Vincent Rigot in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Vincent Rigot in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 4. August 2015, 11:50

Hallo Forum,

Zugegeben: Den Namen hatte ich noch nicht gehört. Vincent Rigot, Organist von Saint
Louis-en-l’Isle (Aubertin-Orgel) in Paris, spielte das August-Konzert der Internationalen
Orgelkonzerte an St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt. Er reihte sich nahtlos ein in die Riege
erstklassiger französischer Spieler, von denen der/die eine oder andere vielleicht bekannter sind.
Dabei bat er noch um Nachsicht: Sein linkes Handgelenk steckte in einem Verband. Das aber war
zu keiner Zeit spürbar.

Das Programm las sich als bunter Strauß französischer Blumen. Aber Routine war nicht angesagt.
Rigot hatte etwas zu sagen und tat das auch. Er begann mit Fantaisie B-Dur von
Alexandre-Pierre-Francois Boely (1785-1858). Ein Stück, das an die Tradition spätbarocker
Konzerte anknüpft. Große Laufwerk, sanfterer Mittelteil. Anschließend sehr schön gestaltet und mit
vollem g-moll-Gewicht das Prélude von Gabriel Pierné.

Erster Höhepunkt wurde dann der 1. Choral E-Dur von César Franck. Hier schritt Rigot in
gemessenem Tempo voran und erzählte geradezu die einzelnen Abschnitte. So mancher Übergang
wurde auf diese Weise deutlicher. Rigot hatte wunderbare Klangfarben zusammengestellt. Aber die
Aufmerksamkeit der Hörer wurde auch sehr stark in Anspruch genommen.

Auflockernd wirkte da das Scherzo aus der ersten Symphonie op. 14 von Louis Vierne. Schön
ausgearbeitet folgten die Variations sur un thème de Clément Janequin von Jehan Alain.

Dann ging es auf eine spannende Reise in die Welt des Olivier Messiaen: Alleluias sereins d’une
áme qui desire le ciel. Das war ganz tief empfunden und wunderschön durchgehalten. Herrliche
Klangfarben. Danach mußte man durchatmen. Der zweite Höhepunkt.

Als Schlußstück hatte Rigot ursprünglich das Geläut von Big Ben vorgesehen. Aber er hatte wohl
selbst gemerkt, daß das nach dem Messiaen allzu äußerlich gewirkt hätte. So bot er als “Ersatz”
Litanie von Alain. So hielt er das Niveau - es paßte erstklassig.

Der warmherzige und anhaltende Beifall der trotz Hitze rund 130 Hörer war sofort da. Als Zugabe
improvisierte Rigot über GL 497 (Gottheit tief verborgen) und setzte textgemäß zu Beginn und am
Ende die geheimsnisvollen Streicher ein. Ein gutes, ertragreiches Konzert.

Gruß Clemens Schäfer

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