Hans-Eberhard Roß in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Hans-Eberhard Roß in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 25. Mai 2017, 14:04

Hallo Forum,

im fünften Konzert des 13. Oberkasseler Orgelfrühlings in der Auferstehungskirche zu Düsseldorf-Oberkassel spielte Hans-Eberhard Roß, Memmingen. Die wieder um 70 Hörer erlebten ein in jeder Hinsicht überzeugendes Konzert.

Roß begann mit Pièce heroïque von César Franck. Das kam frisch im Tempo und klar im Ausdruck. Hier wurde nicht mit Bedeutung aufgeladen, kein Weihrauch, nichts Schwülstiges, keine unangebrachte Feierlichkeit. Das war wunderbar zu hören und beeindruckt von Beginn an. Erfrischend entschlackt.

War der Einstieg schon bestens gelungen, ging es großartig weiter. Nun spielt Roß das Finale aus der Sonntagsmusik von Petr Eben. Da kam man aus dem Staunen kaum heraus. Klug nutzt Eben die Gregorianik als Quelle und Bindeglied. So fühlt man sich nie alleingelassen in einem mitunter heftigem Umfeld.

Hauptwerk des Konzerts war dann die weitgehend düstere vierte Symphonie von Louis Vierne. Am Vorabend des ersten Weltkriegs scheint sie viel des Leids vorwegzunehmen, daß die Welt aber auch der Komponist persönlich würde erleben müssen.

Im Prélude beeindruckt die ewige Melodie die erst tastend, dann zunehmend bohrend Fragen stellt, während die Antworten beharrlich ausbleiben. Da ahnt man, was Verzweiflung ist. Gepreßt, gehetzt, gejagt - so kommt das Allegro daher und es nimmt geradezu Wunder, daß am Ende noch ein G-Dur-Akkord steht. Hätte da nicht etwas „Schräges“ sein müssen? Etwas gnädiger dann das Menuett, eine kurze Erholung vielleicht. Die tief gefühlige Romance gehört sicher zu den besten ihrer Art, im Mittelteil wird dann die ewige Melodie des Prélude wiederaufgenommen, So wird denn auch die Pomance Teil der bedrückenden Atmosphäre insgesamt, der dann auch das Final verhaftet bleibt.

Roß machte das alles souverän. Dabei setzte er auf schlanke Bässe, damit oben nichts zugedeckt wurde. Überhaupt war die Registrierung durchdacht und nie zu dick. Roß vertraute zu Recht auf die Qualität der Einzelstimmen. Auch Tempi und Agogik ließen nichts zu wünschen übrig. Kurz: Es war ein phantastisches Konzert. Zugabe: Vermutlich ein Harmoniumstück von Franck.

Hörer und Spieler waren gleichermaßen begeistert: So kam es nach dem Konzert noch zu anregenden Gesprächen mit dem überaus sympatischen Künstler. Man ging beseelt von dannen.

Gruß Clemens Schäfer

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