Oskar Gottlieb Blarr in der Neanderkirche, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Oskar Gottlieb Blarr in der Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 1. September 2016, 13:02

Hallo Forum,

9. Sommerliches Orgelkonzert in der Neanderkirche zu Düsseldorf. KMD Prof. Oskar Gottlieb
Blarr hatte hier als Neanderkantor von 1965 bis 1999 amtiert. Jetzt war der Begründer dieser über
50-jährigen Konzertreihe wieder als Spieler vor Ort.

Ganz zart, fragend, in tempo di largo begann Blarr das Praeludium A-Dur (BWV 536), erst als der
Orgelpunkt einsetzt, kam Fahrt auf. Im weiteren Verlauf zahlreiche kleine, innehaltende wie
fragende, letztlich aber betonende Ritardandi. Die Fuge naturgemäß weniger frei, also gleichmäßig
laufend dargestellt.

Wie gut man Reger an dieser Orgel spielen kann, bewies Blarr mit “Benedictus” (Nr. 9) und
“Toccata d-moll” (Nr. 5) aus op. 59. Wer sollte die Orgel kennen, wenn nicht er? Die großen
Forte-Stellen kämen auf einer romantischen Orgel gewiß weicher, dennoch waren dies
mustergültige Interpretationen, die sofort in Bann schlugen.

Weiter ging es mit Regers Zeitgenossen Feliks Nowowiejski (1873-1946): “Adoremus” (op. 31 Nr.
2) und “Friede, schönstes Wort der Erde” (op. 31 Nr. 5) waren klangschöne, raffinierte
Kompositionen. Blarr wußte sie bestens zu präsentieren.

Dann ein herber Umschwung: Siegfried Reda. Blarr wollte vier Titel aus dem Choral-Spielbuch
1946) spielen und begann mit “Aus meines Herzens Grunde”, es folgte “Aus tiefer Not”: Im ersten
Augenblick glaubte man musikhistorisch zurückgeworfen zu sein: Das klang nach Troubadour und
Renaissance. Vereinzelte harmonische Schärfen erinnerten aber dann doch: Wir waren im 20.
Jahrhundert. Selten zu hörende, stark zuückgenommene Expressivität. - Dann geschah ein kleines
Mißgeschick;: Beim Notenwechsel segelten ein paar Blätter nach unten in die Kirche: Der restliche
Reda blieb leider ungehört. Angesichts der aufgebauten Erwartung schon fast unerhört!

Blarr (*1934) ließ sich jedoch nicht beirren und ging weiter im Programm. Eigene Kompositionen,
“Concerto für Lutz (Something like a Blues) und die Erstaufführung eines “Albumblattes für Anatol
und Erdmute Herzfeld” folgten. Wenn ich die Erläuterungen vor dem Konzert (Sebastian Klein
begrüßte die Hörer, darunter auch den Künstler Anatol (*1931)), richtig verstanden habe, gehört
“Lutz” zum Kreis der Musiker um Klaus Doldinger.

Abschließend gab es die Sonnenhymnus-Passacaglia in E-Dur von Max Drischner (1891-1971). Ein
zweifellos gut gearbeitetes Stück mit vielen Einfällen (so wird die ostinate Baßlinie erst in der
Mitte solistisch gebracht) . Musikhistorisch war Drischner seiner Zeit aber deutlich hinterher: Er ist
wohl am ehesten mit Rheinberger vergleichbar. Sei’s drum: Blarr kostete die Variationen zu einer
kleinen Orgeldemonstration aus und bewies einmal mehr Klangsinn mit Registrierungskunst.

Großer Beifall des vollen Hauses. Zugabe: Jazzige Bearbeitung von “Lobe den Herrn”. Ein schönes
Konzert. Und Freude darüber, daß Blarr auch im fortgeschrittenen Alter über wachen Geist und
gehorsame Finger verfügt. Respekt!

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Während des Konzertes spielte Blarr ohne seinen breitkrempigen schwarzen Hut. Nachher, im
Brauhaus nebenan, hatte er ihn aber wieder auf.

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