Jens-Peter Enk in der Neanderkirche, D-Altstadt

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Antworten
Clemens Schäfer
Beiträge: 194
Registriert: Samstag 16. November 2013, 19:31
Wohnort: Düsseldorf

Jens-Peter Enk in der Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 6. August 2015, 14:16

Hallo Forum,

Zweites Sommerliches Orgelkonzert in der Neanderkirche, D-Altstadt. Jens-Peter Enk, Leiter der
Arbeitsstelle Kirchenmusik der Evangelischen Kirche im Rheinland und Organist der
Kirchengemeinde Wuppertal-Unterbarmen, weiland Organist an der Christuskirche in D-Oberbilk,
spielte aus Barock und Romantik.

Er begann mit Böhms “Allein Gott in der Höh sei Ehr” mit cf im Baß und fugierten Oberstimmen.
Dann war im Programmheft Fantasie C-Dur BWV 572 angekündigt. Das konnte nicht stimmen.
Das Pièsce de Orgue steht in G. In seinen Erläuterungen vor dem Konzert machte Enk deutlich, daß
er eine Fantasie spiele, die von Bach nur als 13-taktiges Fragment vorliege. Die Ergänzung stamme
von Wolfgang Stockmeier. Also hörten wir BWV 573. Schon gekonnt, was Stockmeier da
komponiert hat. Danach gab es BWV 663, “Allein...”) aus der Leipziger Handschrift. All’ dies in
ordentlichem Vortrag.

Als Zwischenspiel folgte ein “Festival Offertorium” von Percy Fletcher (1879-1932); harmonisch
jederzeit auf sicherem Boden, Bedeutung eher durch Laustärke als Substanz erheischend. Schlicht
überflüssig.

Dann hatte sich Enk einen großen Brocken vorgenommen: Liszt, Ad nos. Nun wissen wir, daß Enk
ein durchaus versierter Spieler ist. Aber mit dieser Aufführung konnte man nicht glücklich werden.
Die Kirche hat eh’ wenig Hall; bis zum letzten Platz besetzt, wird auch das Wenige noch
aufgesaugt. So trägt nichts über die Übergänge und Einschnitte hinweg. Die Orgel ist im Kern
barock; zwar gibt es spanische Trompeten und ein französisch angehauchtes SW (das dürfte 1965
schon sehr ungewöhnlich und mutig gewesen sein), der Rest aber ist alles andere als romantisch.
Hinzu kam, daß die heftigen Temperaturänderungen der letzten Tage nicht ohne Einfluß auf die
Stimmung geblieben waren. Da mochte sich Enk noch so sehr mühen, ein großes Ganzes entstand
nicht.

Dennoch großer Beifall der vollständig besetzten Kirche, der nach dem zweiten Vorhang aber
abebbte und erstorben wäre, hätte nicht Enk noch schnell eine Zugabe nachgeschoben.

Gruß Clemens Schäfer

Poupoulcorouse
Beiträge: 178
Registriert: Dienstag 3. November 2009, 16:24
Wohnort: Elberfeld

Re: Jens-Peter Enk in der Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von Poupoulcorouse » Donnerstag 6. August 2015, 17:27

Da deine immer lesenswerten Konzertberichte hier meist unkommentiert verhallen, wollte ich dir wenigstens zwischen Tür und Angel einen kleinen Dank für deine unermüdliche Beitragsfreude zukommen lassen: Danke, weiter so!

Vielleicht schaffe ich es ja auch nächsten Mittwoch zu Oskar Gottlieb Blarr mal wieder in die Neanderkirche, wenn ich meinen Holdesten überredet bekomme.

Antworten