Konzert in St. Suitbertus, Düsseldorf-Bilk

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Clemens Schäfer
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Konzert in St. Suitbertus, Düsseldorf-Bilk

Beitrag von Clemens Schäfer » Montag 11. Dezember 2017, 13:03

Hallo Forum,

nach Bach, Toccata, Adagio und Fuge C-Dur, BWV 564, schaute ich mich gequält um. Mein Blick wurde von einem Nachbarn aufgefangen, der mir leise zuraunte: „Das sehe ich auch so!“

Am 10.12.2017 fand in der Kirche St. Suitbertus in Düsseldorf Bilk ein Konzert statt, das die von Seifert renovierte und erweiterte Klais-Orgel vorstellen sollte. Das Programm war dazu angetan: Reger, Toccata d-moll aus op. 59, BWV 645 (Wachet auf), 564, Vierne (Clair de Lune) und Guilmant (Sonate d-moll).

Über die Orgel hatte ich vor ca. acht Jahren geschrieben: „Diese Orgel hat mir überhaupt nicht gefallen“. Damals hatte Markus Hinz ein schönes Programm gespielt; leider erwies sich die Orgel als schrill, schreiend, quietschig und dünn. Das hat sich jetzt deutlich zum Besseren gewendet. Sonore Klänge, auch im Tutti kein Lärmen, schöne (aber nicht überragende) Soli, gut ergänzende Streicher und eine satte Grundtönigkeit lassen das Instrument (äußerlich unverändert) kaum wiedererkennen. Entgegen meiner damaligen Skepsis hat sich die Investition in die vorhandene Substanz offenbar gelohnt. Gratulation!

Wie die Orgel freilich disponiert ist, blieb den Hörern verborgen. Eine Festschrift gibt es wohl nicht - jedenfalls wurde keine angeboten. Und auch das Programmblatt enthielt die Disposition nicht. Dort fehlte übrigens noch etwas: Der Name des Spielers. War es Stefan Buschkamp, der in der Rheinischen Post erwähnt worden war? Oder wechselten gar die Spieler während des Konzerts? Ganz sicher war das nicht auszumachen. Von unten ist der Spieltisch auf der Turmempore nicht einsehbar.

Das Konzert begann nach dem Schlagen der Turmuhr ohne Begrüßung oder Ansage. Im Grunde kann ich auf Ausführungen dieser Art im klassischen Konzert gut verzichten. Was Musiker da so über Musik sagen ist für Laien zu hoch und für Kenner zu läppisch. Hier aber wäre Gelegenheit gewesen, etwas über die Intention und das Ergebnis der Renovierung zu sagen, den (vermutlich fleißigen) Spendern und Geldgebern zu danken, den Orgelbauern ein Wort der Anerkennung zu gönnen und - natürlich - um weiteres finanzielles Engagement der Hörer zu werben. Vertane Chance.

Der Beginn mit Reger machte durchaus Eindruck. Der Spieler hatte den richtigen Duktus gefunden, die Registrierungen stimmten. Eine schöne Darbietung. Der ordentliche Nachhall in der ziemlich großen/hohen neugotischen Kirche tat dazu ein übriges.

Im Choralvorspiel lief es auch recht gut. Hier ahmte der Spieler die Besetzung aus der Kantate BWV 140 nach und registrierte die ausschweifende Begleitung und die Choralzeilen in Tenorlage.

Bei BWV 564 ging es erst langsam los, dann eine kurze Phase im schnelleren Tempo, ehe das große Pedalsolo per augmentationem geboten wurde. Über die Ausführung schweige ich besser. Danach ging es dann etwas flotter weiter. Das Adagio war sehr getragen und wehklagend, passend registriert; am Ende wurde es nur mäßig dramatisch. Wer nun mit dem Tempo der Fuge auf einen Kontrast gehofft hatte, wurde arg enttäuscht. Gequälter Blick meinerseits - siehe oben. War das wirklich der Spieler des Reger gewesen?

Mit Viernes Clair de Lune ging es nun auf deutlich höherem Niveau weiter. Ruhiges Tempo ist hier angesagt. Und die Klangfarben wußten durchaus zu überzeugen. Das war fein.

Die Guilmant Sonate braucht Schwung und Glanz. Das gelang teilweise. Die Pastorale zog sich aber; Ein wenig mehr Drive hätte sie schon gebrauchen können. Immerhin wurde am Ende des Final bewiesen, daß die Orgel trotz tutti (oder quasi-tutti) nicht lärmt sondern sonor bleibt. Ein versöhnlicher Schluß.

Wegen des Wintereinbruchs mit stundenlangem Schneegestöber (in Düsseldorf des Landes nicht der Brauch!) waren sicher einige potentielle Hörer nicht da. Knapp 50 Anwesende spendeten höflich Beifall.

Gruß Clemens Schäfer

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