

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Clemens Schäfer
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Jannik Schroeder in der Johanneskirche, D-Stadtmitte

Beitrag von Clemens Schäfer » Freitag 27. April 2018, 12:52

Hallo Forum,

„außer der Reihe“ hatte die Johanneskirche am 26.04.2018 zu einem Orgelkonzert geladen. Es stand unter dem Titel „Psalmen in der Orgelmusik“. Spieler war Jannik Schroeder, der einführend darauf hinwies, daß das Konzert Teil seines Bachalor-Projekts sei. Soll wohl heißen, es war ein Examenskonzert. Karin Graf sprach zwischen den einzelnen Musikstücken die Psalmtexte mit der natürlichen Autorität einer alt-erfahrenden Schauspielerin. Das war prima.

Schroeder begann das Konzert mit dem nur nominell psalmgebundenen Dankpsalm op. 145 Nr. 2 von Reger. Den Reger-Duktus hatte er bestens verinnerlicht. Wie so oft, war es auch hier ein Vergnügen, die harmonischen Rückungen zu verfolgen. Gut gemacht.

An zweiter Stelle drei Variationen über den 23. Psalm mit freudig erregter Tendenz von Sweelink.

Dann folgte sehr eindrucks- und stimmungsvoll das Psalm-Prelude über Psalm 23, Vers 4 op. 32 Nr. 3 mit düsterem Beginn und nur wenig Aufhellung in der Mitte. Ein äußerst hörenswertes Stück, das man gerne wiederhören möchte. Dankbar auch für den Spieler.

Von Bach gab es danach „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ BWV 686. Nach meinem Geschmack etwas zu hell registriert.

Und der grandiose Abschluß mußte der 94. Psalm sein. Es ist immer wieder überraschend, wie sehr Reubke hier seine Hörer in den Bann schlägt. Man bleibt Takt für Takt dran, geradezu hungrig nach mehr. Schroeder hatte den lagen Atem, verhalten, zögernd der Beginn, dann das großartige con fuoco. Beim dynamischen Abstieg in den langsamen Satz wechselte er nicht nur die Lautstärke sondern auch die Klangfarbe: Im Piano wurde es plötzlich flötig. Das habe ich so noch nicht gehört. Sehr schön die beiden Soli und dann ganz herrlich ausgekostet der Weg bis zum Eintritt der Fuge. Hier gestaltete Schroeder den zweiten Fugendurchgang mit einer leisen Zunge, die im Getümmel gut hörbar blieb aber nicht auftrumpfte. Sicherer, paßgenauer Zieleinlauf.

Langer Beifall der knapp 30 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

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