Marius Horstschäfer in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Marius Horstschäfer in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 3. Oktober 2017, 14:48

Hallo Forum,

als vor einigen Jahren die Auswahl des Orgelbauers für die neuen Orgeln in St. Antonius, D-Oberkassel, anstand, bot Antonius-Kantor Markus Hinz ein Konzert in Köln-Sülz, St. Nikolaus, an, wo man die seinerzeit ganz neue Mühleisen-Orgel hören konnte. Hinz spielte u.a. den Reubke, was ja allerlei Rückschlüsse auf die Fähigkeiten eines Instruments erlaubt. Anwesend waren wohl viele Mitglieder der Orgelbaukommission (ich gehörte nicht dazu). Und so wurde denn auch Mühleisen der Orgelbauer in Düsseldorf-Oberkassel.

Der in Köln-Sülz tätige Kantor Marius Horstschäfer war nun Gast in Düsseldorf. Allerdings nicht an der Mühleisen-Orgel von St. Antonius sondern an der Riegerin von St. Lambertus. Bach, Bunk und Howells standen auf dem Programm. Zuerst vier kleinere Bach-Werke (bzw. -Bearbeitungen), die auf das mittige Hauptwerk, Bunks Sonate f-moll, hinführen sollten. So gab es denn auch nach den vierten Bach-Stück einen unmittelbaren Übergang zu Bunk - sehr wirkungsvoll!

Aber ich greife vor. Zuerst also Bach: Canzone BWV 588, mir aus Kindertagen von einer 25cm-Platte mit Helmut Walcha bekannt (AD: 15.09.1952, Cappel).Während Walcha eher schlicht formulierte, nutze Horstschäfer hier die Möglichkeiten der franz. romant. Orgel und ließ beispielsweise einen Themeneinsatz des fugierten Werk aus dem fast geschlossenen SW kommen.

Es folgten eine Gigue h-moll (ohne BWV-Nummer, von Bach selbst für Orgel gesetzt), ein Ohrwurm-bekanntes Siciliano g-moll BWV 1031/3 (für Orgel gesetzt durch Moritz Hauptmann, 1792-1868) in überraschend schnellem Tempo und ein Largo As-Dur (ohne BWV-Nummer, von Bach selbst für Orgel gesetzt). Insgesamt ein barockes, jedoch bereits romantisch gewürztes Hors’œvre.

Wie gesagt: Bunk wurde unmittelbar angeschlossen: Große Geste, bestimmtes Voranschreiten in der Introduction maestoso. Dann zwei Intermezzi. Das erste tänzerisch, flötig in den A-Teilen, im B-Teil klanglich entfernt an jene Straßenorgeln erinnernd, wie sie in niederländischen Städten durch die Fußgängerzonen geschoben werden (weiche Zungen). Im zweiten ein großes Solo des Saxophons. Das jedenfalls glaubte ich zu hören, obwohl die Riegerin keines hat. Sehr schön! Das Finale ist ein großer Trauermarsch. Große Emphase, gelegentliche Zurücknahme der Dynamik, auch der Schluß (nach vielen Umwegen und Trugschlüssen) ruhig. Wer eine große Beerdigung zu beorgeln hat, sollte diesen Satz unbedingt ins Kalkül ziehen.

Bunks Musik ist noch ganz von der Spätromantik geprägt, die Regersche Harmonik blitzt aber vielfach auf. Man hört gerne zu, von Langweile keine Spur. Horstschäfer hatte sich erkennbar intensiv mit Werk und Orgel beschäftigt, so daß es eine Freude war.

Zum Abschluß gab es drei Phapsodien op. 17 von Herbert Howells (1892-1983) in Des-Dur (1915), Es-Dur (1918) und cis-moll (1918). Howells Musik ist in Klangregie und Harmonik der von Gerard Bunk (1888-1958) eng verwandt Das gilt jedenfalls für die hier gespielten frühen Stücke.

Ein schönes Konzert, lebhafter Beifall der knapp 100 Hörer. Horstschäfer spielte übrigens ausschließlich am mechanischen Spieltisch im Turm (nutzte also die Chororgel nicht) - eine Seltenheit!

Gruß Clemens Schäfer

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