Tillmann Benfer im Dom zu Verden/Aller (Mai 2016)

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Clemens Schäfer
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Tillmann Benfer im Dom zu Verden/Aller (Mai 2016)

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 28. Juni 2016, 13:22

Hallo Forum,

die Nacht war kurz; erst kurz vor Eins war ich wieder in Düsseldorf. Aber es hat sich gelohnt!
Verden/Aller, Sommerkonzert im Dom, Furtwängler&Hammer-Orgel von 1916 (unverändert!),
Tillmann Benfer mit “Romantische Vielfalt”.

Es schon ein eindrucksvoller Raum. Von außen hebt sich zwar mächtig nur das Dach über die
niedrigen Altstadthäuser, große Türme sucht man vergeblich. Ein Relikt des Vorgängerbaus muß
als Glockenträger nach wie vor Dienst tun. Der Weiterbau der Bischofskirche dürfte durch die
Reformation abgebrochen worden sein. In Innern aber steht man staunend in einem wohl
proportioniertem Raum mit hohem Chorumgang und sehr breitem Mittelschiff. Dies zu beschallen
muß für jeden Orgelbauer Herausforderung und Vergnügen zugleich sein. Furtwängler&Hammer
haben da 1916 vorzügliches geleistet. Und glücklicherweise blieb das Instrument klanglich
unverändert. Einige Jahrzehnte Tiefschlaf in unspielbarem Zustand und der Neubau einer
neobarocken Orgel (Hillebrand) in Höhe der Vierung waren da hilfreich.

Benfer verstand es, die Stärken des Instruments anhand passender Literatur in helles Licht zu
stellen. Es gab zunächst von Camillo Schumann die VI. Orgelsonate a-moll op. 6 (1910). Schon
hier durften sich im Andante cantabile die sanften Stimmen auszeichnen, während ein Forte zwar
kräftig, aber nie brüllend oder gar brutal daherkommt.

Das war dann exemplarisch am Benedictus von Reger (aus op. 59, 1901) zu studieren. Aus
Himmelssphären schwebten im Pianissimo die Akkorde ein, über denen sich die Melodie entfalten
darf. Der Ausbruch in der Mitte war dann deutlich, aber längst nicht so heftig, wie häufig gehört.
Ganz herrlich. Mit Verve gab es dann Toccata und Fuge d-moll/D-Dur aus op. 59. Und Nochmals
aus op. 59 mit wunderbarer Klarinettenkantilene die Melodia.

Dann traten quirlige Engelschöre jubelnd in Erscheinung: Am Ende des Konzerts stand die X.
“Romane” von Widor (1899). Haec Dies ist allgegenwärtig. Benfer durchschritt das gewaltige Opus
souverän. Es war spannend und wirkmächtig. So saß man geradezu auf der Bankkante. Als das
Stück geendet hatte, setzte sofort dankbarer, anhaltender Beifall ein. Etwa 80 Hörer waren
gekommen.

Im Gespräch nach dem Konzert merkte man Benfer deutlich an, wie inspirierend das Instrument,
das er ja nun schon mindestens seit 1990 kennt, weiterhin für ihn ist. Die Orgel wird im Herbst 100,
Benfer hat dieses Jahr (hatte vielleicht bereits) ebenfalls einen runden Geburtstag. So darf man
beiden zurufen: Ad multos annos!

Gruß Clemens Schäfer

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