Étienne Walhain in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Étienne Walhain in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 2. August 2016, 12:57

Hallo Forum,

erster Montag im Monat, 19:30h: Das ist der Konzerttakt in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt. Am
01.08.2016 spielte Ètienne Walhain aus Tournai (B). Daß dieser sechs Jahre bei Jean Guillou
studiert hat, machte er gleich in der eigenen Bearbeitung von Bachs Chromatischer Fantasie und
Fuge d-moll (BWV 903) deutlich. Bach-fremde Klangfarben allüberall, kühne Registerwechsel.
Mal cembalistisch hell, mal dunkelflötig, vor Romatik geradezu triefend. Die Fuge mit Klarinette.
War das etwa grauenvoll und abstoßend? Keineswegs! Es war anregend und spannend. Da folgte
man gerne, mitunter auch etwas amüsiert, denn das Ganze schien auch augenzwinkernd aus
gewissem Abstand musiziert.

An zweiter Stelle ein nicht näher bezeichnetes Concerto D-Dur von Vivaldi. Diesmal in einer
Version der Maitre Guillou selbst. Spritzig das Allegro. Im Larghetto zunächst wogende Arpeggien,
dann Hirtenoboen und -flöten über getupften Akkorden. Frisch wieder das Final-Allegro. So in
Szene gesetzt ließ sich auch ein Vivaldi hören.

Tiefer einsteigen mußte Walhain dann bei den zwei Choralvorspielen op. 122 Nr. 10 (Herzlich tut
mich verlangen) und 7 (O Gott, du frommer Gott) von Brahms. Dunkel getönt, ruhig im Duktus
kamen die Stücke stilgerecht daher.

Von César Franck gab es danach Final op. 21. Das Stück wurde raffiniert registriert. So spürte man
die bei zu robuster Angehensweise offenbar werdenden Plattheiten (etwas hart vielleicht, aber Final
ist gewiß nicht Francks stärkstes Stück) nicht. Das war geschickt und auch werkdienlich.

Final, aber nicht das Ende des Konzerts: Es kam noch Reger. Introduktion und Passacaglia d-moll
WoO IV/6. Großartig der Einstieg, die Riegerin legte sich mächtig ins Zeug. Dann ruhig im mf das
Thema, dezent begleitet durch ein silbriges Smartphone (*g*). Walhain kostete die
Variationenreihe gut aus und war für meinen Geschmack viel zu früh am Ende: Das hätte ruhig
noch länger so weiter gehen können. Aber Reger hat hier halt nicht mehr geschrieben.

Sofort herzlicher Beifall der rund 100 Hörer, erste Zugabe Tschaikowski (aus Nußknacker, Tanz
der Puppenfee?), zweite Zugabe vermutlich Improvisation (Stakkato-Wirbel). - Das ganze
Programm auswendig übrigens.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Montag, 05.09.2016, 19:30h, St. Lambertus: Jörg Nitschke (Essen) mit Bach und Franck (Trois
Chorals pour Grand Orgue)

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