10. ido: Alexander Fiseisky in St. Margareta, D-Gerresheim

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Clemens Schäfer
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10. ido: Alexander Fiseisky in St. Margareta, D-Gerresheim

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 6. Oktober 2015, 12:33

Hallo Forum,

ein ganzer Abend mit Bach, das geht auch ohne CC! Alexander Fiseisky spielte im 10. ido ein
solches Programm in St. Margareta, Düsseldorf-Gerresheim. Hier hatte er vor genau 15 Jahren
einen Bach.Marathon gegeben - das vollständige Orgelwerk in 20 Stunden. Damals war ich nicht
dabei, spektakulär muß es aber gewesen sein.

Nun kam er mit einer reichen Auswahl an Bächen. Es ging los mit zwei Frühwerken: Praeludium
G-Dur BWV 568 und Fuge G-Dur BWV 577. Eigentlich Einzelwerke, die Fiseisky aber subito e
sequente anschließend zu einem Pärchen machte. Man spürt die Genialität Bachs durchaus; vor
allem in der Fuge aber ergibt sich am Ende doch auch etwas Leerlauf

Nun kam die Partita “Ach, was soll ich Sünder machen?” BWV 770. Hier hätte eine etwas weniger
nervöse Registrierungsart gut getan. Es gab viele Effekte, aber die wollten sich nicht zum großen
Ganzen fügen.

Wieder sehr effektvoll, frei in der Agogik der Beginn von Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV
564. Einmal im Fluß, lief es dann aber rasch und präzise. Das Adagio wurde schön ausgesungen,
der Schluß kam dann süß und fast verklärend. Ein Wunder, was man hier offenbar alles machen
kann. Meist wird hier dramatisiert (“abgestiegen zu der Hölle...”). Und das legt doch auch die
Harmonik nahe. Aber Fiseisky faßte es versöhnlich und weich auf. Es ließ mich einigermaßen
ratlos zurück: Es war vielleicht falsch aber doch auch schön so.

Drei Choralbearbeitungen unterschiedlichen Charakters (BWV 724, 701, 696) folgten. Vom
Himmel hoch kam der Klang da wirklich - ganz hohe Flöten.

Höhepunkt des Konzerts sollten dann Praeludium und Fuge h-moll BWV 544 werden. Da paßte
wirklich alles: Tempo, Agogik, Registrierung, technische Perfektion. Da blieb man von Beginn bis
Ende auf der Stuhlkante. Sehr schön dann auch die beiden folgenden Choralvorspiele BWV 709
und 715, letzteres mit erstaunlicher Harmonik, ersteres mit schöner Oboe.

Nun gab es noch ein zweiteiliges Trio, BWV 585, im Beginn ruhig und sparsam registriert, am
Ende fülliger und eher verwischend gespielt. Zum Abschluß Toccata und Fuge d-moll, BWV 565;
packend gemacht und wirkungsvoll zum Ende gebracht.

Merkwürdigerweise war der Beifall (über 100 zahlende Besucher) nicht sofort da. Dann aber faßte
sich einer ein Herz, es wurde dankbar geklatscht. Begeisterung sieht allerdings anders aus. Zugabe:
Mendelssohn, Maestoso aus der Dritten? Fett registriert, kaum zu erkennen.

Gruß Clemens Schäfer

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