Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Innenstadt

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Clemens Schäfer
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Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Innenstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Sonntag 7. Februar 2016, 12:17

Hallo Forum,

“freitags um sieben” gibt es in der Düsseldorfer Johanneskirche Evensong, Kammermusik und
Orgelkonzerte in loser Folge. Am 05.02. spiele Wolfgang Abendroth ein Orgelkonzert unter dem
Titel “Bach und BACH”.

Es ging los mit Robert Schumann, Nr., VI aus op. 60. Mäßig, nach und nach schneller. Und lauter,
darf man hinzufügen. Abendroth hatte den langen Atem für diese große Steigerung.

Dann folgte von Johann Sebastian Bach zunächst der Contrapunctus I, dann die Fuge mit drei
(geplant: vier) Themen aus BWV 1080. Jene unvollendete Fuge also, der das letzte Thema fehlt.
Hier hatte Helmut Walcha angesetzt und vervollständigt, indem er das Thema des Contrapunctus I
verwendete. So erhält man ein vollständiges Abschlußstück und rundet gleichzeitig den Zyklus. so
wurde es hier also gespielt, was durchaus logisch klang.

Eine Petitesse war dagegen das Stück “L’Enharmonique” von Jean Philippe Rameau aus den
Nouvelles suites de pièces de clavecin. Hier kommt das BACH-Thema mehrfach vor, so daß man
durchaus auf den Gedanken kommen kann, Rameau hätte hier Bach ehren wollen. Der Titel hat
übrigens nichts mit unserem heutigen Begriff enharmonisch zu tun (so Aberndroth in seinem
Vorspruch).

Weiters gab es von Johann Christian Bach (London) eine Fuge über BACH. Richtig fugiert wird
hier zwar nur ansatzweise; dafür hört man aber ein rechtes Virtuosenstück ohne die höfischen
Pirouetten seines Bruders C.Ph.E..

Vor dem großartigen Schlußstück brachte Abendroth dann noch die für Cembalo geschriebene
Sinfonia f-moll BWV 765, in der Bach seinen Namen intensiv verarbeitet.

Genau das kann man von Max Reger auch sagen. Hier soll ja kein Takt ohne BACH sein: Phantasie
und Fuge über BACH op. 46. Abendroth durchschritt das mächtige Stück souverän. Mit langem
Atem und stupender Technik, klug dosierter Dynamik und Registrierung: Kurz, ein überwältigender
sinnlicher wie intellektueller Genuß, auch wenn hier vom Hörer einiges verlangt wird. Es lohnt
sich, dranzubleiben! Riesiger, sofort einsetzender Beifall der etwa 70 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

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