Bernhard Buttmann in der Christuskirche, Mannheim

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Clemens Schäfer
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Bernhard Buttmann in der Christuskirche, Mannheim

Beitrag von Clemens Schäfer » Montag 15. Februar 2016, 14:29

Hallo Forum,

einem guten Rat folgt man doch gerne: Bernhard Buttmann spielte Reger in der Mannheimer
Christuskirche. Ich war da.

Das war so recht ein Programm für Freunde anspruchsvoller, einnehmender und fordernder Kost.
Kein Unterhaltungsprogramm sondern Herausforderung an Empfindung wie Intellekt. Buttmann
begann, kaum war das Geläut verstummt, mit “Ein feste Burg ist unser Gott”, Phantasie für Orgel
op. 27. Dank einer ausführlichen Analyse im Programmheft konnte man der Musik
bis in die einzelnen Zeilen gut folgen. Buttmann durchmaß die Phantasie mit langem Atem, die
einzelnen Strophen bildeten ein großes Ganzes. Und die Orgel, das Mannheimer Wunderwerk,
zeigte schon hier, daß sie über feinste Farben und Abstufungen verfügt.

Aus den vier Präludien und Fugen op. 85 folgte nun Nr. 3 in F-Dur. Das Praeludium (Andante) ist
zart, weich und sehr romantisch, die Fuge (Andante sostenuto zieht die Dynamik etwas an.

Die drei Choralvorspiele aus op. 135 (Nr. 1 “Ach bleib mit deiner Gnade”, Nr. 20 “O Gott, du
frommer Gott” und Nr. 30 “Wunderbarer König”) wirkten durch ihre schlichte
Registrierung und die hochromantische Harmonisierung.

Am Ende dann der ganz große Brocken: “Introduction, Passacaglia und Fuge e-moll op. 127. Als
Auftragskomposition zur Eröffnung der Jahrhunderthalle in Breslau 1912/13 geschrieben, ist das
Stück doch nicht auf die dortige, seinerzeit größte Orgel der Welt festgelegt. Dennoch ist es wohl
kein Zufall, daß Reger die Form einer Passacaglia wählte, kann man doch in so einer langen
Variationskette die Möglichkeiten eines Instruments bestens vorführen. Nach kräftiger Introduction
ging es dann auch im Pianissimo mit dem Passacaglia-Thema los. Es war eine Lust, der weiteren
Entwicklung - über lange Strecken im ruhigen Bereich - zu folgen. Nicht weniger als 26 Mal wird
das Thema durchschritten, verriet das Programmblatt. Die (Doppel-)Fuge beginnt mit einem
feingliedrigen, schnellen Thema in hoher Lage (etwas “hibbelig” würde man im Rheinland wohl
sagen), das zweite Thema zieht dann noch mal alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Schluß steigert
sich großartig, bis endlich die ersehnte Auflösung steht. Durchatmen! 30 Minuten.

Buttmann hatte das große Werk wirklich gemeistert, Gestaltungskraft und langen Atem beweisen.
Zu Recht gab es viel Beifall, mehrere Vorhänge. Aber leider waren nicht mehr als 40 Hörer
gekommen, die sich in der für mehrere Hundert Personen gedachten Kirche verloren, zumal ein
jeder einen anderen Lieblingsplatz zu haben schien. Ich saß auf der der Orgel gegenüberliegenden
Empore, wo sich auch Karsten - dem Forum wohlbekannt - einfand. So hatte ich die Orgel auf
gleicher Höhe im Blick und Ohr. Zu dieser ist anzumerken, daß die für Herbst dieses Jahres
geplante gründliche Durchsicht und Reparatur (incl. neuer Spieltisch) auch für Laien hörbar
notwendig ist. So wurden uns (ich hatte meinen Bruder dabei) die Zischgeräusche als
Undichtigkeiten des Schwellerantriebs erklärt. Auch hörte man Hänger (zum Glück sehr leise), die
am Ende eines Stücks von Hand abgestellt werden mußten. Da gibt es gewiß eine Menge Arbeit.
Dessenungeachtet ist diese Orgel ein ganz großartiges Instrument, das sich insbesondere für Reger,
Karg-Elert etc. bestens eignet.

Nach dem Konzert gab es noch einen Blick auf die Orgelbühne. Buttmann erwies sich als sehr
aufgeschlossen und auskunftsfreudig. Seine Gesamteinspielung hat er “im Kasten” und klopft sich
dabei erleichtert auf die Brust. Gut nachzufühlen, daß das eine Belastung und Herausforderung der
schwereren Art war. Als er erfuhr, daß wir aus Düsseldorf angereist waren, erklärte er, im April in
der Düsseldorfer Auferstehungskirche zu spielen. Das kann ja nur im Oberkasseler Orgelfrühling
sein. Einer der bisher dafür benannten Organisten muß also ausgefallen sein.

Gruß Clemens Schäfer

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