Markus Hinz in St. Antonius, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Markus Hinz in St. Antonius, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Samstag 2. Juli 2016, 12:55

Hallo Forum,

jetzt wissen wir es: St. Antonius in Düsseldorf-Oberkassel hat eine sehr gute, feine und vielseitige Emporenorgel bekommen, die uns in Zukunft noch mit Einigem überraschen dürfte. Gestern aber, am 01.07.2016, spielte dort Markus Hinz das erste Konzert an “seinem” Instrument. Und Hinz hatte den Ehrgeiz, die Orgel anhand klug ausgewählter Literatur vorzustellen.

Ganz klassisch begann er mit Passacaglia und Fuge c-moll BWV 582. Natürlich wählte er nicht die Darstellung im Pleno-Stil, sondern baute über schön schlankem Baß langsam steigernd auf. So lernte man viele leise Stimmen, das reich besetzte mittlere Lautstärkenniveau und erst zuletzt auch die große Kraft kennen.

Seit Jahren bekennt sich Hinz zu seiner Karg-Elert-Liebe. Und also gab es den Symphonischen Choral über “Jesu meine Freude op. 87 Nr. 2. Hoch auffahrend die Introduktion, von großer Innigkeit die lang ausgehaltenen Soli (Flöte, Englischhorn) in der Canzone und markant die Fuge; ganz am Ende trat die Chororgel noch zur Verstärkung hinzu. Das war gut gemacht!

Drei kleine Eigenkompositionen demonstrierten dann vor allen die neuen technischen Möglichkeiten. Im ersten Stück “Windspiel” veränderte Hinz die Klangflächen über den Winddruck, im zweiten Stück “Tintinnabuli” traten die Schlagwerke (Marimba, Vibraphon) zu den Pfeifen hinzu, was deren Anspiel mit einer Art Sforzando versah. Da würde man (und wird man sicher) noch mehr erfahren. Das letzte Stück “Echos on Bach” basierte auf einer wiederkehrenden Tonfolge, in die Hinz weitere, antwortende Motive einfügte.

Am Ende dann ein großer Reger: Fantasie über den Choral “Halleluja, Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud’” op. 52 Nr. 3. Wie schön, daß ich dieses Werk noch vom Zyklus in der nur 300 Meter entfernten Auferstehungskirche im Ohr hatte. Jürgen Kursawa hatte es dort gespielt. Jetzt also Hinz in der völlig anderen Akustik (dort trocken, hier sehr hallig) an anders klingender Orgel. Hinz traf den Duktus der Regerschen Musik gut, gestaltete die Strophen sehr sorgfältig . Gerade die leisen und ruhigen Passagen wußten zu begeistern. Am Ende dann die Fuge mit krönendem Choral.

Das war eine Orgel-Demo vom Feinsten. Gewiß hat man längst nicht alles gehört, was das Instrument kann. Aber das ist ja auch gar nicht möglich. Jedenfalls ist der Appetit geweckt, die weitere Neugierde groß. Und wirklich gute Musik gab’s “nebenbei” auch noch. Was will man mehr?

Der Beifall war sehr groß und anhaltend, die Kirche wieder mit mehreren Hundert Hörern besetzt. Nach dem Konzert gab es noch lange angeregte Gespräche mit dem Spieler, dem Orgelbauer und zahlreichen Orgelfreunden, darunter auch Fories.

Die neue Mühleisen-Orgel in St. Antonius reiht sich mühelos ein in den immer größer werdenden Kreis der erstklassigen Instrumente in Düsseldorf. Darüber darf man sich von Herzen freuen.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Die Orgelbeleuchtung wird noch optimiert; die Scheinwerfer bekommen noch Gaze-Filter. So entfallen die harten Schatten, es gibt weicheres Licht und damit gleichmäßigere Ausleuchtung.

PPS. Am kommenden Freitag, 08.07.2016, 19:30h, Prof. Bernhard Haas (Bach C-Dur, Reger 135b, Liszt Prometheus, Lacôte)

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