Der Organistenkollege...

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
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olds
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Der Organistenkollege...

Beitrag von olds » Dienstag 29. März 2016, 13:30

....ist eine Spezies, mit der ich eigentlich bis letztes Jahr direkt nie was zu tun hatte.

(Achtung: FRUST!!!!!!! Bin Ratsuchend.)

In allen Gemeinden wo ich bisher spielte, war ich der einzige greifbare Organist und da war niemand, mit dem ich direkten persönlichen Kontakt hatte. Außer telefonisch, wenn es mal um eine Vertretung ging. Vorallem aber auch niemand, der dann da war, wenn ich da war.

Seit 01.01.2016 bin ich nun offiziell auch Großpfarrei und damit auch Teil eines Organistenpools. (Wie man neudeutsch sagen würde). Tatsächlich ist es so, dass die größere Stadtpfarrei zu denen die kleine abgelegene Vorortgemeinde "eingemeindet wurde" einen Kreis von ca. 5-8 Organisten hat, die nach einem vierteljährigen Dienstplan alle 4 Orgeln übernehmen. Sowas kenne ich nicht, sowohl jetzt in T. als auch in meiner Heimat hatte jede Kirche so den einen, der da spielte.

Als nun Anfang Januar der Plan bis zum Weißen Sonntag gemacht wurde, freute ich mich sehr, dass ich Ostermontag an die große Orgel in der Hauptkirche durfte. Genau sah das dann so aus, dass ich doch noch vorher meine Gemeinde spielen musste und mir 20 Minuten für Anfahrt und alles blieb. Also Stress pur. Laut Plan sollte ein Chor singen, Kontakt zu der Chorleitung gab es nicht

Passiert ist dann Folgendes: In der Sakristei treffe ich auf eine verlebt aussehende schlecht gelaunte Frau mit zerrauchter Stimme und wie mein Vadder meint: einem Alkoholproblem? Diese guckte mich motzig an, ob ich der Organist sei, ich wisse ja gar nicht, was ich machen soll. "Doch" sagte ich freundlich mit meinem Smartphone in der Hand (also wirklich freundlich, nicht gespielt freundlich), "der Pfarrer hat mir Samstagabend noch den Plan gemailt. Ihr Chor macht mit der Schola das Halleluja, soll ich ein Vorspiel machen?"

Zum Glück kam genau in dem Moment der Pfarrer um´s Eck in die Sakristei, denn so konnte die nette Frau überrascht und "angepisst" ihren Nikotinatem dem Pfarrer entgegenschleudern. Der entschuldigte sich und berief sich auf eine ominöse nicht anwesende Frau C. Kurzum: Ich sollte dass Halleluja machen, eher ungern für mich, singe recht gut, aber nur in einem bestimmten Rahmen. Und der war da nicht gegeben.

Auf dem Weg hoch zur Orgel dann der Versuch von Smalltalk, ich erhaschte die Information, dass die Frau auch Organist ist (Warum dann ich dorthin, mit dem Streß der Anfahrt?), aber heute nicht spielen will. Auf dem Empore angekommen geht mein Herz sofort auf 180, ein mächtig großer Chor, inklusive einiger der berühmten wirklich richtig guten Amateursänger der Stadt. Und als Solist der beste Bass/ Bariton weit und breit. Und da soll ich jetzt.... Hallelu...?

Ich kämpfe mich zur Orgel durch, dort neben einem "Perkussionisten", also so nennt man das wohl heute, wenn der Schlagzeuger der Kirchenband auf seiner großen Stand-Tom einen simplen Rhythmus klopft, ein Herr in legerem Anzug. Ich setzte mich an die Orgel, bereite alles vor, kommt der Nikotinatem wieder und fragt recht bestimmend den Herrn im Anzug ob er alles in die freie Kombinationen gesetzt hätte. "Hallo?", denke ich mir sofort, "die brauche ich für meine Literaturstücke und die Vorspiele registrieren, wenn ihr schon Mist baut, dann müsst ihr damit auch leben, dass ich das richtig mache und die brauch". Aber da erklärt der Anzugmann schon in entspanntem Ton, dass er sich die Registrierung notiert hätte (auf der Rückseite eines Kassenbons, übrigens. :mrgreen: )

Dann geht es los und ich frage mich nochmehr, was das soll. Inzwischen dann drei Organisten für eine Messe von denen zwei einfach mal "keine Lust haben"? Und ich muss flott-flott in T. weg, weswegen die nur abgespeckt nach Emmaus gegangen sind, weil ich ja weg muss, in die Hauptkirche? Und weil die Kirche wider erwarten probbevoll war und dann noch die ganzen Amateur-"Koryphäen" und die trotz öfteren dort Übens weiterhin ungewohnte große Orgel, verhaue ich dann einiges (also verhaut für Ohren die das erkennen), mache anderes aber richtig gut.

Kurz und knapp dann das Ende: Beim Auszug waren die Chorleitung und der andere Organist mit als erstes von der Empore verschwunden. Ich war dann geknickt, weil bißchen was in die Hose gegangen war, hatte natürlich noch Plausch unter "Kollegen erwartet" und mich auf das Kennenlernen gefreut, aber da war halt nix. Die Empore total leer ausser dem Schlagzeuger der in einer surrealistischen Szene da rumstand und meinte, dass es doch immer das gleiche se: "Es gäbe mal ordentlich was auf die Ohren, aber keiner ist mehr da."

Bin da jetzt etwas neben der Spur. Hätte gern für meine drei Fehlgriffe eingestanden. Gerade die Frau Chorleitung kam mir echt abweisend vor, sowas verunsichert mich.

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Dorforganistin » Mittwoch 30. März 2016, 09:25

Gut, sich sowas mal von der Seele zu schreiben.

Du sagst, Du hättest gerne einen Rat. Was möchtest Du wissen? Wie Du Dich künftig in dieser Runde positionieren kannst? Ob das anderen auch schon passiert ist? Oder...?
Sag doch mal, wie wir Dir helfen können. :)

Holger

Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Holger » Mittwoch 30. März 2016, 09:34

Willkommen in der Realität!

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von olds » Mittwoch 30. März 2016, 11:41

Ich kann mit so Situationen ganz gern mal schlicht und einfach nicht umgehen. So Verhalten ist auch einfach nicht mein Naturell, bin immer interessiert andere Menschen kennenzulernen und finde dass ein wenig Gemeinschaft auch dazu gehört.

Und es nervt mich halt sehr, dass ich diese kleinen Böcke drin hatte. Bin da vielleicht nicht souverän genug für, zu sagen, naja, Pech.... .

Die ganze Situation ist für mich eben auch deswegen kompliziert, weil ich gerne auch andere Orgeln spiele, denn "meine" ist zu klein, auch ergonomisch, nicht nur wegen einmanualig mit 7 Registern plus Subbass und Violon 8 im Pedal. Mit meinen 1,90m passe ich nicht ganz zwischen Spieltisch und Prospekt, anspruchsvollere Passagen im Pedal sind daher nur bedingt möglich, habe nur wenig Spielraum für meine langen Gräten.

Entsprechend würde ich mich halt schon gerne im engeren Kreis positionieren um halt auch öfter an die guten Orgeln zu kommen.
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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Administrator » Mittwoch 30. März 2016, 20:59

Hallo olds,

ich würde jetzt nicht ein "willkommen in der Realität" sagen, da es mir so gravierend noch nicht passiert ist. Aber ich stelle auch fest, dass die Kontakte unter Kirchenmusiker-Kollegen nicht ganz einfach sind. Man begegnet sich eh selten, da ja jeder auf Achse ist. Und wenn das dann mal passiert, ist es wohl für alle Beteiligten so ungewohnt, dass man damit nur schwer umgehen kann. Vielleicht fällt es Deinen Kollegen vor Ort sogar noch schwerer als Dir. Sie wissen einfach nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Mir geht es da hier im Norden ganz anders. Wenn ich mal - kommt selten vor - Kollegen begegne, entspannt sich meist ein kurzes Gespräch. Und die Leute in den Gemeinden (KV, Pastoren, usw.) sind auch ganz entspannt und locker drauf. Vielleicht je nach Mentalität und regionaler Lebens-Art ganz individuell.

An Deiner Stelle würde ich erstmal alles "abschütteln" und abwarten, wie der nächste Kontakt ist. Wenn die Leute dann immer noch so komisch sind, bietet es sich vielleicht an, sie mal auf einen Kaffee nach dem GD einzuladen. Oder mit einem lockeren Spruch (so einem einer einfällt) zu reagieren. Vielleicht kann ein Lächeln Blockaden abbauen.

Lass Dir aber bloß nicht den Spaß an der Musik durch die Un-Komik anderer Leute rauben. Das wäre schlimm.

Liebe Grüße
Daniel
(Admin)


PS. Wenn Du magst, dann schick mir doch mal Foto/Disposition/Infos Deiner Orgel an info@orgel-information.de. Dann würden wir die Orgel gerne auf unserem "Portal der Königin" vorstellen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich dann mit anderen Leuten vor Ort auch dadurch ein Gespräch.

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Dorforganistin » Donnerstag 31. März 2016, 07:48

olds hat geschrieben: "meine" ist zu klein, auch ergonomisch, nicht nur wegen einmanualig mit 7 Registern plus Subbass und Violon 8 im Pedal
Ich wünschte, meine Hauptorgel wäre so groß! Ein Manual, 4 Register, plus Subbaß angehängt :D

Bei Kirchenmusikern gibt es solche und solche, wie überall halt. Wir haben einmal im Jahr im Dekanat ein Treffen aller nebenamtlichen Kirchenmusiker, und ich stelle immer wieder fest, dass diejenigen, die an einem Austausch interessiert sind, dort hingehen und total nett sind, auch Anfängern gegenüber, und diejenigen, die sich gerne mal anders geben, zu solchen Treffen gar nicht erst kommen. Klar trifft man die manchmal im Alltag, aber es ist tatsächlich so, dass man sich entweder an sie gewöhnen oder sie ignorieren muss, denn ändern wird man sie kaum.

Was Deine "kleinen Böcke" und die Souveränität angeht, das kommt mit der Zeit, dass man sich da nicht mehr so sehr drüber ärgert. Mir ging das auch mal so, da war ein fremder Chor zu Gast, und ich wollte auch mein ganzes Können in die Waagschale werfen und hab mich dann bei der an sich gewohnten und oft gespielten Liturgie verhaspelt :lol: Das merkt sich aber niemand jahrelang, denn es gibt keinen Musiker, der immer perfekt ist.

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von olds » Donnerstag 31. März 2016, 09:37

Also nach jetzt 20 Jahren Orgel, insgesamt 31 Jahren Tasteninstrument, und jetzt zusammen 10 Jahren Organist mit Prüfung im Nebenamt (Kein C, Trier kennt auch D), Teilnahme an Schüler-Lehrerkonzerten (ja, ich war mal viel besser, als Student übt man zeitlich entspannter) bin ich eigentlich schon recht souverän. Erlaube mir in "meiner Kirche" auch einiges.

Aber mit so Typen komme ich halt (noch) nicht klar.

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Dorforganistin » Donnerstag 31. März 2016, 14:33

Sorry, ich wollte Deine Erfahrung nicht kleinreden, die ging für mich aus Deiner Aussage zu den "Böcken" schlicht nicht hervor.

Für den Umgang mit schwierigen Menschen gilt für mich, dass ich mir klarmache, dass ich sie nicht ändern werde, egal, wie sehr ich mich ärgere, und dass ich entscheiden kann, wie ich auf sie reagiere. Ob ich mich ärgere oder nicht, kann ich selbst entscheiden. Ich bin nicht Sklavin meiner Gefühle und kann aktiv beschließen, mich über Person X nicht zu ärgern, sondern z.B. innerlich zu lächeln, oder was auch immer.
Was darüber hinaus manchmal hilfreich sein kann, ist, zu schauen, ob andere ähnliche Schwierigkeiten mit Person X haben, oder ob das "mein" Problem ist. Wenn das Problem nur von mir empfunden wird, kann ich schauen, was die anderen im Umgang mit X vielleicht anders machen als ich und kann das als Basis nehmen, mein Verhalten anzupassen und zu schauen, ob das Problem dann kleiner wird oder vielleicht sogar weggeht.

Ippenstein
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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Ippenstein » Donnerstag 31. März 2016, 20:59

Da habe ich im Großen und Ganzen ja immer Glück gehabt. Nunja... in meiner Heimatgemeinde fühlte ich mich nicht so wohl. Aber sonst hatte ich kaum Probleme und gerade die Zusammenarbeit mit den Kollegen war sehr gut gewesen. Auch in meinem jetzigen Wirkungsort kenne ich alle Organisten und wir verstehen uns gut. Da es 5 Kirchen im Tal gibt, aber nur ca. 8 Organisten, sieht man sich nicht so oft. Praktischerweise möchten die anderen Organisten an "ihren" Orgeln spielen - so bleibt mir die größte und meiner Meinung nach schönste Orgel des Tales, die ich im Regelfall mit zwei weiteren Kollegen teile.
Auch die Kommunikation mit den Priestern und den Kirchvorstehern sowie Helfern klappt hervorragend - und das ist ein sehr wichtiger Punkt für eine funktionierende Kirchgemeinde.

Viele Grüße

Ippenstein

P.S. Nicht auf die Größe der Orgel kommt es an, sondern auf die Güte. Ich habe schon auf kleinen und mittleren Katastrophen gespielt und auch auf kleinen hervorragenden Orgeln. :) Schlimm ist es auch, wenn die Kirchgemeinde kein Verständnis für eine gute Orgel bzw. für die Pflege ebendieser hat.

bluenote
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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von bluenote » Montag 4. April 2016, 09:44

Ich bin als Organist Teil eines Gemeindeverbundes und kann von meinen Erfahrungen reden.

Wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Gemeinden und haben derzeit drei verschiedene Gottesdienststätten. Entsprechend sind wir drei Organisten, dann haben wir noch zwei Gospelchöre und einen traditionellen Gemeindechor mit ihren jeweiligen Chorleitern. Wir Organisten sind einer Gottesdienststätte mehr oder minder fest zugeordnet; die Chöre wechseln die Gottesdienststätten regelmäßig.

Zweimal im Jahr haben wir eine Kirchenmusikerbesprechung mit allen Kirchenmusikern des Gemeindeverbundes und einer für die Koordinierung zuständigen Pfarrerin. In dieser Dienstbesprechung wird der Dienstplan für kommende halbe Jahr besprochen und festgelegt, wann wo welcher Chor singt. Und natürlich werden auch Sachen wie gemeinsame Konzerte etc. koordiniert. Und es werden Temeine besprochen, an denen man eine Vertretung benötigt.

Mit dieser Koordination haben alle eine Planungssicherheit und jeder weiß, woran er ist. Ich empfinde es zudem als großen Vorteil, dass jeder Organist seine "eigene" Gemeinde, seine "eigene" Orgel hat. Und trotzdem sind Absprachen bezüglich Tausch möglich, damit auch andere Organisten, die an nicht so tollen Orgeln ihren Dienst verrichten, mal an ein gescheites Instrument kommen.

Mein Fazit: wenn die Struktur stimmt und gut organisiert ist, ist das Organistendasein in einem Gemeindeverbund nicht nur problemlos, sondern darüber hinaus auch noch spannend und kommunikativ.

Ronald Henrici
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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 8. April 2016, 15:38

Wenn man - wie meine Person - ständig irgendwo eine Organistin/einen Organisten würdig vertritt, stößt man vielerorts auf die unterschiedlichsten Charaktäre. Damit lebe ich sehr gut, aber oft lerne ich die örtlichen Kirchenmusiker überhaupt nicht kennen, nur von den Äußerungen der Gemeinderatsmitglieder, die auch sehr unterschiedlich ausfallen.
Daraus ergibt sich, daß die ganze Angelegenheit nicht ganz unproblematisch ist.
Ich begrüße es sehr, wenn die Gemeinden dazu übergehen, sich halbjährlich mit mehreren Kirchenmusikern zusammensetzen und einen Dienstplan verbindlich erarbeiten. Das funktioniert vielerorts ganz hervorragend. Und als Teilnehmer an diesen Treffen bin ich gattseidank nicht auf nur ein Instrument fixiert und kann auch schon mit den anderen Musikern austauschen.
Diese Form der Kommunikation untereinander und mit den Verantwortlichen in den Gemeinden kann ich sehr positiv bewerten. das führt auch dazu , daß sich charakterlich ungemütliche und unbequeme Musiker in dieser kommunizierenden Art des Treffens sehr viel mehr menschlich kooperativ zeigen.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von olds » Samstag 21. April 2018, 07:18

Bevor ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme, muss ich meine vielleicht dann zu harten Worte von vor zwei Jahren zurücknehmen.

Durfte die hier in meinem ersten Beitrag genannte Person inzwischen bei einem gemeinsamen musikalischen auch näher kennenlernen, tatsächlich hatte und hat die Frau ernsthaftere gesundheitliche Probleme, für die sie so direkt auch nichts kann. Und wie so oft zieht ein Ungemach dann auch direkt weitere nach sich. Beispielsweise, wenn man auf den Partner angewiesen ist und der dann auch erkrankt.
Nicht jeder, der mal so in der Malässe war, steht dann nochmal auf und übernimmt Orgeldienste oder leitet wieder einen Chor.



Nun, zu meinem Anliegen.

Es gibt inzwischen auf Youtube einige gute Kanäle zur Kirchenmusik, also nicht nur der klassische Fall eines Konzertmitschnittes oder eines Vortrages auf der Orgel.

Bei einem dieser Videos wurde die Ausbildung und der Arbeitsalltag im Nebenamt thematisiert (der Betreiber des Kanals hat C und das Vordiplom Kirchenmusik), speziell die Tatsache, dass der Umgang zwischen den (Studien-)Kollegen nicht besonders gut sein muss. Als Beispiele wurden Studienkollegen genannt, die schneller Fortschritte machen und zu Diven werden oder aber Kollegen, die mehr oder weniger den anderen Musiker auflaufen lassen, z.B. bei Übezeiten oder nötigen Absprachen.

In einem Kommentar dazu merkte ich an, dass ich im Kontakt mit Hauptamtlichen bislang immer gute Erfahrungen gemacht habe, dass es aber die (vermeintlich) besseren Nebenamtler sind, die sich als Diva geben.

Dazu dann folgendes Erlebnis:

Ich spiele seit geraumer Zeit in einer weiteren Kirchengemeinde, was ja gut funktioniert, weil deren Gottesdienstplan meinen Verpflichtungen entgegengesetzt läuft. Aus den Strukturen vor Ort ergibt sich nun der Umstand, dass sich die Sakristanin um die Kirchenmusik kümmert, d.h. ihr Mann ist der Hausmeister-Sakristan, sie ist der Verwaltungssakristan. Vorgehensweise ist, dass sie etwa 5-6 Wochen vorab Organisten per Email anfragt. Beide waren in verwandten Berufen für die Kirche tätig.

Sie klagte mir dann jetzt ihr Leid, denn es würden nur 3 Organisten in angemessener Zeit antworten, von denen einer meist absagt, der andere so einmal im Monat kann. Die Frau war doch sichtlich enttäuscht, dass es Organisten gäbe, die es noch nicht mal für nötig halten zu antworten.
Selbst bei telefonischer Nachfrage.

Die Namen die mir genannt wurden überraschten mich nicht. Ich bat sie daraufhin, diese Herren der (Musik)schöpfung nicht mehr anzuschreiben, da sie so ihre Eigenarten haben und sich keinen Deut dafür interessieren, was abseits ihrer Gemeinde passiert. Und wenn sie mal auswärts spielen, geht es nur darum im Rampenlicht zu stehen.

Zunächst: Unabhängig davon ist allgemein die Entwicklung zu beobachten, dass in den neuen Großpfarreien die ländlichen Vorortgemeinden im Regen stehen, da viele Kirchenmusiker sich keinen Deut dafür zu interessieren scheinen, was in den Filialgemeinden am Stadtrand passiert.
Man spielt am liebsten die Sonntagsmesse auf der großen Orgel in der Hauptkirche der Pfarrei und hat ansonsten halt "keine Zeit".

Bei den noch städtisch gelegenen Filialen geht mir dann folgende Spezies auf die Nerven:
Die Kirchenmusiker sind irgendwann mal durch Wohnsitz oder sonstiges Engagement in der Gemeinde aktiv geworden, passen menschlich ganz gut zu den anderen Engagierten und haben "was aufgebaut". Sie machen alles anders, bunter, besser, schöner, engagierter, ... als andere.
Oder andersrum formuliert: Sie haben sich ihren Platz an der Orgel damit verdient, dass sie mit Gleichgesinnten einen Klüngel bilden, der in der Gemeinde zwar Vieles richtig gut macht, der aber sonst keine Luft zum atmen lässt.

In einem speziellen Fall kommt dann noch hinzu, dass dort ein Orgelneubau steht, richtig gutes Instrument, dessen Tasten bislang aber sonst wohl nur der Dekanatskirchenmusiker berühren durfte. Versucht man den Kollegen im Nebenamt nun in ein Gespräch zu verwickeln, kommen meistens nur abfällige Kommentare a la "die Orgel in X klingt nicht", "die Orgel in Y ist nicht in Schuss", "die Orgel in Z hat schlechte Traktur", "die Gemeinde dort singt ja nur altmodischen Kram".

Ich möchte dem Mann das alles nicht abspenstig machen, er kann Orgel spielen, aber mir widerspricht auf ganzer Linie diese Haltung, dass sich die Kolleginnen und Kollegen über den Kreis der Engagierten in einer Stadtteil Gemeinde in der Musik einnisten, sich keinen Deut um das drumherum in anderen Gemeinden kümmern und nur ihr hellstrahlendes Licht sehen. Was gegebenenfalls nur noch ein Lichtlein ist, weil die Herrschafte wohl nur in ihrem eigenen Sud funktioneren.

Um am Ende geht es dann soweit, dass man es noch nicht mal nötig hat, per Email mit einem Dreizeiler zu antworten um mitzuteilen, dass man allgemein keine Zeit für Aushilfen übrig hat.

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von Nachthorn » Samstag 21. April 2018, 11:07

Hallo olds,

schicke den Text doch genauso an deinen Pfarrer mit Bitte um Klärung.

Gruß,

Nachthorn

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Re: Der Organistenkollege...

Beitrag von olds » Sonntag 22. April 2018, 06:40

Da geht es nur um den Anstand "unter Christenmenschen".

Die Pfarreien haben halt nichts miteinander zu tun. Die Gemeinde muss sich halt die Organisten zusammenklauben und kontaktieren alle bekannten Namen im Stadtgebiet.

Und wenn: Der zuständige Pfarrer hockt in dem Klüngel mittendrin. Der ist bislang noch nicht mal mit seinem Dienstbüro aus dieser Gemeinde in die Hauptgemeinde seines Sprengels umgezogen.

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