Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Stadtmitte

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Clemens Schäfer
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Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Stadtmitte

Beitrag von Clemens Schäfer » Samstag 12. November 2016, 17:35

Hallo Forum,

freitags um sieben, da gibt es in der Johanneskirche immer ein musikalisches Programm. Mal ein Evensong, dann Kammermusik. Gestern spielte Wolfgang Abendroth ein Orgelkonzert. Und wie immer hatte er kluge Ideen zur Programmfolge. „Trauer und Trost“ war das Konzert überschrieben.

Es begann mit Pärt: Pari intervallo. Vermeintlich einfach gestrickt (zweistimmig) war das Stück mit immer gleichbleibenden Intervallen doch für viele Wendungen und Überraschungen gut. Da hörte man interessiert zu.

Dann Bach: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir. BWV 686. Sechsstimmig. Intensiv, überaus kunstvoll. Danach das herrliche, tröstliche „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 643.

Nun folgte Mendelssohns dritte Sonate, deren erster Satz „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ (Ruf aus der zweiten Symphonie Lobgesang) und „Aus tiefer Not...“ enthält, während das Andante tranquillo tröstlich ist.

Mit Regers Invocation (zweiter Satz der zweiten Sonate d-moll op. 60) ging es weiter. Sehr schön die Reger’sche Tonsprache.

Mit Liszts „Weinen, Klagen...“ folgte nun der Höhepunkt. So intensiv, so traurig und so zuversichtlich am Ende, hört man das selten. Man wartete dringend auf den erlösenden Choral, vorher wurde es fast unerträglich leidend. Das gestaltete Abendroth wirklich mit Herzblut.

Es war noch nicht das Ende. Mozart geht immer noch, dachte sich Abendroth und entließ die nur 30 Hörer mit dem tröstlichen zweiten Satz aus dem Klarinettenkonzert KV 622.. Ohne Klarinette in der Orgel ist das natürlich mutig. Tiefe Musik bleibt es trotzdem.

Herzlicher Beifall, mehrere Vorhänge.

Gruß Clemens Schäfer

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