Pavao Masic in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Pavao Masic in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 14. Mai 2015, 12:56

Hallo Forum,

Im fünften Konzert des Oberkasseler Orgelfrühlings (Auferstehungskirche zu
Düsseldorf-Oberkassel) gastierte am 13.05.2015 Pavao Masic, Zagreb.

Masic eröffnete das Konzert mit “Toccata g-moll” von Franjo Dugan (1874-1948). Dugan war
erster Kantor an der Markus-Kathedrale in Zagreb. Seine Toccata orientiert sich am Formmuster
Buxtehudes: Nach kurzer akkordischer Einleitung gibt es eine gut ausgearbeitete Fuge, danach
weitere Teile unterschiedlichen Charakters. Ein schönes, hörenswertes Stück.

An zweiter Stelle spielte Masic aus dem Manuskript “Kyrie eleison” von Ante Knesaurek (*1978).
Modern in der Tonsprache, aber sehr gut hörbar. Das Werk läßt jederzeit die gregorianischen
Versionen des Kyrie durchscheinen, ohne sie jedoch einfach zu kopieren. Gegen Ende gipfelt die
Musik in einem schrecklich dissonanten Fortissimo-Anruf; es folgt mit hoher Flöte über weichen
Streichern ein verhalten tröstlicher Abgesang - sehr eindrucksvoll! Knesaurek schrieb das Werk für
Masic; es besteht aus mehreren Teilen (vermutlich also weiteren Teilen der Messe), wie Masic in
seinen Vorbemerkungen sagte. Es wäre dringend zu wünschen, daß dieses Werk einer größeren
Gemeinde engagierter Organisten zugänglich würde. Und als Hörer wäre ich sehr an den weiteren
Teilen der Komposition interessiert. Aber zur Zeit gibt es weder eine Druckausgabe noch eine
Einspielung.

Nun folgte Mendelssohns vierte Sonate. Die kam aus einem Guß. Sehr schön das Allegro con brio,
im Andante religioso gab es fein abgestimmte Klangschattierungen der Manualebenen. Die ließen
aufhorchen, ohne daß es aufdringlich oder maniriert geklungen hätte. Das Allegretto perlte gekonnt,
das Finale war kräftig und am Ende vielleicht eine Spur zu heftig (fast Tutti). Insgesamt jedoch eine
sehr schöne Darbietung.

Von Vierne gab es danach das herrliche Adagio aus der dritten Symphonie. In großer Ruhe und mit
viel Klangsinn musiziert, zog das dunkel getönte Stück vorbei.

Dann ging es wohl nur noch um einen leichten Abgang. Concerto d-moll von Vivaldi, BWV 596.

Lebhafter, herzlicher Beifall der knapp 100 Hörer. Die Zugabe klang wie vorige Woche bei Mari
Fukumoto nach Petrali, war aber ein Rondo von (vermutlich Giovanni) Morandi. Auch ein
Rausschmeißer.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Letztes Konzert dieser Reihe am 22.05.2015, 18:30h, Thorsten Göbel (Blumenthal op. 57,
Bach BWV 566, R. Strauss Präludium, Gulbins op. 19)

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