Orgelkonzert, St. Kastor, Koblenz, 14. 6.

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z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
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kjz1
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Orgelkonzert, St. Kastor, Koblenz, 14. 6.

Beitrag von kjz1 » Mittwoch 17. Juni 2015, 18:42

Hallo Forum!

Am 14. 6. fand in unserer Kirche ein Orgelkonzert mit Studenten des Meisterkurses
Orgel (Prof. Hans-Jürgen Kaiser) der Villa Musica statt. Die Villa Musica wurde
als Stiftung vom Land Rheinland-Pfalz zur Förderung junger Musiker gegründet und ist
u.a. im Schloß Engers (nahe Koblenz) beheimatet. Mittlerweile gibt es dort zum
fünfzehnten Mal einen Orgelkurs und in dessen Rahmen ist es Usus, dass auch Konzerte
an Orgeln der Region stattfinden. Diesmal also an der neuen Mayerin in St. Kastor.

Das Konzert wurde von Prof. Kaiser mit launigen Worten moderiert, wobei er sich sehr
wohlwollend über die Orgel äusserte. Vielleicht auch deshalb, weil er als Student bereits
an einer Mayer-Orgel übte und bereits damals derselbe Intonateur (wie jetzt auch)
die Orgel intoniert hatte. Das nennt man wohl Kontinuität.

Es gab zwar kein gedrucktes Programm, aber das Konzertprogramm laut meiner Erinnerung:


Agata Bloniarz

Thierry Escaich: 2 Versets über 'Victimae Paschali'
Charles-Marie Widor: Symphonie Nr. 6 g-Moll (Adagio, Intermezzo, Cantabile)


Sebastian Schlöffel

Guy Bovet: Salamanca
„Textimprovisation“ über Psalm 104


Carsten Ehret

Johann Sebastian Bach: Clavierübung Teil III 'Jesus Christus, unser Heiland'
Johann Sebastian Bach: Triosonate für Orgel G-Dur, BWV 530


Agata Bloniarz

Maurice Duruflé: Choral varié sur le 'Veni Creator', op. 4


Ein Programm mit Werken, die man nicht jeden Tag in Orgelkonzerten hört. So
wurden von Widors 6. Sinfonie halt eben nicht die öfter zu hörenden Ecksätze,
sondern die Mittelsätze gespielt.

Mein Eindruck: Alle Künstler haben sich mit der Einregistrierung viel Mühe gegeben.
Der Tutti-Piston kam nicht zum Einsatz, da war alles ausregistriert.

Salamanca von Guy Bovet begann sehr ruhig, die Klänge der Orgel imitierten da eine
Piccolo-Flöte und eine kleine Trommel und dann wurde die Registrierung langsam
gesteigert. Zum Abschluß war sogar kurz die Nachtigall zu hören.

Bei der Textimprovisation rezitierte eine Kommilitonin Verse aus Psalm 104, die dann
Sebastian Schlöffel lautmalerisch mit Orgelklängen unterlegte.

Die Orgelwerke von Bach kann man zwar auf dieser Orgel spielen, aber da liegen nicht
unbedingt die Stärken dieser Orgel. Man muss für Bach halt eben sehr selektiv
registrieren. So ähnlich, wie es Orgelwilli für seine Orgel auch schon mal vor langer
Zeit sagte.

Voll 'in ihrem Element' war die Orgel jedoch bei den Orgelwerken der französischen
Komponisten. Diese 'passen' dann wesentlich besser zu den Klangmöglichkeiten dieser
Orgel.

Vor dem Choral über 'Veni Creator' wurde dieser (in deutscher Übersetzung) von 6 Studenten
gesungen. Hier merkte man, was man auch beim Gesang unserer Choralschola immer wieder
feststellen kann: die Akustik der Kirche ist für den gregorianischen Choralgesang
geradezu prädestiniert. Die Wortverständlichkeit ist noch gegeben, gleichzeitig legt
der Raum aber auch eine 'Aura aus Hall' um die Melodie. Dazu kommt dann noch die
romanische Architektur, da passt alles zusammen.

Am beeindruckendsten empfand ich die Interpretationen von Agata Bloniarz. Zwar
klein und zierlich von Statur, aber eine sehr kraftvolle Interpretation der von ihr
gespielten Werke. Wahrscheinlich war dieses Konzert auch eine 'Vorpremiere' für
ihren Auftritt im Fuldaer Dom.

Trotz heissem Wetter (und einer Bierbörse direkt um die Ecke) ca. 70 Zuhörer,
die freundlich Applaus spendeten.

Im nächsten Konzert am 11. Juli spielt Wolfgang Seifen das Programm, wofür er bekannt ist.

kjz1
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Re: Orgelkonzert, St. Kastor, Koblenz, 14. 6.

Beitrag von kjz1 » Mittwoch 2. September 2015, 20:13

Von Guy Bovet's 'Salamanca' ist jetzt auch eine Tonaufnahme im Netz aufgetaucht:

http://www.youtube.com/watch?v=9QQrGQ3ZWDY

Allerdings in relativ schlechter Qualität. Anscheinend hat man unterschätzt, welchen Lautstärkepegel die Hochdruckzungen erreichen können (ca. ab 4:30) und die Aufnahme ist dadurch übersteuert. (Zum Schluß ist im Hintergrund auch die Nachtigall zu hören.)

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