Zwei KOnzerte im Freiburger Münster

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Clemens Schäfer
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Zwei KOnzerte im Freiburger Münster

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 20. September 2016, 18:50

Freiburg, zwei Konzerte

Hallo Forum,

Geradehatte ich hatte das Glück, zwei Konzerte im Freiburger Münster mitzuerleben: Am Dienstag spielte um 20:15h Stefan Engels (Dallas), am Sonnabend um 11:30h Jörg Josef Schwab (seit 10/2013 Münsterorganist). Ich hatte gehört, daß schon 45 Minuten vor Beginn der Münsterkonzerte lange Schlagen an der Abendkasse zu beobachten wären. Also kaufte ich meine Eintrittskarte (Rentner kommen für schlappe EUR 6,00 hinein) im Vorverkauf. Und dann war ich am Dienstag 30 Minuten vor Beginn da. In der Kirche saßen freilich schon jede Menge Menschen - leicht konzentriert im Bereich der Kanzel. So konnte man gut sehen, wo man wohl am besten würde hören können. Also nahm ich auch dort Platz. Den Spieltisch verdeckte zwar die Kanzel (Weiter zur Mitte waren die Plätze schon belegt), die Entfernung zu Rieger und Metzler war aber ungefähr gleich, das Schwalbennest hing direkt hinter mir an der gegenüberliegenden Wand. Für die Chororgel mußte ich allerdings um die Ecke hören. Bis zum Beginn füllte sich das Münster vollständig - incl. der Seitenschiffe.

Engels hatte ein herrliches, kluges Programm. Es gab Reger und Karg-Elert. Aus den Monologen op. 63 von Reger gab es zu Beginn Präludium c-moll und Fuge C-Dur (Nr. 1 + 2). Ein wenig Einhören war nötig. Von wo kam der Klang? Egal! Was Engels da spielte, war überzeugend, klar und durchhörbar, ernsthaft aber nicht belehrend.

Dann der Nebel über dem Bodensee (Nr. 2 aus op. 96) von Karg-Elert. Perfekter Impressionismus, schillernd, überraschende Farb- und Stimmungswechsel. Ganz tolle Musik, bestens gemacht.

Es folgten zwei „Ave Maria“. Zuerst Reger: Nr. 7 aus op. 63. Dann Karg-Elert, Nr. 2 aus op. 106 (Cathedral Windows). Erstaunlich unterschiedlich. Reger viel ernster, geradezu „korrekter“, Karg-Elert verspielt, ja sprudelnd. Herrlich, wie Engels in der Chororgel ein kleines Feuerchen entfachte, die Flammen an die Riegerin weiterreichte, das Schwalbennest entzündete und dann Metzler abfackelte. Zum Glück nur in diesem Versuch, die Wirkung zu beschreiben! Dafür hat Karg-Elert die richtige Musik. Effekte, die (sparsam eingesetzt!) ungemein wirkungsvoll sind.

Von Reger gab es danach den Dankpsalm op. 145 Nr. 2 (Sieben Orgelstücke) und von Karg-Elert „Lobe den Herren, den mächtigen König“ op. 65 Nr. 58 (aus. 66 Choral-Improvisationen). Den Abschluß des Konzerts bildeten Tokkata e-moll und Fuge e-moll, Nr. 9 + 10 aus op. 63 von Reger. Ein wahrhaft nahrhafter Abend mit vielen Zutaten: Kontrapunktik, herrliche Soloregister, Klangteppiche von feinster Webart (Seidenvorhänge!), aber auch kraftvolles Forte. Niemals aber Brüllen, Gewalt oder Brutalität. Das hat man bei diesen Möglichkeiten einfach nicht nötig.

Der Sitzplatz erwies sich als goldrichtig, die Schallaufzeiten traten nicht störend in Erscheinung, zumal die Chororgel meist nur als Echo eingesetzt wurde (in einzelnen Echos fast unhörbar, was vielleicht aber an meinen Ohren liegt). Ein großer Abend. Beseelt ging ich von dannen.

Am Samstag gab es dann im Münster um 11:30h die Orgelmusik zur Marktzeit. Zuvor ging es in der Kirche zu wie in einer Bahnhofshalle: Riesiger Betrieb und (gar nicht leise) Unterhaltung allerorten, darunter mehrere Führungen in unterschiedlichen Sprachen. Ein wildes Getümmel. Wie sollte da ein Konzert zu annehmbaren Bedingungen stattfinden?

Nun, in Freiburg hat man offenbar Erfahrung und Übung darin. Kurz vor Beginn trat tatsächlich Ruhe ein, ein jeder hatte einen Platz gefunden. Wieder war das Münster voll besetzt. Und alle hörten aufmerksam zu.

Wieder saß ich in Kanzelnähe; diesmal so weit mittig, daß ich den Spieler sehen konnte. Es war Jörg Josef Schwab, der Münsterorganist höchstselbst, der sich nicht zu schade war, zuvor noch selbst Flyer verteilt zu haben. Der spielte nun - wohl an der Chororgel - zunächst Buxtehude Praeludium a-moll BuxWV 153, stilsicher und schlackenfrei. Von Bach gab es „Herr Gott, nun schleuss den Himmel auf“ (Orgelbüchlein) und das Praeludium aus BWV 543. Auch das mit Maß und Übersicht.

Danach folgte eine stilkopierende Improvisation: Es war ein französisch romantisches Scherzo à la Widor. Und zum Schluß drehte Schwab mit „Tuba Tune“ von Norman Cocker (1889-1953) voll auf und demonstrierte die wohlklingende Kraft vor allem der Michaelsorgel.

Großer Beifall, kurze Pause für das Mittagsgeläut. Zahlreiche Besucher verließen die Kirche. Um 12:05h begann dann die „Mittagsbesinnung“. Eine Ordensfrau berichtete über Hildegard von Bingen und deren Einfluß und Wirkung von damals bis heute. Eingerahmt wurde dies durch Orgelmusik: An der Konsole saß jetzt diese Dame, die ich von meinem Platz aus nur unzulänglich im Bild einfangen konnte. Das Eingangsstück schien barocken, die Abschlußmusik war ein Vollbad in Streichern der Michaelsorgel - ganz herrlich.

Gruß Clemens Schäfer

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