Prof. Dr. Bretschneider, Prof. Milan Sladek in St. Antonius

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Clemens Schäfer
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Prof. Dr. Bretschneider, Prof. Milan Sladek in St. Antonius

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 4. April 2017, 18:17

Hallo Form,

am 02.04.2017 gab es in St. Antonius, D-Oberkassel, eine Aufführung des Kreuzwegs von Marcel Dupré. Es gab den Orgelpart, die Zwischentexte und Pantomime. Auf den Stufen zum Altarraum war ein Podest für den Pantomimen aufgestellt. Prof. Milan Sladek trat hier mit weiß geschminktem Gesicht und weißem Umhang über ansonsten schwarzer Kleidung auf. Scheinwerfer tauchten das Podest in weißes und blaues Licht. Die Texte kamen vom Band und wurden über die Lautsprecheranlage der Kirche eingespielt. Der hallige Raum ist da etwas problematisch; die Texte bleiben aber verständlich. Als Sprecher wollten einige Hörer einen evangelischen Pfarrer wiedererkannt haben. Die Musik kam von der Mühleisen-Orgel, es spielte Msgr. Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider.

Zur Kunst der Pantomime kann ich nichts sagen; dies Kunstform ist mir recht fremd. Nicht Schauspiel, nicht Tanz, sehr abstrakt und anonym (weißes Gesicht!) bleibt mir Pantomime rätselhaft. Daher empfand ich diese auch eher als Ablenkung von der Musik denn als Bereicherung.

Die Texte stammten weder von Claudel noch von Jens; sie waren ein Evangelienauszug mit exegetischen Passagen.

Bleibt die Musik. Und die hat es in sich. Hören konnte ich das Werk schon mehrere Male live. Besonders in Erinnerung ist dabei eine Aufführung von Ben van Oosten in St. Lambertus. Das leitmotivisch angelegte Stück bietet eine Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten, die beim Einregistrieren im Vorhinein ausgetüftelt sein wollen. All’ das hatte Bretschneider bestens vorbereitet. Er brauchte sich nur noch an die Konsole setzen und spielen. Und so wurde auch diesmal der Zyklus zu einem großen, tiefen Erlebnis. Die Orgel bot alles, was hier vonnöten ist.

Besonders klug war der Einfall, in den Schlußakkord (E-Dur) die gleichnamige Glocke läuten zu lassen. Die war im Innern der Kirche gerade so laut, daß man eine zusätzliche Klangquelle vermutete. Als Bretschneider dann geendet hatte, trat die Glocke solistisch in Erscheinung - und läutete langsam aus. Das hatte den sehr erwünschten Nebeneffekt, daß spontaner Beifall nach dem beseeligenden Schluß ausblieb. Veranstalter sollten da mal einen Blick in ihren Glockenturm werfen.

Nachdem die Glocke verstummt war, kam Sladek, der zum Ende des Stücks sein Podest verlassen und durch den Mittelgang zum Ausgang geschritten war, zurück. Jetzt brandete der Beifall auf.

Am Ende stand eine kleine Gruppe um den Spieltisch in der Vierung; Bretschneider gab bereitwillig Erklärungen ab, zeigte Stellen in den Noten, Bezüge zu Bach (Matthäus-Passion e-moll) und Wagner (Erlösungstonart E-Dur Parsifal), und berichtete, daß er erstmals durch eine Rundfunksendung an Ostern 1954 von dem Werk Kenntnis erlangt habe. Noch am Osterdienstag habe er die Noten bestellt und dann lange warten müssen. Aber seither beschäftigt er sich mit dieser Musik, in der viel Theologie stecke.

Was war schuld am vergleichsweise geringen Besuch? Ich habe kaum 60 Personen gezählt. Sonst war es bisher immer voller gewesen. Strahlendes Sonnenwetter? Das Sujet? Kostenpflichtiger Eintritt (15€)? Nun ja, die Sonntagsorgel in St. Andreas lief gleichzeitig und im südlichen Stadtteil Benrath spielte Ulrich Karg auch ein veritables Programm mit Bach, Franck u.a.

Gruß Clemens Schäfer

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