Prof. Bernhard Haas in St. Antonius, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Prof. Bernhard Haas in St. Antonius, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Samstag 9. Juli 2016, 14:15

Hallo Forum,

es wurde ein Konzertabend mit Hindernissen. Gleich mehrfach schlug die Technik dem Interpreten
ein Schnippchen. Kaum hatte Prof. Bernhard Haas (München) an der Konsole Platz genommen (der
Spieltisch stand im Mittelgang des Langhauses), da meldete er schon “Störung”. Aus- und
Wiedereinschalten, kritisch wartende Blicke, Erleichterung: Es konnte los gehen. In der Fuge von
op. 135b dann erneut Verweigerung der Technik. Wieder das gleiche Procedere. Während danach
Bach störungsfrei gelang, setzte die Orgel bei Lacôte wieder aus. Noch mal Neustart und
Wiederholung der Musik vom Anfang. Als dann bei Liszt eine Posaune hängenblieb, warf Haas das
Handtuch. Diesem Fehler war auf die Schnelle offenbar nicht beizukommen. Peinlich für den
Veranstalter, ärgerlich für den Spieler, der freilich Fassung behielt und mit warmherzigem Beifall
der über 120 Besucher verabschiedet wurde.

So viel zur Technik, Mechaniker werden vielleicht feixen. Aber Fortschritt war immer auch
mühsam. Hoffen wir, daß die “Kinderkrankheiten” bald ausgestanden sind. Übrigens gab es auch
Musik zu hören:

Am Anfang stand also Regers op. 135b. Schön ruhig und wie aus dem Nichts begonnen, gestaltete
Hass den großen Brocken überlegen. Dabei kamen herrlichste Klangfarben ins Spiel. Einige Hörern
waren die Bässe zu stark - ich hatte damit keine Probleme, zumal das Fundament sauber und klar
begrenzt ist.

Das Choralvorspiel BWV 653 (An Wasserflüssen...) war mir etwas zu maniristisch registriert. Hier
wollte Haas offenbar viele unterschiedliche Stimmen vorstellen. Etwas schlichter hätte es
natürlicheren Fluß gegeben. Auch Praeludium und Fuge G-Dur BWV 541 gerieten mit recht
metallischer Registrierung ein wenig mechanistisch.

Großartig und sehr musikalisch war dagegen “Et l’unique cordeau des trompettes marines” (2006)
von Thomas Lacôte (*1982, Titulaire an St. Trinité, Paris). Dieses inzwischen ausgestorbene
Streichinstrument mit nur einer Saite soll wie eine Trompete geklungen haben. Diese Ambivalenz
war für den Komponisten wohl Anlaß, ähnliche Verwerfungen orgelmäßig darzustellen. Die
unfreiwillige Wiederholung fast des ganzen Stückes erwies sich hier als Glücksfall. So kam man
gleich zwei Mal in den Genuß superber Klangfarben, oft mit Interferenzen und Schwebeklängen.

Am Ende eröffnete Haas die Symphonische Dichtung “Prometheus” (Orgelbearbeitung Jean
Guillou) mit Verve. Das war große hochromantische Musik. Auch hier eine Schlußfuge, in der es
dann passierte...

Kein uninteressantes Konzert also, weitere sehr anregende Erkenntnisse über die klanglichen
Möglichkeiten des Instruments

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Vormerken!
Sonntag, 11.09.2016, 16h
Bach, Doppelkonzert für Oboe, Violine und Streicher
Bach/Vivaldi Konzert BWV 593
Vivaldi: Vier Jahreszeiten für Streicher und Orgel
Dragos Manza (Violine, Konzertmeister der Düss. Symphoniker)
Gisela Hellrung (Oboe, Solooboistin der Düss. Symphoniker)
Markus Hinz, Orgel,
Düsseldorfer Symphoniker

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