Nachwuchs-Förderung

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
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Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Administrator » Donnerstag 3. März 2016, 09:16

Liebe Orgelfreunde,

in unserem heutigen Blog ist die Rede von einer Aktion, bei welcher Kindern Instrumente vorgestellt wurden. Auch die Orgel!
http://blog.orgel-information.de/#03032016

Oft habe ich das Gefühl, dass im kirchlichen Bereich, besonders in Sachen Orgel, viel zu wenig für die Nachwuchsförderung gemacht wird. Überall werden Organisten benötigt, aber getan wird dafür nichts. Oder täusche ich mich? Wie sieht das bei Euch aus?

Am vergangenen Sonntag lud ich nach einem Familiengottesdienst die Kinder noch an die Orgel ein. Fast alle kamen und wollten mal spielen, ausprobieren und entdecken, was in der Orgel steckt. Manche konnten schon ein kleines Liedchen spielen. Ein erster Schritt, um Begeisterung für die Orgel zu wecken.
Mir ist bewußt, dass der erste Schritt manchmal der einfachste ist. Die Schule, mangelnde Gelder und unmoitivierte Eltern sind oftmals Spaß-Bremser. Wie geht Ihr damit um? Gibt es bei Euch Konzepte?

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Donnerstag 3. März 2016, 10:07

Konkret findet am 27.08.2016 ein Kinderorgeltag im Kloster Beuron (Oberes Donautal, Baden-Württemberg) statt:

http://organpromotion.de/de/veranstaltungen

Und das ist keine Eintagsfliege:

http://www.suedkurier.de/region/linzgau ... 53,7218631

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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Administrator » Donnerstag 3. März 2016, 11:26

Das ist auf jeden Fall schon mal eine gute Aktion.
Aber wie ist es mit regelmäßigen Aktionen innerhalb - auch kleiner - Gemeinden? So ein Kinderorgeltag braucht ja Vorbereitung und ist meist nicht in kleinen Zeitabständen machbar. Und meist findet der auch nur in großen Gemeinden statt. Was ist mit Dorfgemeinden? Wer macht dort so etwas?

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Donnerstag 3. März 2016, 13:25

Die Frage dürfte sein, ob es Dorfgemeinden überhaupt jemanden gibt, der so etwas kann.

Ausbildung auf der Orgel ist ja in der Regel auch beim Bezirkskantor angesiedelt und nicht eine Aufgabe der kleinen Gemeinden in denen der "Dorforganist" das meist auch gar nicht leisten kann.

In dem Dorf in dem ich wohne ist die einzige Organistin auch noch für das Orgelspiel im Nachbardorf verantwortlich. Allerdings teilen sich die Gemeinden auch einen Pfarrer, so dass es nicht zu Doppelbelegungen kommen kann. Die "Personaldecke" auf dem Land ist dünn.

Aber vielleicht kriegt man so einen Samen in die Erde, der keimen kann.

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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Administrator » Donnerstag 3. März 2016, 14:33

Meine Erfahrung geht aber dahin, dass die Bezirkskantoren das nur selten leisten. Die Dörfer fallen hintenrunter. Und gerade da mangelt es doch oftmals an Organisten. Also wäre doch langfristig hier ein Engagement vielleicht sogar sinnvoll ...? Wie ist es denn in Deiner Umgebung? Tut sich da was?

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Donnerstag 3. März 2016, 14:43

Eben dieses, das M. Grüber mit Organpromotion veranstaltet. Auch in Horb und Oberndorf, er ist da sehr rege.

Ronald Henrici
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 3. März 2016, 20:01

In der Klosterkirche Beuron habe ich eine gut gewollte Offenheit erlebt, die es auch Kindern unter Aufsicht möglich macht, sich an den Orgelspieltisch zu setzen und manches auszuprobieren. Es gibt da einen Pater, der sich Zeit dafür nimmt, genauso Zeit für manche BesucherInnen, die die Orgel kennenlernen möchten. Und er ist auch bereit,die beiden Instrumente vorzustellen und auch BesucherInnen, die des Orgelspiels mächtig sind, spielen zu lassen, solange er oder sie möchte !
Andererseits erkenne ich immer wieder, daß viele BezirkskantorenInnen keine rechte Lust zeigen, sich pädagogisch mit interessierten Kindern zu befassen.
Dann gibt es wieder Gemeinden, die sogar dem vertretenden Organisten es verwehren, vorher für ein paar Tage oder Stunden die Orgel zu benutzen. Was haben da schon Kinder für Chancen, überhaupt die Instrumente einmal zu hören oder zu sehen.
Wenn schon über die Dörfer hinweg keine Musiker da sind, die sich mit dem Nachwuchs befassen. Es gibt aber Eltern, die ihre Kinder erziehen und die gewiß zu der Kindergärtnerin oder zum Musiklehrer der naheliegenden Schule Kontakte haben und über diese Personen doch etwas erreichen könnten.
Wo ist da der Wille ?
Für meine Person kann ich nur bekennen, daß ich immer wieder Kinder mit auf die Orgelempore genommen habe und ihnen zumindest das Interesse an Instrument und Spiel geweckt habe. Auch mit einigem Erfolg ! Man muß eben auch die Kinder - wenn auch unter Aufsicht - an die Instrumente lassen !
Mein Vorschlag an Holger: Geh doch einmal mit einer Kindergruppe in die Stadtkirche nach Balingen, nimm dir einen Studenten/eine Studentin mit - ich denke gerade konkret an eine Person, die eine Pädagogische Ausbildung macht - und plazier Dich mit den Kindern vor Orgel und Spieltisch ! Du wirst erstaunt sein, welche Aktivitäten Du bei den Kindern auslöst !
Nachwuchs findet man und man kann diesen auch fördern, allein es fehlt der Wille der kompetenten Kirchenmusiker dazu !
Das sind langjährige Erfahrungen und Beobachtungen von mir!
Im Forum habe ich mich schon sehr oft - manchmal auch versteckt - zu dem Problem geäußert.

Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Freitag 4. März 2016, 06:36

Zum einen, da gebe ich Ronald Henrici völlig recht, fehlt eine gewisse Offenheit mancher Organisten, die ihr Revier durch Nachwuchs bedroht sehen. Andererseits, ist es überhäupt attraktiv Orgeldienst als Einzelkämpfer am Sonntagmorgen zu machen, wenn viele noch ausruhen.

Ist es da für den Nachwuchs nicht attraktiver in einer Gruppe z.B. beim örtlichen Musikverein, Posaunenchor oder einer Flöten- und Gitarrengruppe zu musizieren, wo Freundschften entstehen, im Gegensatz zum häufig hier geschilderten Missverhältnis zwischen kirchlicher "Obrigkeit" und "Bediensteten", wo man getreten und gegängelt wird wo es auch nur geht? Da gehört schon eine gehörige Portion Idealismus dazu, den ich bei einem Heranwachsenden nicht voraussetzen will.

Auch für die Eltern, die eine musikalische Grundausbildung ihrer Sprößlinge für kein oder wenig Geld bekommen. Ich kenne wenige wenn nicht sogar keine Kirchengemeinde, die ihren kirchenmusikalischen Nachwuchs dergestalt fördert, dass dies in Form eines Stipendiums erfolgt. Klar ist für Kirchenmusiker der Unterricht eine lukrative Sache, kein Zweifel.

Nun Ronald Henrici hat schon recht man sollte machen, aber ganz ehrlich dafür fühle ich mich als nicht mal nebenberuflicher, also Nichtkirchenmusiker definitiv auch nicht berufen.
Zuletzt geändert von Holger am Montag 21. März 2016, 07:33, insgesamt 1-mal geändert.

chp
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von chp » Samstag 19. März 2016, 15:06

Hallo,

ich orgele ehrenamtlich in einer Kirche in der Vorstadt, die einen hohen Migrantenanteil aufweist, was sich auch bei den Gottesdienstbesuchern (ca. 200+x in Vorabendmesse und Hochamt am Sonntag) bemerkbar macht: Da sind Leute aus Russland/ehem. SU, Polen, Indien, Syrien, Irak, Philippinen, Togo, Eritrea, Albanien usw. usw., darunter auch eine ganze Reihe Studierende. Viele dieser Leute kommen aus Ländern/Gemeinden, wo die Orgel keine so große Rolle spielt. Ab und zu interessiert sich jemand für die Orgel, aber es herrscht leider kein Andrang. Ich lasse Interessenten nach dem Gottesdienst gerne an die Orgel, passe dabei nure auf, dass sie mit dem Instrument einigermaßen pfleglich umgehen (Kinder laufen gerne mal übers Pedal).

So alle 2 Jahre mache ich für die Kindergartengruppen von der Gemeinde-Kita nebenan eine Orgelführung, so dass alle Kita-Kinder zumindest einmal in direkte Berührung mit der Orgel kommen. Ich erkläre 2,3 Merkmale des Instruments (lange Pfeife tiefer Ton, kurze Pfeife hoher Ton, "Flötenpfeifen" und Zungenpfeifen), auch mit Hilfe einiger Orgelpfeifen, einer Blockflöte und einer aufgeschraubten Mundharmonika (zum Fühlen schwingender Zungen). Die Kinder dürfen auch ans Instrument, wobei ich zum Abschluss immer ein Carillon spiele, bei dem 4 Kinder das Glockenmotiv an markierten Pedaltasten spielen und ich den Manualiter-Part übernehme und die Kommandos für die "Pedalspieler/innen" gebe ("Gelb!", "Rot!", "Grün!", "Blau!").

Der zählbare Erfolg ist ziemlich gering. Zwar kommen auch zu reinen Orgelkonzerten immerhin so 60-80 + X Zuhörer/innen, aber der Orgelnachwuchs fehlt. Ein Junge aus Togo kam eine Zeitlang sehr oft zur Orgel und improvisierte auch ganz nett, schien mir talentiert, aber ich kann ja keinen Unterricht geben. Und ob die Eltern Orgelunterricht unterstützen würden, kann ich nicht einschätzen. Wenn ich das nicht mache, müsste der Junge ca. 1/2 Stunde mit Straßenbahn und Bus in die Innenstadt fahren, was hin und zurück 3 Euro ausmachen würde. Die Fahrkarten könnte man sicher organisieren, aber einen unter 10jährigen Jungen alleine durch die Stadt schicken...

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Montag 21. März 2016, 07:37

Mach weiter, CHP, wenn der Junge talent hat und improvisieren kann, ist das doch toll. Nicht jeder muss ein "Literatur-Kasperl" sein.

Literatur und Unterricht könnte ihn vielleicht abschrecken und vergraulen.

Kulturelle Dinge werden in Afrika oft ohne aufgeschrieben zu werden weitergegeben - denk mal daran. Also lass ihn spielen und vielleicht kannst ihm ja mal das eine oder andere Thema geben (Choralmelodie, Lied, Fugenthema) über das er improvisiert.

Ein Versuch ist's immer wert.

Dorforganistin
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Dorforganistin » Montag 21. März 2016, 08:27

Ich habe mit 8 Jahren mit dem Klavierunterricht in einer Großstadt angefangen und bin da auch allein mit der Straßenbahn hin- und zurückgefahren. Ich denke schon, dass man Kindern sowas zutrauen könnte, aber es hängt natürlich vom Kind ab. Manchen würde ich das mit 12 noch nicht erlauben :?

Und wieso nicht regelmäßig zusammen improvisieren, wer weiß, vielleicht kommt die Lust, an der Orgel auch mal "klassisch" nach Noten zu spielen, ganz von alleine.

Generell sehe ich Parallelen zwischen dem Interesse für die Orgel und dem Interesse am Gemeindeleben allgemein. Aus der Altersgruppe von 15 und 40 Jahren scheint es sehr schwer, Menschen für die Sache zu begeistern, zumindest in den Gemeinden, bei denen ich ein wenig Einblick habe.

olds
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von olds » Mittwoch 23. März 2016, 06:37

Also hier ist das eine eher statische Sache. In allen Kirchen hängt ein großes Plakat, liegen Flyer für C-Ausbildung und Unterricht aus und das Bistum bemüht sich, die Wege zu den Schulungsorten und Lehrern kurz zu halten. Aber direkt "am Mensch"wird nicht gearbeitet.

Grundsätzliches Problem ist allerdings zumindest hier, dass musikinteressierte Jugendliche mehr in Richtung Ensemble gelenkt werden. Interesse an musikalischer Gestaltung ist schon da, aber die Leute stecken dann im "jungen Chor" und der "jungen Band" oder besonders lieblich: in einer Musikgruppe mit irischen Instrumenten. (Finde ich ab und zu mal nett und interessant, aber wenn´s ausufert.... Dudelsäcke.....:roll: ).

Dazu kommt dann noch ein gesellschaftliches Problem:
Selbst in einer 110.000 Stadt wie hier verschwindet die Jugend für die Berufsausbildung sonstwo und viele möglichen Engagements verlaufen schon im Ansatz im Sand weil die Maxime herrscht "ach, warum das anfangen, ich bin ja dann ein Jahr durch´s Abi gebunden und dann gehe ich ein Jahr für´s FSJ nach Peru und danach? Ach Das lohnt nicht."

Holger

Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Holger » Mittwoch 23. März 2016, 06:55

Richtig, olds, so habe ich das auch schon angedacht.

Dann noch das G8-Abi, mit dem deutlich verdichteten Lernstoff auf 8 gymnasiale Jahre. Da bleibt nicht mehr viel für ergänzende kreative außerschulische Betätigung. Und dann verabschieden sich die Kiddies im schlimmsten Fall mit 17 auf nimmerwiedersehen. Das spüren auch Sportvereine, Msikvereine, denen der junge Nachwuchs dann wegbricht.

olds
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von olds » Mittwoch 23. März 2016, 17:38

Aber das mit der kreativen außerschulischen Betätigung, witzigerweise funktioniert das aber in anderen Bereichen.

In meiner Wohnortpfarrei haben fast alle Mädels einen Sport und ihr Engagement in der Jugendarbeit der Pfarrei. Das sind je nach Sportart und plus der Jugendarbeit 3-4 Termine in der Woche, außerhalb dichterer Phasen (im Ligabetrieb Sommerpause, Winterpause, ...) vielleicht dann noch 1-2.

Zeitlich ginge das also und bei den Jungs sieht es in etwa gleich aus.

Es fehlt also der Anstoß was zu tun - also auch mal was anderes zu tun als Messdienen, mit den kleinen Ministranten Muffins backen und Spiele spielen, Waffeln verkaufen, usw.

Und dass dieser Anstoß ausbleibt hat inzwischen auch sehr stark damit zu tun, dass Gremien und auch Eltern eben diese Leier pflegen, dass die jungen Leute alle so wenig Zeit haben. Das finde ich komisch, denn sobald entsprechende WhatsApp-Nachricht eintrifft, haben sie alle Zeit und stürmen Richtung Pfarrheim, den Gleichaltrigen helfen, wenn sie gebraucht werden. Bei mir das Vermieterstöchterchen (grad Abi gemacht) ist zusammen mit ´ner Freundin zu allen Tageszeiten für Aktivitäten der Ministranten zu gewinnen. Wenig Zeit also?

Ein weiterer Punkt, den ich inzwischen schmerzlich beobachten darf:

Bei den jungen Frauen sind alte Werte und Verhaltensmuster wieder modern. In manchen Bereichen fährt die Emanzipation derzeit wirklich zurück.
Da duckmäusert man sich dann lieber bei irgendwelchen typischen Frauenaufgaben rum oder übernimmt in der Messe mit schüchternem Lächeln eine einfache Ministrantenaufgabe (obwohl die dreifache Besetzung auffahren können) statt sich in die erste Reihe des Chores zu stellen und den Leuten zu zeigen, dass man eine vortreffliche Sopranstimme hat.

Dorforganistin
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Re: Nachwuchs-Förderung

Beitrag von Dorforganistin » Donnerstag 24. März 2016, 08:29

Wenn einem die typischen Frauenaufgaben vorgelebt werden, ist es nicht weiter verwunderlich, dass man diese auch annimmt. Bzw. wenn es niemanden (egal, ob Mann oder Frau) gibt, der Mädchen dazu ermuntert, sich etwas zuzutrauen, dann sind viele halt immer noch so erzogen, dass sie still und brav sein sollen, und das sind sie dann auch.

Das ist nicht allein ein Thema für die Mädchen, sondern für alle. Wie oft erlebe ich es, dass Mädchen als "frech" bezeichnet werden, obwohl sie einfach nur ein bisserl aus sich rausgehen. "Freches" Verhalten bei Mädchen und Jungen wird nach wie vor unterschiedlich bewertet. Genauso eckt man als erwachsene Frau immer mal an, wenn man eben keinen Kuchen backt, sondern lieber bei der Renovierung der Kirchenmauer hilft. Interessanterweise stört das häufiger andere Frauen als Männer, aber auch das könnte altersabhängig sein.

Auch in Chören sind erwachsene Vorbilder immens wichtig, und Chorleiter(innen), die dafür sorgen, dass eben nicht diejenigen vorne stehen, die das aus Tradition eben tun, sondern die, die von der Stimme her am besten dort hinpassen. Nicht nur im Sopran. :wink:

Dass Frauen heutzutage auf dem Papier grundsätzlich alle Möglichkeiten haben, bedeutet halt nicht, dass sie diese auch nutzen. Und so lange es immer noch Prinzessinnen-Shirts neben Piraten-Shirts gibt und rosa Überraschungseier "für Mädchen", so lange werden Mädchen wohl Muffins backen und sich um die Kleinen kümmern.

Bei uns in der Gemeinde sind die Frauen auf der Orgelbank übrigens weit in der Überzahl. :)

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