10. ido: Patrick Johansson in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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10. ido: Patrick Johansson in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 3. November 2015, 12:44

Hallo Forum,

Mit dem Internationalen Orgelkonzert im November (St. Lambertus, D-Altstadt) endete die
nunmehr 10. Ausgabe des Internationalen Düsseldorfer Orgelfestivals - ido. Patrick Johansson aus
Irland (Geboren 1992 in Borneo, aufgewachsen in Portugal, Schüler von di Rosa, Briggs,
Wallenhorst, Mechler und Latry) spielte das Konzert am 02.11.2015.

Aufhorchen ließ bereits das zu Anfang gestellte Pièce Heroique von César Franck. Johansson
registrierte ungemein fein und klangsinnig, nie fett oder dicht; damit war das Stück bis in den
Schlußakkord von klarem Licht durchflutet. So etwas hört man selten. Sehr schön.

Der positive Eindruck setzte sich fort: Der hierzulande wenig aufgeführte Herbert Howells
(1892-1983) wurde mit Psalm Prelude Nr. 1 op. 32 (über Ps 32 Vers 6) vorgestellt. Hier bewies
Johansson langen Atem, spielte in geringer Lautstärke große Bögen und hielt die Spannung. Die
Musik ist der Spätromantik nicht fern, auch wenn sich Howells gelegentlich zarte Ausflüge in
modernere Zeiten erlaubt. Wahrhaft kein Bürgerschreck, aber vor allem - und das ist wichtig - kein
Langweiler.

In die Vollen, aber nicht lärmend, stieg Johansson bei Messiaen ein: Toccata aus “Dieu Parmi
Nous”. Von Charles Tournemire folgte Improvisation sur le “Te Deum” (abgehört und
aufgeschrieben von Duruflé? Oder Originalkomposition dieses Titels?). Beides sehr eindrucksvoll.

Mit Psalm Prelude Nr. 3 op. 32 (über Ps. 23 Vers 4) kehrte Johansson noch einmal zu Howells
zurück. Es war ja zu schön gewesen beim ersten Mal. So folgte man diesem Psalmlkommentar
denn auch gerne und mit Genuß.

Abschließend improvisierte Johansson über “Civitas Sancti Tui”. Mit den Möglichkeiten der
insgesamt 76 Register von Turm und Chororgel (Rieger 1999/2004) hatte er sich offenbar bestens
vertraut gemacht. Und so demonstrierte er Klangsinn und Einfallsreichtum.

Der Nachhall wurde abgewartet, dann aber gab es in der fast vollständig besetzten Kirche großen
Applaus für eine sehr sympathische Vorstellung. Zwei Impros als Zugaben.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Verpaßte Konzerte:
Im 10. ido war ja viel mehr los, als hier von mir besprochen. Gerne hätte ich das Wagner-Konzert in
St. Lambertus (Parsifal, Tannhäuser, Rienzi, Walküre) gehört. Aber da war ich nicht in Düsseldorf.
Kann jemand berichten? Wie war das Konzert mit Francesco Finotti in St. Margareta? Ganz
schlimm war der 01.11.2015: Drei Konzerte von Gewicht waren angekündigt: Zum einen Bach,
Goldberg-Variationen in D-Urdenbach (Klaus Schulten), Zeitgenössisches (Sustek u.a. mit
Christoph Pülsch) in St. Antonius, D-Oberkassel. Ich entschied mich schweren Herzens gegen
beides und erwartungsfroh für das Auryn-Quartett im Robert-Schumann-Saal, die Janáceks Intime
Briefe, Sibelius’ voces intimae und Beethoven op. 132 spielen wollten. Ein ungemein dichtes,
beseeligendes Quartetterlebnis. Kammermusik diesen Kalibers schlägt - halten zu Gnaden, liebe
Orgelfreunde - nun mal alles.

Heute Abend beginnt in der hiesigen Tonhalle eine Serie von acht Konzerten, in denen die 32
KLaviersonaten von Beethoven geboten werden: Igor Levit.

kjz1
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Re: 10. ido: Patrick Johansson in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von kjz1 » Dienstag 3. November 2015, 13:53

Clemens Schäfer hat geschrieben:Von Charles Tournemire folgte Improvisation sur le “Te Deum” (abgehört und
aufgeschrieben von Duruflé? Oder Originalkomposition dieses Titels?).
Weithin bekannt ist da eigentlich nur die von seinem Schüler Duruflé notierte Improvisation, die Tournemire für ein Plattenlabel eingespielt hat.

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