10. ido: Giampaopo Di Rosa in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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10. ido: Giampaopo Di Rosa in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 6. Oktober 2015, 12:30

Hallo Forum,

Im Oktoberkonzert der “Internationalen Orgelkonzerte an St. Lambertus” - zugleich als
Veranstaltung des 10. ido - war Giampaolo Di Rosa zu Gast. Die doppelte Trägerschaft bescherte
dem Konzert großen Zulauf: Alle Bänke besetzt, Zusatzstühle mußten herbeigeschafft werden.
Große Kulisse also.

Di Rosa hatte ein interessantes Programm ausgedacht. Am Beginn Schumann, dann alle
Choralvorspiele op. 122 von Brahms und am Ende BWV 540 (F-Dur). Gerade der Brahms-Block ist
ja selten zu hören. Einzelne Vorspiele finden zwar gelegentlich in die Konzertprogramme; alle am
Stück gibt es jedoch selten. Für mich war das eine Premiere.

Der Schumann (Fuge über BACH op. 60 Nr. 4) begann vielversprechend. Im Verlauf aber steigerte
Di Rosa die Lautstärke und Registerzahl immer mehr, bis das Werk geradezu krachend endete. Da
schaute man schon etwas ratlos.

Daß der Brahms schwere Kost werden würde, hatte ich erwartet. Da geht es weniger um
Schönklang als um Tiefe. Und so erwiesen sich unter Di Rosas Händen und Füßen die einzelnen
Stücke auch als herb und schwer zugänglich. Dennoch gab es viele sehr hörenswerte Momente,
harmonische Wendungen von großer Kühnheit. In der Registrierung war Di Rosa vorsichtig,
übertrieb nichts. Andererseits gab es dadurch aber auch eine gewisse Gleichförmigkeit. Leider
setzte er die Stücke nicht deutlich voneinander ab (kaum Pausen zwischen den Werken), so daß so
mancher mit der Zählung durcheinander gekommen sein dürfte, zumal Brahms den cf oft gut zu
verstecken weiß. Opus 122 als Zyklus geeignet? Nach dieser Erfahrung eher nicht. Aber man durfte
dankbar sein, die Erfahrung machen zu dürfen.

Beschlossen wurde der Abend durch Toccata und Fuge F-Dur. Di Rosa begann nicht zu schnell, im
ersten Pedalsolo wollte er dann offenbar die Verspätung aufholen und rannte los. Leider mußte er
seinem Tempo gehörig Tribut zollen - viele Töne verweigerten sich. Auch im zweiten Pedalsolo
wieder diese Temporückung (nicht ganz so stark wie beim ersten Mal). Danach floß es recht zügig
dahin. Di Rosa hatte eine zungenlastige Registrierung gewählt. Das führte in der Diskantlage zu
schreienden Klängen, die schnell ermüdeten. Das blieb leider auch in der Fuge so, die donnernd
beendet wurde. Nein, so möchte ich Bach nicht hören.

Der Beifall war, schon aufgrund der Hörerzahl, stark. In einer improvisierten Zugabe tobte sich Di
Rosa (karminfarbener hoch geschlossener (Uniform-) Rock, Hose in altrosa) dann regelrecht aus.

Gruß Clemens Schäfer

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