Markus Hinz in St. Antonius, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Markus Hinz in St. Antonius, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 21. Februar 2017, 14:01

Hallo Forum,

satte Klänge, saubere, starke Bässe erfüllten die große Kirche St. Antonius zu Düsseldorf-Oberkassel, Zuvor jene eindrucksvoll pp-Passage, streichend aus der Chororgel, mit kaum wahrnehmbaren Crescendo in den krönenden Abschluß führend. Das war das Ende eines Konzerts mit Markus Hinz: Liszt BACH. Tempo und Agogik, Klangcharakteristik bestens getroffen, Klarheit in den fugierten Abschnitten. Eine sehr schöne Wiedergabe.

Litanei war das Thema dieses Konzerts. Und an BACH-Wiederholungen mangelt es beim Liszt gewiß nicht. Begonnen hatte Hinz mit einer anderen Litanei; der von Marcel Dupré. Cortège wurde streichend auf der Emporenorgel dargestellt, Litanie sprudelnd auf der Chororgel. Beides zusammen dann in großer Steigerung: Wahrhaft ein toller Prozessionszug.

Zum zweiten Hauptwerk des Abends (neben Liszt) avancierte dann unversehens das zweite Stück des Konzerts: Jan Welmers (*1937). Wiederholung, davon lebt im Wesentlichen die minimal-music. Und dieses Wesensmerkmal eignet sich natürlich vorzüglich für den Litanei-Typus. So wurde „Litane“ zu einem großen Erlebnis; freilich mußte man sich über 16 Minuten konzentriert auf die sparsamen und doch spannenden Entwicklungen einlassen. Wer das tat, wurde reich belohnt. Eine ständig wiederholte, „vibrierende“ Kurzfigur wurde angereichert, entreichert und gesteigert, Dann clusterhafte Passagen mit großem Aufbäumen, ersterbender Abgesang. Hinz hielt das wunderbar durch (da darf man sicher nicht verkrampfen!). Klanglich waren die Schattierungen und Steigerungen vom Feinsten; auch im ff kein rohes Gebrüll. Verdienter Zwischenapplaus.

In klassischen Bahnen fühlte man sich dann wieder bei Alains „Litanies“. Auch wenn Hinz noch Energie für das Folgende aufsparte, war das eine packende Wiedergabe.

Nach Alain und vor Liszt spielte Hinz dann drei eigene Kompositionen, alle als Uraufführung. Das waren eher Kurze Nummern mit dem Zweck, die technischen Möglichkeiten dieses auch elektronischen Wunderwerks vorzuführen. Dabei kamen allerdings musikalische Dichte und Klangsinn keinesfalls zu kurz, so daß man gerne und oft überrascht zuhörte. Das erste Stück hieß „Pattern mit verschiedenen Echos“. Durch die Echofunktion füllten sich die Klänge immer weiter auf.

Das zweite Stück umfaßte „Sieben Miniaturen“ Mit „Akkordwechselspiel“, „Pulsierenden Flächen“, „Sforzato“ (Beim Anspielen eines Tons erfolgt kurzzeitig ein vordefinierter Akkord, der Ton bleibt liegen), „chipping organ“ (Durch das Drücken einer Taste wird ein Rhythmus hervorgerufen, Hommage an Steve Reichs Chipping music), „Sternenpolyphonie“ (Aliqotregister über Delay (?)), „Für Gerhard“ (den Erbauer der Register Marimba, Vibraphon und Carillon; schöne, nicht aufdringliche, klangsinnliche Schlagzeugeffekte), und „Alans Nachklang“ (eine populäre Weise; es ging um die mir unbekannte Progressiv Rockband Alan Parson Projekt).

Das dritte Stück schließlich bot einen vierstimmigen Kanon, der nur einmal gespielt werden mußte. Sehr klangschön auch die ostinate Begleitung streichend aus der Chororgel.

Immer war spürbar, daß Hinz diese Möglichkeiten inspirieren. Alle diese Stücke machten Lust auf mehr. Regelrechte Appetitanreger also. Auch hier dankbarer Zwischenapplaus.

Und dann der fulminante Abschluß des Konzerts mit Liszt. Die rund 80 Hörer spendeten anhaltend Beifall. Ein sehr guter Abend.

Gruß Clemens Schäfer

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