Das Ende der Tradition?

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Das Ende der Tradition?

Beitrag von Administrator » Montag 12. Juni 2017, 10:17

Liebe Orgelfreunde, lieber Kirchgänger,

ich habe in der letzten Zeit das Gefühl, dass die traditionellen Gottesdienste in der Kirche (ev) immer seltener werden. Selbst an Trinitatis erlebte ich gestern "nur" einen normalen Gottesdienst. Ist die Zeit für Riten, Traditionen und Symbolik vorbei? Zählt nur noch Event?
Macht es überhaupt Sinn, noch an Gottesdienste mit Symbolik, Inhalt und Ritus festzuhalten? Oder vergrault man damit die letzten Schäfchen?
Wie steht es um die Orgelmusik und ihre verkündende Aufgabe? Zählt Klang und Lautstärke, modernes Repertoire und Ohrwumcharakter mehr als verkündende Musik mit geistlichem Inhalt?

Wie sind Eure Erfahrungen? Wie sind Eure Meinungen dazu?
Herzliche Grüße

Daniel
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olds
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von olds » Mittwoch 14. Juni 2017, 21:50

Also ich bin ja von der päpstlichen Fraktion, allerdings mit demnächst einigen Orgeldiensten bei der anderen Feldpostnummer. Dann kann ich mehr sagen.

Bei uns katholischen finde ich schon, dass sehr häufig das "besondere Erlebnis" über den Inhalt und die Liturgie gestellt wird. Natürlich haben die Lieder auch einen tiefgreifenden Inhalt, aber oft erschließt der sich nur dem geneigten Christen. In unserem Chor stehen beispielsweise auch immer Neues Geistliches Lied-lastige Stücke an. Aber mir fehlen die nötigen Rezeptoren, diese Art der Verkündigung zu erfassen und zu verstehen.

Vielen anderen geht es auch so. Damit verpufft der wohlgemeinte Effekt dann. Andere musikalische Stile sind sichlich auch schön, gut, nötig und sollen ihren Platz haben. Wenn aber nur einige wenige daraus auch einen Gewinn ziehen, sieht die Sache schon ziemlich bescheiden aus.

Ippenstein
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von Ippenstein » Freitag 16. Juni 2017, 22:18

Lieber Daniel,

da ich nicht mit der evangelischen Liturgie aufgewachsen bin, kenne ich nur das, was ich vor Ort erlebe. Im Vergleich zu den katholischen Gottesdiensten, v.a. den Hochfesten, erscheint mir der evangelische Gottesdienst immer recht gleich zu bleiben.

Die Liturgie wird oft gesungen und auch entsprechend den Teilen A,B,C, ausgeschmückt, aber es erscheint mir doch immer recht ähnlich. Zugleich glaube ich, daß die Gottesdienste "meiner" Gemeinde sehr traditionell sind, wenngleich immer mal auch "moderne" Elemente wie Combo oder anderes mit einfließen, was ich ganz gut finde. Zugleich muß ich aber auch sagen, daß "das Wort" sehr viel Gewicht hat und die Menschen noch sehr gläubig sind.

Im Vergleich dazu erscheinen mir die katholischen Gottesdienste weitaus pompöser zu sein, was ja gerade an Hochfesten extrem zelebriert wird (und ich auch mag). Zumindest kann ich bei meinen Einsatzgebieten sagen, daß die Tradition noch hochgehalten wird.

Viele Grüße

Ippenstein

kjz1
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von kjz1 » Montag 19. Juni 2017, 12:52

Ich kann es auch nur aus katholischer Sicht beantworten: hier war es mal wieder 'pompös' mit großem Einzug, 'Festbeleuchtung', großem Geläut und Weihrauch im 'Rundumschlag'.

Ronald Henrici
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 13. Oktober 2017, 17:53

Meine Beobachtungen seit Jahrzehnten des eigenen Orgelspiels in verschiedensten landeskirchlich oder diözesan geprägten Kirchengemeinden. Die Gottesdienstordnungen sind im Ablauf alle gleich traditionell (Introitus, Kyrie, Gloria, Evangelium, Sanktus, Benediktus, Agnus Dei, Postludium.
Aber die Gestaltungen sind vielfach geändert, auf evangelischer Seite versucht man immer wieder mit kranpfhaft volkstümlich herbeigeholten Liedern und Gesängen die Kirchenbesucher wieder in den Gottesdienst zu locken, erreicht aber genau das Gegenteil.
Manchmal freue ich mich besonders, wenn ich wieder einmal eine katholische Messe feierlich begleiten darf, auch meditativ unbd mit Liedern, die die Gemeinde kräftig und nachhaltig mitsingt. Denn Gottesdienst feiert die Gemeinde und ist nicht ein Event, das der Gemeinde vorgesetzt wird.
Gruß
Ronald
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von Administrator » Samstag 14. Oktober 2017, 16:44

Aber auch dieses Feiern einer Messe scheint immer weniger bedeutsam zu sein. Allgemein das Leben des Glaubens.
Am Rande: Nach 900 Jahren muss selbst eine Abtei Himmerod nun aufgeben .... :-(

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -aufgelost
Herzliche Grüße

Daniel
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kernspalter
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von kernspalter » Samstag 14. Oktober 2017, 22:03

Administrator hat geschrieben:
Samstag 14. Oktober 2017, 16:44
Nach 900 Jahren muss selbst eine Abtei Himmerod nun aufgeben .... :-(
Zu 900 Jahren fehlt noch einiges.
Das Kloster wurde 1802 schon aufgegeben und verfiel zur Ruine.

Um 1900 sah die Klosterkirche so aus:
http://static.akpool.de/images/cards/175/1754725.jpg
Mit kernspalterischen Grüßen

Ronald Henrici
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 16. Oktober 2017, 11:52

Kloster Himmerod in der Eifel und Ruine, das ist schon richtig. Aber eine Klosterkirche Himmerod besteht noch. Im Jahr 1964 hatte ich dort die Aufgabe, die Zungenstimmen der großen Klais - Orgel nachzustimmen. Und nach 2010 ist dort eine CD entstanden mit Orgelmusik.
Daher ist mir die Mitteilung von Kernspalter etwas irreführend.
Gruß
Ronald
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Re: Das Ende der Tradition?

Beitrag von kernspalter » Dienstag 17. Oktober 2017, 00:21

Ronald Henrici hat geschrieben:
Montag 16. Oktober 2017, 11:52
Kloster Himmerod in der Eifel und Ruine, das ist schon richtig. Aber eine Klosterkirche Himmerod besteht noch. Im Jahr 1964 hatte ich dort die Aufgabe, die Zungenstimmen der großen Klais - Orgel nachzustimmen.
Die Klosterkirche war damals ganz neu, sie wurde 1960 geweiht.
Und auch die Klais-Orgel ist noch keine 900 Jahre alt.
Mit kernspalterischen Grüßen

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