Zurück zu den Wurzeln

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olds
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Zurück zu den Wurzeln

Beitrag von olds » Samstag 30. Dezember 2017, 09:05

Möchte da mal eure Meinung hören. Mich juckt da was in den Fingern, was ich aber vielleicht auch besser sein lassen würde.

Nach langen Jahren war ich diese Weihnachten mal zu Besuch bei der Verwandtschaft. In allen drei Familien (wir klappteren drei Häuser nach und nach ab) ging es um die kirchenmusikalische Situation vor Ort.

Wie das in meinem Heimatdorf gelaufen ist habe ich ja bei Gelegenheit hier einfließen lassen. An Weihnachten war es so, dass die Kirche proppevoll war (insgesamt 3 ehemalige Pfarrkirchen zu einer Mette zusammengefasst) und der 82-jährige "Oberkirchenmusikrat" mit seinem 9-Fingersuchsystem ohne Pedalspiel verärgerte die Besucher.

Mir tut es leid für das recht gute Instrument und die Leute da. Mein Gedanke daher: Nimm weniger für die Kirchenfeste demnächst an und spiel' mal dort. Sofern der Pfarrgemeinderat es hinbekommt, dass "Oberkirchenmusikrat" auf seine "Beiträge" verzichtet, aber der wird noch mit dem Rollator zum Orgeldienst kommen, wenn ihn keiner aufhält.

Allerdings ist es jetzt so, dass ich nicht ohne Grund da siebeneinhalb Jahre fern geblieben bin (was die Verwandtschaft betrifft) und bald 11 Jahre was die Dorfgemeinschaft betrifft. Ich war schon 2004 an einem Punkt, dass ich wusste da raus zu müssen, habe mich sehr schnell "weg entwickelt" und mir fehlt an sich die Lust, da mir all die Gespräche anzuhören. Ich fühle mich zwar bereit dort zu helfen, aber bin doch irgendwie ein "Verlorener Sohn".

Sollte beispielsweise mein "Langweilerkumpel" da auftauchen, wüsste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Es gibt Gründe, warum ich den Kontakt habe einschlafen lassen, wie ich thematisieren sollte, dass ich keine Lust auf Aufwärmen der Bekanntschaft habe, das wüsste ich echt nicht.
Oder die dumme Ehefrau von meinem ehemals besten Kumpel. Die totale Matrone, die am liebsten Leute zu Grillen und Essen einläd, bergeweise Salate anrichtet und nur das Thema kennt, wie man welchen Salat macht und wer wann welchen Salat dabei hatte und wie der war.

Anderes Thema ist natürlich der Zustand des Instrumentes. Für mein Spiel heutzutage bräuchte ich schon die Zungen und die Aliquote für Solospiel.
Bezweifele stark, dass die Register in den letzten Jahren genutzt wurden... und all den Terz betreiben, um wie die anderen beiden Organisten nur mit Plenum und den Flöten zu spielen, nöö, das wäre doof.

Hinzu kommt natürlich noch, dass ich nicht unbedingt ein größere Anhänger davon bin, wo aufzutauchen und den großen Meister abzugeben.

Wie würdet ihr da entscheiden?

Die Dispostion gibt es zwar bereits im Forum, schiebe ich hier aber nochmal nach, ist einfacher als suchen.

Subbass 16'
Prinzipal 8'
Koppelflöte 8'
Trompete 8'
Koppel I
Koppel II

Prinzipal 8'
Koppelflöte 8'
Oktav 4'
Rohrflöte 4' *
Doublette 2' *
Nasard 2 zwodrittel' *
Terz 1 dreifünftel' *
Mixtur
Trompete 8'

Manualkoppel

Salicional 8'
Gedackt 8'
Rohrflöte 4' *
Doublette 2' *
Nasard 2 zwodrittel '*
Terz 1 dreifünftel' *
Krummhorn 8'
Tremulant

* Wechselschleife

Dorforganistin
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Re: Zurück zu den Wurzeln

Beitrag von Dorforganistin » Samstag 30. Dezember 2017, 18:33

Warum willst Du dort die Welt retten bzw. die Kirchenmusik? Wem fühlst Du Dich verpflichtet? Für mich klingt es, als wären da noch viele offene Themen und auch Herzschmerz. Meine Entscheidung wäre, dort nicht zu spielen.

olds
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Re: Zurück zu den Wurzeln

Beitrag von olds » Mittwoch 3. Januar 2018, 09:18

offene Themen
Frauen sind einfach gut darin, das mit dem Menscheln zu erkennen zu thematisieren. :idea:

Hauptsächlich geht es mir darum, dass ich dieses Instrument sehr mag. Da ich mich in den letzten Jahren unter dem Einfluss der Möglichkeiten und der Kirchenmusikszene hier in der "Großstadt" als Organist doch sehr weiterentwickelt habe fühle ich da nun so einen Ehrgeiz, das Instrument auszureizen. Die wenigen Einsätze die ich bis 2006 dort hatte spielte ich doch eher bedächtig und brav, so wie es dem Stereotyp "Landorganist" entspricht.

Ausnahmen bilden natürlich einige wenige komplexere Literaturstücke die ich im Unterricht an dem Instrument erlernte, aber mangels Gelegenheit nie im scharfen Einsatz spielen konnte.

Zweiter Grund ist, dass es tatsächlich nicht wenige Gottesdienstbesucher gibt, die sich ein anspruchsvollere Musik durchaus wünschen. Ein interessiertes Publikum ist also durchaus vorhanden. Es besteht also durchaus ein künstlerischer Anreiz für mich.

Ansonsten:
Herzschmerz mag sein, aber von "offenen Themen" kann man nicht sprechen.

Tatsächlich ist es einfach so, dass sich die Bindungen dort schlicht auseinander gelebt haben. Ich spreche von einem 450-Seelendorf wo sich die Leute irgendwann entweder für oder gegen das ländliche Leben entscheiden. Ich und einige andere sind weggegangen, andere sind geblieben. Manche kommen öfters zurück, manche seltener. Ich gar nicht, bzw. sehr selten.

Für mich war es nach meinem Wegzug lange Zeit schwierig mich dort zu positionieren. Es ist nun mal so, dass viele die bleiben eine andere Erwartungshaltung mit anderen Werten an ihr Leben haben. Ich persönlich kann damit nichts (mehr) anfangen. Das sind halt Lernprozesse und erst mit der Zeit haben sich da Wogen geglättet - so fern sie vorhanden waren, da bin ich mir inzwischen etwas unsicher.

Mein Vadder sagte gestern dazu am Telefon, dass das nun mal so ist. Entweder bleibt man komplett fern oder aber man hat immer wieder Leute an der Backe, die einem wieder zwischenmenschliche Bindungen aufdrücken wollen. Das würden die aber egal bei welchem Anlass machen. Damit muss man dann aber halt umgehen und das ist dann halt auch eine Frage der Grenzziehung. Und damit sei das halt eben nicht mein Problem, da ich meine Rolle und meinen Standpunkt eingenommen habe.

Dorforganistin
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Re: Zurück zu den Wurzeln

Beitrag von Dorforganistin » Mittwoch 3. Januar 2018, 10:18

Du hast zwar oben geschrieben, dass Du nicht als "der große Meister" zurückkommen willst, aber wie wäre es mit einem Konzert? Vielleicht auch mit dem Hintergrund, Geld zu sammeln für eine Orgelwartung, falls nötig.
Damit hättest Du die Möglichkeit, Dich an der Orgel künstlerisch auszutoben, ohne die Verpflichtungen regelmäßiger Einsätze.

olds
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Re: Zurück zu den Wurzeln

Beitrag von olds » Mittwoch 3. Januar 2018, 15:31

Tatsächlich gibt es so etwas und tatsächlich war ich da auch involviert: Beim vorweihnachtlichen Konzert. Hier haben sich alle "Kulturschaffende" mit 2-3 Beiträgen eingebracht, ich steuerte 2000-2006 Orgelmusik bei. (Aus diesem Grund habe ich einen gewissen Fundus adventlicher Musik, von dem ich das meiste so aber nie mehr spielen würde.)

Ich habe auch schon vor längeren Zeiten mal über ein Angebot hierfür nachgedacht, es aber nie wirklich verfolgt. Auch aus dem Grund, dass diese Veranstaltung von dem Musikverein "gekapert" wurde. Der Musikverein hatte, wie fast alle Blaskapellen dort oben, mit extremen Mitgliederschwund zu kämpfen und ist jetzt eine Art Kreisauswahl, die von einem Berufsmusiker geleitet wird. Der Anspruch ist hoch, die fahren mit Konzeptveranstaltungen und andere müssen schauen, wie sie sich da einfügen. Da fehlt mir ein wenig die Muße zu.

Ansonsten haben konzertante Veranstaltungen eine eher kleine Lobby. Dort auf dem Land ist Orgelmusik etwas das im Gottesdienst stattfindet und selbst wenn es Leute gibt, die sich anspruchsvolle Orgelmusik wünschen, heißt das noch lange nicht, dass diese sich auch in die Kirche bequemen wenn eine Konzert stattfindet.

Da ich eine kleine Konzertreihe 2006 mit drei kleinen Konzerten durchgeführt hatte, weiß ich davon ein Lied zu singen. Da waren dann 12 Leute, meine Verwandtschaft abgezogen 6. Sogar der "Oberkirchenmusikrat" der sich da so wichtig gibt, ließ sich nicht blicken.

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