Jaroslav Tůma in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Jaroslav Tůma in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 8. August 2017, 14:04

Hallo Forum,

Internationale Orgelkonzerte in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt (Rieger 1999/2004). Das August-Konzert spielte am 07.08.2017 Jaroslav Tůma, Prag(CZ).

Und dieses Konzert hatte es in sich. Der Beginn mit BWV 548 e-moll konnte kaum anspruchsvoller sein. Diesen „großen Brocken“ gestaltete Tůma mit Übersicht und langem Atem; zugleich schön gleichmäßig und nicht gehetzt. Einzig die Pedalregistrierung hätte ich mir etwas schlanker gewünscht. Ansonsten prima! Die Fuge fügte Tůma übrigens atacca an.

An zweiter Stelle eine Komposition von Josef Klicka (1855-1937): Konzert-Fantasie Vyšehrad op. 33. Wir haben es also nicht mit einer Bearbeitung dieses Teil aus Ma Vlast von Smetana für Orgel zu tun, sondern mit einem Werk, das über Vyšehrad fantasiert. Wo da genau die Unterschiede liegen, kann ich mangels genauer Kenntnisse von Smetanas Vaterland nicht ermessen (Die Moldau gehörte immerhin zu meiner musikalischen Früherziehung im Elternhaus). Wie dem auch sei: Ein hinreißendes Stück Musik, mit Herzblut gespielt, fein registriert. Unbedingt aufführens- und hörenswert.

Noch nie hatte ich Petr Ebens Sonntagsmusik komplett gehört; einzelne Sätze werden hin und wieder ins Programm genommen. Hier bot Tůma also das ganze Werk. Und das war eine reine Freude. Offenbar hatte er sich Zeit genommen, die Klänge genau auszutüfteln. So gab es denn delikate Klangfarben, Und auch die Möglichkeiten Chor- / Turmorgel wußte Tůma gut zu nutzen. Die Musik ist unheimlich dicht gewebt, da gibt es nirgends Leerlauf oder nur Dekoratives. Alles scheint einen Sinn zu haben, ist Teil eines Plans. Die Modernität ist nicht verschreckend, macht das Ganze aber zusätzlich spannend. Großartige Musik und ebenso großartige Wiedergabe auf dazu bestens geeigneter Orgel.

So wurde denn auch nur der Nachhall abgewartet, dann setzte der Beifall unisono ein, herzlich und anhaltend. Tůma spielte als Zugabe offenbar eine Improvisation. Wenn ich richtig gehört habe, griff er die gegen Ende des Finales der Sonntagsmusik eingeführte gregorianische Melodie auf und mischte sie mit den Klangfarben von Klicka/Smetana. Das schien wirklich spontan improvisiert, denn Tůma registrierte ständig während des Spiels. Ruhiger Schluß von großer Klangdelikatesse.

Ein großes Konzert! Leider nur um 50 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.: Am 04.09.2017, 19:30h, ebenda Wayne Marshall mit Jehan Alain, Franz Schmidt und Improvisationen

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