Michak Markuszewski in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Michak Markuszewski in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 2. Februar 2016, 14:24

Hallo Forum,

am 01.02.2016 spielte bei den “Internationalen Orgelkonzerten an St. Lambertus” Dr. Michal
Markuszewski (*1980) aus Warschau.

Es ging los mit “Cortège et Litanie” op. 16 von Dupré. Das Stück wurde aufmerksam
durchgestaltet. Das war kein sinnfreies Geleiere sondern ein Prozeß, der auf den großartigen Schluß
zuläuft. Ein Auftakt nach Maß, zumal solche Musik sozusagen Bio-Kost für diese Orgel ist.

Szenenwechsel: Bach C-Dur 564. Fast ruhig der Beginn, schönes Pedalsolo, dann hurtige Toccata.
Das Adagio (Chororgel) war gefaßte Trauer, die noch durch zahlreiche eingestreute Verzierungen
aufgelockert wurde. Sehr dezent und geschmackvoll gemacht. Der Übergang zur Fuge perfekt.
Wieder einmal ein oft gehörtes Werk; dennoch spannend von der ersten bis zur letzten Note.

Auf Bach folgte Wagner, Pilgerchor aus Tannhäuser. Grummelnd der Beginn, sanft versiegend der
Schluß; dazwischen gewaltige Steigerung mit gut durchhörbaren Streicherkaskaden. Super
inszeniert.

Mit Franck wurde es wieder intimer: “Prélude, Fugue et Variation” op. 18. Herrlich die SW-Oboe
aus der Hauptorgel. Mit großer innerer Ruhe gespielt. Kongenial schloß sich die lyrische “Elégie”
op. 30 von Mieczyslaw Surzynski (1866-1924) an. Auch hier lange Bögen, gehaltene Spannung.

Auflockernd wirkte danach Alexandre Guilmants March über “lift up your haeds” (Händel). Hier
ging Markuszewski dann am Ende auch mal in die Vollen.

Nun folgten drei Improvisationen über Marienlieder: Ave verum (gregorianisch), Maria breit’ den
Mantel aus und Altenberger Wallfahrtslied. Das erste ging Markuszewski eher modern an, das
zweite nach Art eines barocken Choralvorspiels mit cf im Tenor. Das dritte Lied kannte ich nicht,
konnte also auch die Melodieverarbeitung nicht erkennen. Die Vorgaben für die Improvisationen
hatte er eine halbe Stunde vor dem Konzert bekommen.

Das Konzert endete mit “Preludia Maryjne” von Juliusz Luciuk (*1927). Hier stand eine
gregorianische Melodie am Beginn, es folgten zahlreiche Variationen in unterschiedlichen Stilen.

Großer, herzlicher Beifall der kaum 100 Hörer; zwei Zugaben (Bach-Bearbeitungen u.a. aus BWV
29). Ein große Konzert: Kenntnisreiches, überlegtes, und inspiriertes Musizieren ohne
Übertreibungen, Kraftmeierei oder Virtuosengehabe, sicheres Gespür für das richtige Tempo und
beste Inbesitznahme des Instruments.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Dem Himmel sei’s nochmals geklagt: Seit der katholische Kantorenkonvent vor einigen Jahren
seine Winterlichen Orgelkonzerte vom Mittwoch auf den Montag verlegt hat, gibt es jedes Jahr die
Überschneidungen mit der Konzertreihe in St. Lambertus. Dieses Jahr spielte zur gleichen
Terminsstunde Ulrich Karg in St. Blasius, Düsseldorf-Hamm. Und sein Programm war mit Langlais
(Medievale), Bonnet (Claire de lune), Vierne (Hymne au soleil), Cogon (Nocturne) und Tournemire
(aus mystique Nr. 35) ebenfalls höchst interessant.
Müssen solche Überschneidungen wirklich sein?

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