Minimalorgel

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Organiste Cantabile
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Minimalorgel

Beitrag von Organiste Cantabile » Samstag 11. Februar 2017, 11:03

Liebe Organisten,

gestern durfte ich in einer kleinen Gemeinde eine ebenso kleine Orgel spielen, einmanualig mit angehängtem Pedal, Gehäuse und Spielwerk durchaus solide gefertigt, Disposition des Manuals Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Quinte 1 1/3', Scharf 3fach, Pedal Subbass 16' und Manualkoppel, geteilte Register im Manual, Teilpunkt C 1.

Ich habe versucht, der Orgel dem Ohr angenehme Klänge zu entlocken und auch triomäßig zu spielen, allein, die Schleifladenteilung führte immer wieder dazu, dass die Nebenstimmen über die C-Teilung hinausgingen und somit das triomäßige Spiel verunreinigten.

Zudem klang der 2' so penetrant, in der Mittellage war die Ansprache dermaßen überluftet und spät ansprechend, dass es nicht wirklich Spaß machte, auf der Orgel zu spielen.

Die Pastorin meinte, sie hätten ein hübsches kleines Örgelchen. Ich sagte, sie sei zu laut intoniert, sie sagte, dann spielen Sie leiser. :oops:

Wie sind Eure Erfahrungen mit Kleinorgeln?

kernspalter
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Re: Minimalorgel

Beitrag von kernspalter » Samstag 11. Februar 2017, 13:04

Bei kleinen Orgeln (oder größeren Orgeln mit Brustwerk) hat man oft das Problem, daß die Pfeifen nahezu in Kopfhöhe des Organisten stehen und ihm aus nächster Nähe direkt anschreien. Sobald man sich von der Orgel auch nur zwei Meter entfernt, ist der Klang schon viel angenehmer. Von der Orgelbank kommt einem alles als "zu laut intoniert" vor, im Raum kann es trotzdem noch zu leise sein.

Zu spät ansprechende Pfeifen deuten allerdings auf technische Mängel oder - in diesem Fall wohl eher - auf Mängel in der Intonation hin.

Triospiel ist bei diesem Orgeltyp nur eingeschränkt möglich. Die linke Hand kann mit 4' oktavieren, die rechte Hand mit 8' in Normallage spielen. Das Pedal hat dann nur den Subbaß 16' und sonst nichts, das klingt selten befriedigend.

Beim eigentlichen Trio gibt es allerdings keine "Nebenstimmen", sondern drei (gleichberechtigte) Stimmen. Sollte es um Begleitstimmen für ein Solo der rechten Hand gehen, würde ich aber ebenfalls den 4' im Baß nehmen. Die Pedalkoppel kann man dann mitlaufen lassen.
Mit kernspalterischen Grüßen

Organiste Cantabile
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Re: Minimalorgel

Beitrag von Organiste Cantabile » Samstag 11. Februar 2017, 13:47

Das meinte ich ja. Die Orgel ist sehr schlecht intoniert, was besonders bei der Koppel des Manuals auf das Pedal auffällt.

kernspalter
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Re: Minimalorgel

Beitrag von kernspalter » Samstag 11. Februar 2017, 22:37

Wie wirkt sich die schlechte Intonation bei Benutzung der Pedalkoppel aus?
Mit kernspalterischen Grüßen

Dorforganistin
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Re: Minimalorgel

Beitrag von Dorforganistin » Montag 13. Februar 2017, 08:38

Kleinorgel?
Meine "Hauptorgel" ist kleiner. :wink:
Ich habe ein Manual, 8' Gedackt, 8' Salicional, 4' Prinzipal, 4' Flöte und fürs angehängte Pedal noch den 16' Subbass.
Für die kleine Kirche (ca. 100 Sitzplätze) und den üblichen Gottesdienstbesuch (ca. ein Dutzend Personen) durchaus ausreichend.
Triospiel ist natürlich nur äußerst eingeschränkt möglich, aber es gibt so viel geeignete Literatur, dass mir bisher noch nicht langweilig wurde.

Ob "zu laut" oder "zu leise" muss man sich tatsächlich mal von unten anhören, oben am Spieltisch klingt es halt anders.

Aber gerade bei kleineren Orgeln, die nicht oft von geübten Organisten gespielt werden, erlebe ich es häufig, dass technische Mängel über längere Zeit unentdeckt und/oder unbehoben bleiben. Bei uns bin ich leider auch die einzige, die im Orgelbuch Notizen für den Orgelbauer macht und sich darum kümmern, dass der auch mal außer der Reihe kommt, um etwas zu reparieren.

Spielst Du denn öfter dort? Wenn ja, würde ich mal schauen, ob es die Möglichkeit gibt, den Orgelbauer kommen zu lassen bzw. bei der nächsten turnusmäßigen Stimmung dabei zu sein. Und der Pastorin würde ich sagen, dass ihre hübsche Orgel noch hübscher sein könnte. :wink:

Ich habe letztes Jahr ein paar Mal auf einer Orgel gespielt, die fürs Hauptwerk neben einem 8' und einem 4' noch eine 2 2/3' Quinte und 2' Oktav hatte - kaum zu gebrauchen, da sehr schrill. Auf dem Oberwerk noch eine 2' Waldflöte, die war recht hübsch, und eine 1' Sifflöte, unbrauchbar.
Warum man das so gemacht hat anstatt im 8' oder 4' Bereich noch etwas mit Substanz hinzuzunehmen, keine Ahnung. Aber wenn man das vorher ausprobieren kann, muss man die Gemeinde (und sich selbst) ja nicht erschrecken :D

olds
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Re: Minimalorgel

Beitrag von olds » Donnerstag 23. November 2017, 17:32

Gestern nach dem Gottesdienst zum Buß- und Bettag (ich wildere mal wieder in protestantischen Gefilden) hatte ich ein kurzes Gespräch über die Orgel dort. Daraus entstand eine provokante These.

Die Kirche verfügt über ein Positiv 8', 4', 2', 1', Pedal angehängt. Der Gesprächspartner - dort in der Gemeinde aktiv - bemängelte (mal wieder), dass die Orgel den Raum nicht fülle. Man würde sie hören, sie könne den Gesang tragen, das wäre es aber schon.

Daraus entstand dann der gemeinsame Gedanke, dass eine Kleinorgel mit der Disposition halt eine gewisse Lautstärke bringt, sonst aber nichts. Und damit dem Orgelbauer die Möglichkeit gibt, kostengünstig zu bleiben. So frei nach dem Motto "Kunde was willst Du denn, an jedem Punkt in der Kirche hörst Du doch die Orgel!"

Was kleinere Orgeln angeht, bin ich Dank meinem Hauptinstrument ja doch recht stark "romantisch" geworden. Wenn ich mir eine zu gestern entsprechende Orgel bauen lassen dürfte, gingt das wahrscheinlich in diese Richtung:

8' Flöte
8' Streicher
4' Flöte
2' Flöte

Subbass.

Aber und das war dann der Gedanke gestern, dann müsste sich der Orgelbauer ja Gedanken machen?

Ronald Henrici
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Re: Minimalorgel

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 23. November 2017, 20:13

Bei der Kleinorgel mit Schleifenteilung gibt es durchaus Möglichkeiten, im Triospiel zu agieren, wenn man sinnvoll die Stimmen entweder um Oktave nach oben oder nach unten spielt und so z.B. aus dem 2 Fuß theoretisch einen 4 Fuß macht, oder oben aus dem 8 Fuß einen 4 Fuß macht.
Gewiß, wenn die Kleinorgel gut intoniert ist, dann läßt sich viel mit Oktavversetzungen erreichhen. Ich habe z.B. in einer Kirche außer der 17 Register Orgel eine Kleinorgel mir 4 Registen und Schleifenteilung bei c (Disposition: Gedeckt 8, Rohrflöte 4, Oktave 2, Sifflöte 1 1/3). Es macht oft viel Freude am Spiel, wenn ich li ke Hand und rechte Hand mit nichtüblicher Registerziehung und Oktavversetzung einen herrlichen und von der Gemeinde angenommenen Klang erzeuge.
Außerdem klingt eine Kleinorgel in etwas größerer Entfernung generell annehmlicher als direkt vor dem Spieler. das ist schon eine Tatsache lngjährigem Tuns mit Kleinorgeln.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

kernspalter
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Re: Minimalorgel

Beitrag von kernspalter » Freitag 24. November 2017, 07:44

olds hat geschrieben:
Donnerstag 23. November 2017, 17:32
Was kleinere Orgeln angeht, bin ich Dank meinem Hauptinstrument ja doch recht stark "romantisch" geworden. Wenn ich mir eine zu gestern entsprechende Orgel bauen lassen dürfte, gingt das wahrscheinlich in diese Richtung:

8' Flöte
8' Streicher
4' Flöte
2' Flöte

Subbass.
Eine streicherbetonte Variante steht in Herbsthausen:

Gedeckt 8'
Salicional 8'
Dolce 4'
Fugara 2'

Violonbaß 16'

http://www.walcker.com/opus/0001_0999/0 ... salon.html
Mit kernspalterischen Grüßen

Voceumana
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Re: Minimalorgel

Beitrag von Voceumana » Freitag 24. November 2017, 15:08

Ein wesentliches Problem beim Triospiel auf einmanualigen Kleinorgeln mit geteilten Schleifen besteht darin, dass oft nur der Subbass disponiert ist. Allein ist er zu schwach und zu tief, koppeln sollte ode kann man nicht, weil sonst die Idee des Trios mit drei eigenständigen Stimmen ad absurdum geführt wird.

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