Johannes Quack in der Neanderkirche

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Antworten
Clemens Schäfer
Beiträge: 174
Registriert: Samstag 16. November 2013, 19:31
Wohnort: Düsseldorf

Johannes Quack in der Neanderkirche

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 6. Juli 2017, 14:50

Hallo Forum,

Neanderkirche, Düsseldorf-Altstadt, 3. Sommerliches Orgelkonzert: KMD Johannes Quack, Antoniterkirche, Köln.
Das Programm war überschrieben mit „Lutherlieder in Orgelkompositionen“ .

Mit einer Partita über „Vater unser im Himmelreich“ von Jan Pieterszoon Sweelinck begann Quack ein gehaltvolles Programm. Mit klarem Zugriff gestaltete er die Variationen, die klanglich gut voneinander abgesetzt waren.

An zweiter Stelle BWV 688, „Jesus Christus unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt“ . Sicher ging es durch das komplizierte Stück.

Mit Mendelssohns dritter Sonate ging es weiter. Kräftig und durchaus mit Verve das con moto maestoso. Eher schlicht und fast zügig dann das Andante tranquillo.

Eindrucksvoller Stimmungsumschwung sodann: Aus Regers zweiter Sonate op. 60 spielte Quack die Invocation. Allein schon die Harmonik: Da liegen Welten zwischen Mendelssohn und Reger. Auch klangfarbenmäßig hatte Quack eine glückliche Hand. Die Riegerin von 1965 ist schon erfreulich vielseitig.

Ziel- und Höhepunkt des Konzerts war aber die Komposition „Martin Luther“ (= 16. Orgelsymphonie, 2016) von Enjott Schneider (*1950). Uraufgeführt wurde das Werk am 27.10.2016 durch Johannes Quack in in der Kölner Trinitatiskirche. Das Werk gliedert sich in fünf Sätze:
1. „Wir glauben all an einen Gott“
2. Luthers „Rose“
3. „Mitten im Leben sind“
4. Perpetuum Mobile „Gott hilf mir Amen“
5. Finale „Ein feste Burg“
Den Hörern war ein eng bedrucktes DIN A4 Blatt mit einer Beschreibung aus der Feder von Enjott Schneider ausgehändigt worden. Das half gut zur Orientierung. Im ersten Satz wird der Thesenanschlag durch Klopfgeräusche auf Holz verdeutlicht. Skizziert werden soll hier die Spannweite der lutherischen Emonationalität zwischen Mittelalter und Neuzeit. Die Choralmelodie ist in einem Saltarello versteckt. Der zweite Satz ist spiritueller, die Fünferstruktur der Rose (5 Blütenblätter) wird im 5/8 Takt verdeutlicht. Der dritte Satz setzt sich mit der Allgegenwärtigkeit des Todes auseinander. So läutet auch eine Glocke (hier assistierte Hauskantor Sebastian Klein). Der vierte Satz will das „Hier stehe ich“ mit einem Perpetuum Mobile verdeutlichen. Am Ende gibt es im fünften Satz die „Marseiller Hymne der Reformation“ (Heinrich Heine), die Friedrich Engels als Marseillaise des Bauernkrieges gesehen hat. Schneider betont diese martalische Lesart weniger, will eher den „Freiheitsgedanken eines Christenmenschen“ in den Vordergrund stellen.

Die Musik war frisch und kurzweilig. Nichts epigonales, aber auch nichts bürgerschreckliches. Gut zu hören und spannend zu verfolgen; man blieb dran. Und so war nicht verwunderlich, daß der Beifall sofort einsetzte. Kräftig und anhaltend.

Antworten