Bachsche Triosonaten mit Ullrich Böhme (Kritik von R. Goede)

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Friedrich Sprondel
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Bachsche Triosonaten mit Ullrich Böhme (Kritik von R. Goede)

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 4. August 2016, 19:02

Eben habe ich die Besprechung von Ullrich Böhmes Aufnahme der Bach-Triosonaten gelesen, die Rainer Goede hier veröffentlicht hat. Ich fand sie lesenswert, weil wohlbegründet und offensichtlich mit dem Hintergrund eines ebenfalls denkenden Interpreten geschrieben; zudem ist sie ein unentgeltlicher Beitrag zu diesen Seiten.

Mit zwei Punkten allerdings habe ich meine Schwierigkeiten. Goede führt als einen Nachgedanken die Möglichkeit an, dass die Triosonaten auch als Stücke für Pedalclavichord vorgetragen werden könnten. Das stimmt sicher, schon im Sinn der durchlässigen Grenzen der Musik für clavierte Instrumente. Doch stimmt auch, dass die Stücke auf der Orgel ungleich dankbarer wirken, denn Stimmführung und Artikulation kommen konkurrenzlos klar zur Geltung. Dem Urteil Griepenkerls (hat der je ein Pedalclavichord gesehen oder gehört?), den Goede zitiert, ist insofern misstrauisch zu begegnen, als er es auch auf die Passacaglia bezieht – und die ist auf dem Pedalclavichord nun mal ein Schatten ihrer selbst, verglichen ihrer Darstellung auf der Orgel und den dabei aufscheinenden Klangwirkungen.

Der zweite Punkt betrifft die Idee, dass ein Kirchentrio ja aus zwei Violinen und Bass bestehe und deswegen zu überlegen sei, ob zwischen den Sätzen einer Triosonate die Registrierung überhaupt zu wechseln sei. Nun bin ich selber Geiger – und als solcher weiß ich, dass mein Instrument über unendliche Schattierungen an Klangfarbe und Lautstärke verfügt. Ein Largo würde ich immer, schon den technischen Möglichkeiten nach (der Bogen ist lang, aber endlich), anders spielen als ein Allegro, eine Courante anders als eine Gigue. Ein einziges Orgelregister oder eine einzige Mischung kann, bei aller Artikulationskunst, das nicht abbilden. (Das gleiche gilt übrigens vom Streichorchesterklang und Concertobearbeitungen: Ein Streicher-Ripieno kann brillant wie ein Plenum und verschattet wie eine einsame Rohrflöte 8' klingen.) Es kann sogar ein gegenteiliger Effekt auftreten, denn lange Töne und gebundene Linien wirken auf der Orgel oft durchdringender als lebhaft artikulierte Partien. Deswegen halte ich diese Überlegung, bei allem Respekt vor Intonateuren und Tastenmeistern wie Herrn Goede, für Unsinn.

Friedrich Sprondel

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Re: Bachsche Triosonaten mit Ullrich Böhme (Kritik von R. Go

Beitrag von Administrator » Mittwoch 17. August 2016, 15:38

Ich bitte zu entschuldigen, dass ich die Antwort von Herrn Goede, um die ich ihn bat, erst jetzt einstelle. Ich kam einfach nicht dazu.
Zu den zwei Punkten von Herrn Sprondel beziehe ich wie folgt Stellung:

1) Das klangliche Moment von Musik kann man von zwei Gesichtspunkten aus werten, nämlich der von konventionellen Hörgewohnheiten, wo nach die Orgel dem Clavichord jedenfalls überlegen ist, und der nüchternen Feststellung aufführungshistorischer Gegebenheiten, wonach Bach und seine Söhne in Leipzig halt über keine Orgel samt Calcanten verfügten. Beim Studium der Triosonaten etc. ging es dabei um satztechnische Fragen und spielerische Fertigkeiten, dazu braucht man jedenfalls keine Orgel. Interessant wäre in dem Zusammenhang, einmal die Geschichte der Spielpraxis der Triosonaten zu erfahren, das dürfte allerdings ein Forschungsvorhaben mit nur sehr eingeschränkten Erfolgsaussichten sein.

2) Hier unternimmt Herr Sprondel einen Instrumentenvergleich, aus seiner Sicht als Geiger sieht er dabei natürlich nur die Stärken der Streichinstrumente. Da bin ich mir zu schade, als Organist dagegen zu halten. Oder soll ich da schreiben, dass ich Orgelregister kenne, denen ich stundenlang zuhören kann, was mir bei Geigen nicht so recht gelingen will? Aufgabe ist es doch, eine Musik möglichst spannend darzustellen, den Zuhörer konzentriert zu fesseln, dabei kann allerdings ein Blick zur Seite auf ein anderes Instrument bestimmt nicht schaden. Physikalische Gegebenheiten von Instrumentenfamilien gegeneinander auszuspielen, ist schlichtweg „Unsinn“, ändern kann man da ja nichts. Insofern geht die Kritik von Herrn Sprondel an der Sache vorbei.

Ich freue mich, dass einmal auf eine Rezension eine Reaktion kam, die nun wiederum beantwortet wurde. Nur weiter so. :-)

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