Etienne Walhain in der Florinskirche, Koblenz

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Antworten
kjz1
Beiträge: 88
Registriert: Sonntag 17. November 2013, 15:42

Etienne Walhain in der Florinskirche, Koblenz

Beitrag von kjz1 » Sonntag 1. Oktober 2017, 17:22

Am Freitag, 29. 9. war hier in der Florinskirche an der großen Förster & Nicolaus Orgel ein Organist aus Belgien zu Gast: Etienne Walhain, der Titulaire der Kathedrale von Tournai. Etienne Walhain hat schon etliche Preise gewonnen und war Meisterschüler von Jean Guillou. Hierzulande scheint er nicht allzu bekannt zu sein. Das Programm:

Franz Liszt: Orpheus (bear. J. Guillou)

Johann Sebastian Bach: O Mensch bewein dein Sünde groß (BWV 622)

Johannes Brahms: Gott du frommer Gott (op. 122/7)

Modest Mussorgski: Bilder einer Ausstellung (bearb. J. Guillou)

Selbstverständlich spielte er das gesamte Programm auswendig und auch ohne Registranten. Die Choralbearbeitungen von Bach und Brahms wuden mit 'romantischen' Registrierungen dargeboten. Die 'Bilder einer Ausstellung' habe ich vor Jahren schon mal live direkt nebenan (in der Liebfrauenkirche) mit Olivier Latry an der Orgel gehört. Nun also die virtuose Bearbeitung von J. Guillou. Und trotz der Schwierigkeiten spielte E. Walhain 'rasant', da wurde der Ochsenkarren auf die Trabrennbahn versetzt. So schnell habe ich dieses Stück weder von einem Pianisten noch von einem Orchester jemals gehört. Das ganze Programm hatte eine Dauer von nur gut 45 min. Auch das Einregistrieren musste einiges an Arbeit gewesen sein, denn E. Walhain wechselte im Mussorgski alle paar Takte die Registrierung.

Es hätte sich z. Bsp. angeboten, beim großen Tor von Kiew die großen Röhrenglocken der Orgel zu verwenden, diese kamen aber nicht zum Einsatz. Konnten sie auch gar nicht: viel zu langsam in der Ansprache. E. Walhain spielte so schnell, dass viele Feinheiten wohl von der Akustik der Kirche verschlungen wurden. So kam dann von seinem hochvirtuosen Spiel eher 'Klangbrei' unten in der Kirche an. Hier hätte sich eine Video-Übertragung angeboten, denn akustisch konnte man die unglaubliche 'Hand- und Fußarbeit' in der Kirche kaum nachvollziehen.

Freundlicher Applaus der ca. 70 Zuhörer, als Zugabe spielte E. Walhain den Tanz der Zuckerfee aus Tschaikowskis Nußknacker-Suite. IMHO spielt E. Walhain so in der Liga von CC und Paolo Oreni. Hier noch einige Videos zum Nachhören (an anderen Orgeln):

Prokfiev Toccata

Liszt Orpheus

Mussorgski Bilder einer Ausstellung

Antworten