Jósef Kotowicz in der Neanderkirche, D-Altstadt

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Antworten
Clemens Schäfer
Beiträge: 163
Registriert: Samstag 16. November 2013, 19:31
Wohnort: Düsseldorf

Jósef Kotowicz in der Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 11. August 2016, 13:43

Hallo Forum,

im sechsten “Sommerlichen” spielte Jósef Kotowicz, Konzertorganist und Dozent an der
Chopin-Universität Bialystok, Polen.

Aus seiner Heimat hatte er Kompositionen von Mieczyslaw Surzynski (1886-1924) und Wladyslaw
Zelenski mitgebracht. Außerdem gab es Musik von Stefan Lindblad (*1958) und Max Reger.

Zu Beginn Surzynski: Improvisationen über den polnischen Choral “Heiliger Gott”. Das war eine
klangschöne, spätromantische Variationenfolge. Kotowicz hatte sich mit der Orgel offenbar gut
vertraut gemacht. Unter seinen Händen schien das Werk wieder vollständig zu sein. Auch die
einsame Pfeife aus der Kirchenecke hatte in die Orgel zurückgefunden.

Sehr kurz, fast wie ein Choralvorspiel war dann das liedhafte, ebenfalls konventionell harmonische
Präludium A-Dur von Zelenski.

Die Komposition des Schweden Lindblad erwies sich als eklektizistisch, wenig modern. Sie
bediente sich stilistisch bestenfalls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Das Ganze wirkte
unentschlossen. Immer wieder wurden Themen angerissen, Motive geboten - aber zu einer
spürbaren Verarbeitung führte das nicht. Die Ouvertüre war kurz, das Capriccio (sehr sprunghaft)
mit ruhigem Trio, das Interludium ruhig mit bewegten Einsprengseln und die Toccata nach
französischer Manier. Vor 100 Jahren war das noch neu und aufregend. Aber muß man das heute
noch mal schreiben?

Beim googlen nach dem Namen Lindblad stieß ich auf diese Besprechung des offenbar gleichen
Programms in der Neuss-Grevenbroicher-Zeitung. Dort finden sich auch interessante Hinweise zur
Restaurierung der Orgel im Neusser Quirinusmünster.
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neu ... -1.6173943

Am Ende dann Reger, Fantasie und Fuge d-moll op. 135b. Hier bot Kotowicz eine sehr ordentliche
Vorstellung. Und auch die Orgel machte mit. Das klang alles rund, in den lyrischen Passagen auch
feinfühlig und zart. Gewiß: Dies ist kein romantisches Instrument. Aber das weiß man ja vorher.

Der Beifall in der wieder fast vollständig gefüllten Kirche war sofort da. Kotowicz bedankte sich
mit einem barocken Konzertsatz à la Vivaldi, schön abgesetzt zwischen Tutti und Trio über RP und
HW.

Gruß Clemens Schäfer

violdigamb
Beiträge: 33
Registriert: Montag 23. Februar 2015, 11:53

Re: Jósef Kotowicz in der Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von violdigamb » Donnerstag 11. August 2016, 21:50

Sehr geehrter Herr Schäfer,

was ich schon lange mal schreiben wollte: Es wäre fantastisch, wenn jede Stadt einen derart treuen und begeisterten Orgel-Chronisten wie Sie hätte. Glückliches Düsseldorf!

Herzlichst,

violdigamb

Antworten