Wann ist ein Dom ein Dom?

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thomas morus
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Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von thomas morus » Donnerstag 28. Mai 2015, 17:20

Ausgehend von folgenden Plädoyer, möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen, parallel zu Facebook, auch hier die spannende Frage zu erörtern

"Wann ist ein Dom ein Dom?" "Was macht eine Kirche zum Dom?" "Amtsanmaßung oder Sakrileg?"

Zur Diskussion...

http://musik-in.gs80.de/foerderverein/d ... plaedoyer/

kernspalter
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 28. Mai 2015, 18:42

Es gibt Kirchen, die als volkstümlich oder halb scherzhaft als "Dom" bezeichnet werden, z. B.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alt-kathol ... ._Theresia
http://www.hardheim.de/sites/gensite.as ... 6&Art=0159

Da, wo sich solche Bezeichnungen eingebürgert haben, kann es sinnvoll sein, diese auch zu benutzen, z. B. zu Werbezwecken.

Wenn der Pfarrer von St. Alban in Hardheim oder der Pfarrer von St. Thomas Morus in Gießen sich nun aber eigenmächtig und allen Ernstes zum "Dompfarrer" ernennen würde, hätte er wohl alsbald Ärger mit seiner mit Diözesanleitung.
Mit kernspalterischen Grüßen

kjz1
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von kjz1 » Donnerstag 28. Mai 2015, 21:10

Nun ja, mir sagte einmal ein Theologe:

Jede Kirche ist ein Dom; Domus = Haus (Gottes)
Aber nicht jede Kirche ist eine Kathedrale; cathedra=(Bischofs)Sitz

Etymologisch ist das eigentlich sehr eindeutig. Und 'Dom' ist eigentlich auch keine geschützte Bezeichnung, die Wikipedia bezeichnet damit 'eine Kirche mit herausragender Bedeutung'. Geschützt ist eigentlich nur die Bezeichnung Kathedrale, das muss ein Bischofssitz sein.

In diesem Sinne gibt es den (riesigen) Magdeburger Dom, schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite aber als Kathedrale die erheblich kleinere Propsteikirche St. Sebastian.

thomas morus
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von thomas morus » Donnerstag 28. Mai 2015, 22:58

Die Abkürzung D O M für DEO OPTIMO MAXIMO war mir nicht bekannt. Auch eine schöne "Ableitung", auch wenn die Bezeichnung Dom wie schon erwähnt wurde, von Domus (=Haus Gottes) rührt.

Unser Pfarrei würde sich sicher nie eigenmächtig Dompfarrer bezeichnen, auch sieht er die ganze Initiative ehr mit gemischten Gefühlen. Die Geistlichen der benachbarten Gemeinden sehen das teils amüsiert teils mit einem Grummeln, wobei ich da hineininterpretiere, dass sie sich einfach ärgern, dass sie nicht früher auf die Idee gekommen sind.

Dabei muss man sagen, dass Thomas Morus die kleinste der drei Gießener Gemeinden ist, also sowohl in Kirchbau als auch Pfarreigröße, aber das muss ja kein ausschließender Grund für die Titulierung Dom sein. ;-)

kernspalter
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von kernspalter » Freitag 29. Mai 2015, 00:50

thomas morus hat geschrieben:Die Geistlichen der benachbarten Gemeinden sehen das teils amüsiert teils mit einem Grummeln, wobei ich da hineininterpretiere, dass sie sich einfach ärgern, dass sie nicht früher auf die Idee gekommen sind.
Ich würde das auch eher amüsiert sehen.

Wenn ich die Idee wirklich überwältigend gut fände, würde ich auf den Zug aufspringen und Gießen zur "Stadt der drei Dome" erklären.

Aber ich sehe noch nicht so richtig den tieferen Sinn der Initiative. Netter Gag, aber darüber hinaus?
Mit kernspalterischen Grüßen

thomas morus
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von thomas morus » Freitag 29. Mai 2015, 07:23

Was für einen tieferen Sinn sollte es denn haben? ;-)

tiratutti
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von tiratutti » Freitag 29. Mai 2015, 08:51

thomas morus hat geschrieben:Was für einen tieferen Sinn sollte es denn haben? ;-)
Das ist Wichtigtuerei.

Grüße von tiratutti

Solcena
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von Solcena » Freitag 29. Mai 2015, 19:28

tiratutti hat geschrieben: Das ist Wichtigtuerei.
Finde ich ebenfalls. Man liest zwar öfter in Chroniken, Zeitungsartikeln oder sonstigen Veröffentlichungen "der ...taldom" oder so ähnlich, zuerst schätzte ich das hier ähnlich ein wie solch eine Begeisterung eines örtlichen Pfarrers oder einer stolzen Gemeindebevölkerung, aber sich selbst als "Domorganist" zu bezeichnen, finde ich doch etwas strange.

Klappern gehört zum Handwerk, die Öffentlichkeitsarbeit ist dort vor Ort wirklich bemerkenswert intensiv - viele Aktionen, viel Werbung (sogar hier, überregional, macht ja sonst fast niemand).

Da steckt schon viel Arbeit und Initiative dahinter!

Man muss andererseits aber auch der Typ dazu sein - auf den Gedanken, "Kritiken" von eigenen Konzerten zu verfassen, würde ich im Leben nicht kommen. Das müssten schon andere tun.

thomas morus
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von thomas morus » Samstag 30. Mai 2015, 09:32

Interessante Einschätzungen, aber ob man das spontan einfach als "Wichtigtuerei" abtun kann? Das scheint mir doch für eine ernsthafte Diskussion zu kurz getroffen. Ich käme ja auch nicht auf die Idee der Ev. Gemeinde in Unterreichenbach (http://www.vogelsberger-dom.de/) "Wichtigtuerei" vorzuwerfen.

Es kommt schließlich darauf an, welchen Stellenwert man den ganzen beimisst. Und wie hier schon gesagt wurde, kann vom etymologischen Standpunkt aus imgrunde jede Kirche als DOM klassifizieren. Ob sich dann jemand "DOM-Pfarrer", "DOM-Organist", "DOM-Küster" oder "DOM-Meerschweinchen" nennt, ist doch dann absolut nebensächlich. Zumal man sicher nicht den Fehler machen sollte, den Initiatoren die Motivation für ihre Initiative "vorzuschreiben". Das kann ich mit Sicherheit ausschließen, dass es hier in irgendeiner Form um persönliche Eitelkeiten ginge.

Viel interessanter ist doch die Frage, warum sich Leute so schwer mit der Bezeichnung Dom tun. Dass ein Dom nicht zwangsläufig eine Bischofskirche sein muss, ist denke ich geklärt, auch wenn es im Volksmund zumeist damit assoziiert wird. Die daraus sich ableitende Frage bleibt dann, welche Merkmale - allgemein gesprochen - müsste/sollte ein Dom erfüllen und auf St. Thomas Morus bezogen, sind diese Merkmale in irgendeiner Form erfüllt?

Trifft das Plädoyer zu oder nicht?

Solcena
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von Solcena » Samstag 30. Mai 2015, 10:44

Natürlich kann sich jede Kirche als Dom oder jeder zugehörige Organist als Domorganist bezeichnen, warum nicht.

Die Worte "Dompfarrer" (ein Priester würde, wie schon geschrieben, mit Sicherheit schnell seitens des Bistums eine auf den Deckel kriegen) oder "Domorganist" sind im Volksmund eindeutig für Kirchen mit besonderer überregionaler Bedeutung und Tradition reserviert, das ist Fakt. Ich kenne die Verhältnisse vor Ort nicht, wage aber zu bezweifeln, dass das bei einer "normalen" 60er-Jahre-Kirche der Fall sein wird.

Mir war es jedenfalls immer etwas peinlich, wenn ich spaßeshalber von Leuten mit "Herr Domorganist" begrüßt wurde... in eurem Fall scheint der Pastor ziemlich langmütig zu sein, sonst hätte er sich, trotz der vertretenen Argumentation, längst gegen den "Domorganisten" durchgesetzt :lol:

kernspalter
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von kernspalter » Samstag 30. Mai 2015, 11:15

thomas morus hat geschrieben:Das scheint mir doch für eine ernsthafte Diskussion zu kurz getroffen.
Bisher sehe ich hier einen (Werbe)-Gag ohne tieferen Sinn.

Was müßte da ernsthaft diskutiert werden?
Mit kernspalterischen Grüßen

kernspalter
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Re: Wann ist ein Dom ein Dom?

Beitrag von kernspalter » Samstag 30. Mai 2015, 11:33

thomas morus hat geschrieben:Ich käme ja auch nicht auf die Idee der Ev. Gemeinde in Unterreichenbach (http://www.vogelsberger-dom.de/) "Wichtigtuerei" vorzuwerfen.
Das ist auch eine dieser volkstümlichen Bezeichnungen, die sicher nicht auf eine PR-Aktion der Evangelischen Gemeinde zurückgeht.
Solcena hat geschrieben:Die Worte "Dompfarrer" (ein Priester würde, wie schon geschrieben, mit Sicherheit schnell seitens des Bistums eine auf den Deckel kriegen) oder "Domorganist" sind im Volksmund eindeutig für Kirchen mit besonderer überregionaler Bedeutung und Tradition reserviert, das ist Fakt.
Und auch der KMD, der sich im "Filderdom" um die Kirchenmusik kümmert, nennt sich nicht "Dommusikdirektor" oder "Domkapellmeister":

http://www.walcker-orgel-neuhausen-fild ... rchiv.html
Mit kernspalterischen Grüßen

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