Marcel Andreas Ober in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Marcel Andreas Ober in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 27. April 2017, 13:09

Hallo Forum,

Dreizehn Jahre steht nun schon die Sauer-Orgel der Auferstehungskirche in Düsseldorf-Oberkassel. Und sie hat sich in zahlreichen Konzerten bestens bewährt. Das ist auch dem rührigen Kantor Thorsten Göbel zu verdanken, der jedes Jahr im „Orgelfrühling“ höchst anspruchsvolle Programme mit bestens versierten Spielern bietet. So begann gestern, 26.04.2017 also der 13. Orgelfrühling. Und der ist dem Andenken Louis Viernes gewidmet, der in diesem Jahr 80 Jahre tot ist. Göbel skizzierte Viernes Lebenslauf mit all’ seinen dramatischen und tragischen Facetten und versprach den Hörern für das erste Konzert einen repräsentativen Querschnitt von dessen Schaffen. Dies zu besorgen, war Aufgabe von Marcel Andreas Ober, Kantor der Kirche St. Lambertus in der Düsseldorfer Altstadt und sowohl als Spieler, Preisträger von Wettbewerben und Veranstalter von Konzerten wohl erfahren.

Kräftig, ja, sehr kräftig legte Ober los: Das „Carillon de Longpont“ aus den 24 Pièces en style libre Op. 31 No. 21 kam mit voller Wucht. Nach dem ersten Erschrecken wirkte das aber durchaus plausibel: Ein mächtiges Geläut.

Mit der „Arabesque“ (ebenda No. 16) dann ein ein ganz anderer Vierne, zart und filigran, romantisch verklärt und lyrisch.

„Naïades“ aus den Pièces de Fantaisie, 4. Suite Op. 55 No. 4 bot quirliges Treiben, sehr fein ausgeführt.

Und nun stand das große Stück des Abends an: Die Fünfte Symphonie a-moll OP. 47 von 1923/24. Die leichtfüßigen Naïaden wurden vom tieftraurigen Grave abgelöst. Ein wunderbarer Kontrast, zumal Ober nur kurze Pausen zwischen den Stücken machte. An die Grenze der Zerrissenheit führte Ober dann das Allegro molto marcato (die Vorschrift also voll auskostend). Das artifiziell bizarre Scherzo (Totentanz ähnlich) ließ die Hörer eher erschaudern als erheitern. Ganz tief empfunden dann das Larghetto, wo Vierne seine Affinität zu Wagner Harmonik ebenso wenig verleugnen kann wie die zur Idee der ewig fortschreitenden Melodie. Ober hatte den langen Atem und gestaltete großartig. Schön, daß das Final (eine Mischung aus Carillon und Toccata?) auch erhebliches musikalisches Gewicht besitzt und nicht nur vom Effekt lebt. Es war eine Lust, die Pedalstimme zu verfolgen.

Klanglich hat Ober alles richtig gemacht; bestens vorbereitet waren die Registerkombinationen, stimmig die Stimmungswechsel, überzeugend auch überall die Wahl der Tempi. Und da auch die reine Spieltechnik nichts vermissen ließ, war dies ein wahrhaft großartiges Konzert, das sofort berechtigte Bravi hervorrief, was in einer Kirche ja eher selten ist. Rund 80 Hörer waren sich der Bedeutung des Augenblicks bewußt. Ober bedankte sich mit „Berceuse“ Op. 31 No. 7. Sein vier Monate altes Baby, nach dem Konzert von der Mutter in die Kirche getragen, war aber nicht eingeschlafen. Es schaute verwundert in diese staunenswerte Welt.

Gruß Clemens Schäfer

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