Martin Sonnen in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Martin Sonnen in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Mittwoch 5. Juli 2017, 11:53

Hallo Forum,

das Juli-Konzert der „Internationalen Orgelkonzerte an St. Lambertus“ (immer am ersten Montag im Monat, 10:30h, Eintritt frei) betritt Martin Sonnen aus Korschenbroich (St. Andreas). Korschenbroich ist eine Stadt zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach mit 33.000 Einwohnern. Die Kirche St. Andreas besitzt eine 1953 von Klais (33/III) gebaute [link=http://st-andreas-korschenbroich.kibac. ... ode=detail]Orgel[/link], mehrfach ergänzt, u.a. von Fischer&Krämer 1970. Heute 55/IV.

„Das Werk eines Architekten soll man erst nach der Vollendung beurteilen“. Dieser Spruch kam mir beim Programm und dessen Darbietung nachher in den Sinn. Denn wenn man die Stücke einzeln betrachtet, dann ergeben sich doch große Probleme beim Eingangswerk: BWV 564, C-Dur. Hier setzte Sonnen ganz auf mächtige, knarzende Bässe. Das ging schon im Pedalsolo los. Und es sollte im Basseinsatz bei der Fuge noch ärger kommen. So tat Sonnen alles, was zur Verunklarung geeignet war. Dazwischen ein fast schreiendes Adagio (glücklicherweise läßt die Rieger-Orgel echte Mißtöne kaum zu) mit schlichtem, ja belanglosem Übergang zur Fuge. Für sich betrachtet also eine Darstellung, die mein Gefallen nicht finden konnte. Im Gegenteil.

Aber war das als Einzelwerk gedacht gewesen? Wollte Sonnen vielleicht den Bach in der Art spielen, wie es zur Zeit Boëllmanns in Frankreich üblich war? Ich kenne mich da nicht aus; aber möglich wäre diese Intention, denn Boëllmanns Suite Gothique wurde ähnlich dargestellt. Und dort paßte es.

Zunächst aber gab es nach dem Bach von Michel Correttte (1707-1795) eine Suite du 2ème ton. Die neun Sätze boten Gelegenheit, den schönen Registerfundus der Orgel auszuloten., Musikalisch passierte freilich nicht viel. Sehr dekoratriv das Ganze, aber ohne Tiefgang. Wenn man bedenkt, daß in dieser Lebensspanne mal eben der ganze Mozart steckt, dann muß man ein solches Stück als Lappalie bezeichnen. Das Leben ist zu kurz, als daß man sich damit beschäftigen könnte.

Es folgte Mendelssohn, Präludium und Fuge G-Dur op. 37 Nr. 2. Sonnen traf den Mendelssohn-Duktus gut, die Fuge hat freilich Längen und zog sich.

Am Ende besagter Boëllmann, ein oft gehörtes aber immer spannendes Stück. Kräftig begann der Choral (Sofort wurde ich zurückerinnert an den Bach zu Beginn), schön abgesetzt die Zwischenspiele aus der Chororgel. Mit dieser begann Sonnen dann auch das Scherzo. Das Prière wurde fein ausgesungen. Mächtig, aber nicht übertrieben die Toccata. Ein versöhnlicher Schluß.

Für den großen Beifall der nur ca. 60 Hörer bedankte sich Sonnen mit einem barocken Präludium; für Buxtehude nicht alt genug, für Bach zu dünn. Auf Nachfrage war es ein alleinstehendes Präludium in G-Dur, das Bach zugeschrieben ist, vermutlich aber aus anderer Quelle (Krebs?) stammt.

Gruß Clemens Schäfer

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