(spezielles)Problem: Literaturspiel

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olds
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(spezielles)Problem: Literaturspiel

Beitrag von olds » Sonntag 10. April 2016, 20:55

Habe heute endgültig beschlossen ein Problem zu haben.

Bis 2006 habe ich regelmäßig auch mal anspruchsvollere Literatur im Gottesdienst und auch mal bei Konzertveranstaltungen gespielt. Danach folgte eine Pause von fast 4 Jahren ohne jegliche Organistentätigkeit, mit dem Neubeginn dann das kleine Instrument, an dem ich nicht all das machen kann, was ich gerne würde.

Zunächst habe ich mir dann natürlich passende Sachen angeeignet, aber mit einer neuen Arbeitsstelle und 4 Stunden pendeln täglich hatte sich das dann erübrigt. Ich wurde faul und habe entweder wirklich sehr einfache Literatur gespielt ("Orgelbuch für Landorganisten", z.b.) oder improvisiere mit dem bißchen, was ich da mal gelernt habe.

Jetzt habe ich wieder Zeit zu üben, habe für Ostern auch manches vorbereitet und hatte immer Probleme. Die Zuhörer haben das jetzt nicht unbedingt bemerkt, aber es ist halt schon so, dass ich es gefühlt einfach nicht mehr gewohnt bin ein anspruchsvolleres Stück zu spielen. In der letzten Woche zuvor beim Üben klappt alles wunderbar, auch die kniffligen Stellen, dann aber...gewurschtel.

Mir kommt es so vor, als ob mein Hirn einfach nicht mehr die Konzentration und die Abläufe für 3-4 Minuten so durchziehen möchte, wie es halt nötig ist. Ich spiele jetzt halt wieder nach Noten und schlawienere mich nicht durch.

Ob es am Üben liegt, ich weiß echt nicht, es klappt da ja. Aber ich ziehe das halt "live" nicht mehr souverän durch, wenn´s gilt.

:?

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Friedrich Sprondel
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Re: (spezielles)Problem: Literaturspiel

Beitrag von Friedrich Sprondel » Sonntag 10. April 2016, 22:32

Ich kenn’s nicht vom Orgelspielen, wohl aber vom Geigen. Üben ist – jedenfalls in meinem Fall – einfach alles, und je solider der Übevorlauf, desto sicherer das Spiel. Und desto geringer sind die Reibungsverluste bei Lampenfieber, lauten Zuhörern oder ähnlichen Konzentrationsnagern.

Ich bin über ein paar Jahre regelmäßig aufgetreten, hatte dabei zuverlässig, aber moderat und vorübergehend Lampenfieber und kenne daher genau den Effekt, den Übelücken haben. Nur ein gutgeöltes, regelmäßig durchgearbeitetes Technikfundament gibt mir die Sicherheit, die ich für eine leidliche Probe brauche, von Aufführungen ganz zu schweigen – da am liebsten ein halbes oder besser noch ein ganzes Jahr regelmäßiges Üben, vor allem Technik, Technik, Technik (der spezielle Feind für uns Streicher ist ja die Intonation).

Das ist übrigens auch der Grund, warum viele Hobbymusiker umso häufiger das Musizieren aufgeben, je weiter sie auf ihrem Instrument gekommen sind: Sie wissen, welche Arbeit es kostet, einen höheren Standard zu halten, geschweige denn ihn nach einer Übelücke halbwegs wieder zu erreichen. Für Organisten gibt es immerhin die Gelegenheit zu einigermaßen regelmäßiger Auftrittspraxis.

Mein Rat deshalb: Nicht den Mut verlieren. Üben, spielen, Neues raufschaffen, immer und immer. Neue Übestrategien ausprobieren. Perfektion anstreben, erst punktuell, dann immer breiter. Anregungen holen hilft auch, das spornt an. Also Konzerte besuchen, am beste auch Kurse.

Ach ja, und was für fast jedes Instrument zu gelten scheint, ganz sicher aber für Deins genauso wie für meins: Bach üben bringt voran. Wie war das noch? »… dem Nechsten, draus sich zu belehren«.

Viele Grüße
Friedrich

kernspalter
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Re: (spezielles)Problem: Literaturspiel

Beitrag von kernspalter » Sonntag 10. April 2016, 23:04

Es kommt vielleicht noch etwas dazu:

Je älter man wird, desto mehr Zeit braucht man, bis etwas Neues "sitzt". Für Stücke, die ich mir früher in zwei Wochen reingezogen habe, setze ich jetzt lieber vier Wochen an.

Und vielleicht wird man mit den Jahren auch selbstkritischer. Wenn ich alte Stücke aufwärme, die ich vor vielen Jahren gespielt habe (und von denen ich damals dachte, ich hätte sie astrein drauf), entdecke ich viele Stellen, bei denen ich damals geschlampt habe. Z. B. Fingersätze, mit denen eine wirklich saubere Artikulation gar nicht möglich ist, oder auch falsche Noten, die mir früher nie aufgefallen sind.
Mit kernspalterischen Grüßen

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olds
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Re: (spezielles)Problem: Literaturspiel

Beitrag von olds » Samstag 7. Mai 2016, 21:55

Was mir jetzt aufgefallen ist:

Meine "uralten Sachen" sitzen einfach noch immer, teilweise fast 18 Jahre später. Habe jetzt öfters Krams von Dubois gespielt und bin sofort in so einem Modus wo genau das Programm abläuft, das mir mein Lehrer eingebläut hat. Teilweise meine ich sogar ihn zu vernehmen, wie er neben mir steht und mich auf die bestimmten Stellen hin antreibt. Also Phrasierungsendpunkte, schwierige Stellen, etc.

Selbst beigebrachte Sachen sind da viel wackeliger. :mrgreen:

Das größte Manko ist aber meine (Haupt-) Orgel. In unserer Pfarrei habe ich jetzt zu meiner eigentlichen Orgel schon 4 andere durch, dann gibt es noch in der Wohnortgemeinde 2 Stück. Die haben alle in etwa die gleichen Maße, meine ist aber ergonomisch vollkommen ab vom Schuss. Halt ein "historisches Instrument".

Ich spiele da aufgrund meiner 1,90m besonders im Pedalspiel in einer Zwangshaltung die ich mir echt abtrainieren muss. Dazu kommt ein nicht genormtes Format der Tasten. Die sind kurz und schmal. Aber in den jetzt bald 6 Jahren hat sich einiges eingeschlichen.
Wenn ich dann an einer der anderen Instrumente sitze komme ich ins Schwimmen, eben wegen meiner Haltung, weil ich die immer noch aktiv im Hirn mit aus, also wieder korrekt angleichen muss.

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