Eun Hye Lee in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Eun Hye Lee in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 8. Dezember 2015, 14:00

Hallo Forum,

Eun Hye Lee hieß die Interpretin des Dezember-Konzerts der “Internationalen Orgelkonzerte” an
St. Lambertus in Düsseldorf (Altstadt). War es der fernöstliche Name oder waren es die
Weihnachtsvorbereitungen, die manche Besucher vom Kommen abhielten? Es waren jedenfalls
nur etwa 80 Hörer da, Wer fehlte, hat freilich ein grandioses Konzert verpaßt.

Lee stammt aus Südkorea, hat erst dort studiert, dann in Berlin mit Konzertexamen. Verschiedene
Fortbildungen und Preise, u.a. ein Voluntariat am Berliner Dom. Debutkonzert dortselbst 2006.
Umfangreiche Konzerttätigkeit. Seit 2011 ist sie Organistin an der Katholischen Kirche in
Weinfelden (CH). Verheiratet ist sie mit Simon Menges, der im Juni ein Konzert in St. Lambertus
gab. Lee spricht akzentfrei Deutsch.

Ihr Programm begann sie mit Buxtehude: Passend zum Kirchenjahr “Magnificat primi toni”
BuxWV 203. Die einzelnen Abschnitte wurden gut gegeneinander abgesetzt. Das ließ schon einmal
aufhorchen. Sehr klangschön dann von Jean Adam Guillain (1680-1739) ein Tierce en Taille” aus
Pièce d’ Orgue pour le Magnificat; Suite im 2. Ton.

Ein “March du Veilleir de Nuit” folgte; pfiffige Bearbeitung von Bachs Wachet-auf-Kantate
(Widor, Bachs Memento). Sehr schön zu hören, gut komponiert und von Lee bestens in Szene
gesetzt.

Dann gab es Musik von Oreste Ravanello (1871-1938): Teme e Variazioni per Grand’Organo. Fast
harmlos kam das Thema daher, dann wurde aber ein großer Reigen verschiedener Charakteren
gezeichnet. Stilistisch basiert Ravanello in der Spätromantik, hat aber gewiß von Reger und sogar
weiteren Neuerern gehört. Das Stück bietet reichlich Gelegenheit, sich im Registerfundus der
großartigen Riegerorgel zu bedienen. Das tat Lee gekonnt und geschmackssicher.

Auch beim Cantabile op. 37 Nr. 1 von Joseph Jongen bewies Lee Klangsinn. Herrliches Solo aus
dem HW, Begleitung aus der Chororgel (das funktioniert hier übrigens gut, da die Kirche klein ist
und das Publikum genau zwischen den Orgeln sitz, so daß die Schallaufzeiten sich nicht störend
bemerkbar machen).

Mit Ulisse Mattey (1876-1947) hatte Lee einen weiteren italienischen Komponisten im Programm.
Von ihm gab es Giga per Grand’Organo. Hier konnte Lee auch mal in die Vollen gehen.

Ganz herrlich (und der Höhepunkt dieses Konzerts) war danach die Bach-Bearbeitung von Virgil
Vox über “Schafe können sicher weiden” aus der Kantate BWV 208. Lee badete förmlich in
amerikanischen Streicherklängen. Es war allerliebst. Und dennoch keineswegs überzogen oder
kitschig. Da wußte Lee offenbar jederzeit genau, wo die Grenze war.

Das Konzert endete mit der Ouvertüre zum Oratorium “Paulus” von Mendelssohn Bartholdy,
bearbeitet für Orgel von William Thomas Best. Auch hier bewies Lee nochmals viel Klangsinn und
Stilsicherheit und hatte am Ende durchaus noch etwas zuzusetzen.

Der Nachhall wurde fast abgewartet, dann setzte lebhafter, anhaltender Beifall ein. Zugabe Purcell,
Voluntary in G. - Die Noten blätterte übrigens Simon Menges, der über weite Strecken auch die
Verantwortung für die Setzer und Schwelltritte übernahm.

Gruß Clemens Schäfer

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