Des Künstlers Brot oder Berufung?

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olds
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Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von olds » Dienstag 13. März 2018, 18:45

Sechs Tage nach dem Tod seiner Frau. Kommt man als Musiker nicht darum liefern zu müssen oder ist es Berufung?
https://www.youtube.com/watch?v=vhJ-CQp9lug

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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von Administrator » Donnerstag 15. März 2018, 11:57

Vielleicht eine Möglichkeit, etwas zu verarbeiten? Das denke ich in diesem Fall eher.
Herzliche Grüße

Daniel
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Ronald Henrici
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 15. März 2018, 20:18

Im Forum haben wir in einem anderen Zusammenhang - es geht um Trauerfeiern - das Problem schon angesprochen und diskutiert. Warum soll der Künstler nicht seiner Begabung nachgegen wollen und die Berufung dabei besonders erkennen. In dem genannten musikalischen Beispiel wird sehr gut deutlich, was der Künstler tut. ich bin sehr sicher, daß dies auch im Sinne seiner Gattin erfolgte, die den Künstler mit Engagement in seiner Begabung und Berufung unterstützt und gefördert hat. Hier geht es in keiner Weise nur um das "Brot" des Künstlers. Gut , er muß auch mit seiner Berufung und Begabung Geld verdienen. Aber tut er das nicht selbstverständlich auch für seine Begleiterin, Lebensgefährtin, Gattin ?
Der konkrete Künstler in dem Video handelte nicht um des "Brotes" Willen. darin bin ich mir ganz sicher - auch aus eigener Lebenserfahrung.
Wer fördert denn sonst Berufung und Begabung ? Ich habe bisher festgestellt, daß sonst niemand da ist, der echte Berufung und Begabung fördert !
Unsere "menschliche Gesellschaft" ist darauf gar nicht ausgerichtet.
Gruß
Ronald
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olds
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von olds » Donnerstag 15. März 2018, 21:28

Unter "Berufung" fasse ich auch den von Daniel genannten Aspekt der Trauerarbeit.

Mir bleibt aber dennoch ein gewisser Beigeschmack. Nicht nur bei Herrn Roth. Ihm hätte sicherlich niemand abgesprochen, den Vortrag abzusagen.

Aber neigen Musiker vielleicht doch nicht eher dazu wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren? Eben weil es man es dann doch vermeintlich erwartet?

Der Angestellte kann sich eine Auszeit nehmen.... .

Voceumana
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von Voceumana » Freitag 16. März 2018, 09:35

Vielleicht nimmt er auch "nur" seinen Dienst als Titularorganist ernst; in jedem Fall auch eine Trauerbewältigung, kein blankes Tagesgeschäft. Ohne Emotion spielt man dioese Orgel sicher nie, selbst nicht als diese Freude Gewohnter.

Ronald Henrici
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 16. März 2018, 11:12

Auch bei Herrn Roth ist es nicht Übergehen zum "Tagesgeschäft". Obwohl jeder freischaffende Künstler weiter tätig bleiben muß, sonst landet er oder sie im "Armenhaus". Auch der Titularorgnaist nach der Frankreich - Kirchen - Art ist längst nicht in seiner Position ein abgesicherter Arbeitnehmer, sondern wie die Kirche selbst von privaten Gemeindegliedern und Förderern abhängig, die das Geld für die Kirche freiwillig geben, nicht so wie in Deutachland, wo es über das Finanzamt als Kirchensteuer eingezogen wird und der Kirche schamlos zur Verfügung steht.
Merkwürdigerweise fassen die Organisten in Frankreich ihren Beruf in intensiverer Überzeugung von Berufung und Begabung auf als so manche A- oder B-Kirchenmusiker/innen in Deutschland es tun.
Ein sehr gutes Beispiel ar Louis Vierne, der bis zu seiner letzten Stunde trotz Krankheit sich an die bOrgel gesetzt hat und gespielt hat. ganz nach dem Grundsatz "Er will doch nur spielen" !! Schließlich er trotz Krankheit zur Sonntagsmesse gespielt und ist am Orgelspieltisch verstorben...
Gruß
Ronald
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von kjz1 » Dienstag 20. März 2018, 16:48

Wobei der 94. Psalm als Klagelied eigentlich recht passend zur Trauer ist. Ansonsten käme mir da noch 'Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen' von F. Liszt in den Sinn.

Ronald Henrici
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Re: Des Künstlers Brot oder Berufung?

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 20. März 2018, 19:17

Da haben wir doch zwei gute Beispiele ! Der Psalm 94 und Lizts "Weinen Klagen... haben doch einen immensen sellsorgerischen Effekt, auch für den Künstler selbst. Un das besonders an der Orgel !!
Gruß
Ronald
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